E-Commerce :
Das kann der Dash-Button von Amazon

Amazon bringt den Dash-Button nach Deutschland. Mit ihm lassen sich Produkte des täglichen Bedarfs wie Waschmittel, Toilettenpapier oder Rasierklingen ziemlich simpel online nachbestellen. Ohne PC, Handy, Tablet - nur mit Knopfdruck auf einem kleines Gerät. Das hat Vor- und Nachteile. 

Text: Frauke Schobelt

Den Marken-Dash-Button kann man überall hinkleben und direkt per Knopfdruck bestellen.
Den Marken-Dash-Button kann man überall hinkleben und direkt per Knopfdruck bestellen.

So einfach war Online-Shopping wohl noch nie. Der Klopapiervorrat neigt sich dem Ende zu. Die Kondomschachtel ist schon fast leer. Der Hund schaut sehr hungrig. Und das Katzenklo müsste auch mal wieder... Einmal drücken auf den Knopf eines kleinen Gerätes, das aussieht wie ein Schlüsselanhänger - und am nächsten Tag steht das Gewünschte vor der Tür. Jetzt können auch deutsche Prime-Mitglieder mit dem smarten Dash-Button von Amazon Produkte des täglichen Bedarfs einfach per Knopfdruck nachbestellen. 32 Marken sind dabei, darunter Hersteller von Katzenfutter, Waschmittel, Rasierklingen, Pflegeprodukten und eben auch Kondomen. 

Zum Start am 31. August listet Amazon diese 32 Marken auf: Ariel, Kleenex, Herma, Cottonelle, Schwarzkopf, Diadermine, Play-Doh, Pedigree, Dreamies, Eukanuba, Whiskas, Brabantia, Persil, Somat, Gillette, Veet, Oral B, Durex, Caffé Vergnano, Biozentrale, Nobo, Derwent, Nerf, GBC, Finish, Avery Zweckform, Power Point Energy Drink, Wilkinson Sword, Sagrotan, Rexel, Sheba, Cesar. 

4,99 Euro pro Marken-Knopf müssen Kunden bezahlen. Beim Kauf des ersten Produktes wird der Preis jedoch verrechnet. Amazon-Prime-Kunden erhalten die Ware ohne Extrakosten am folgenden Tag geliefert. Der Online-Händler hofft mit der einfachen Bestellmöglichkeit, noch mehr Produkte des täglichen Bedarfs unter die Leute zu bringen. Denn wer fährt schon den PC hoch, um Klopapier zu bestellen? 

Die Dash-Buttons haben auf der Rückseite eine Klebefolie und einen Haken, so lassen sie sich überall befestigen, etwa für Persil oder Ariel direkt an die Waschmaschine. Welches Waschmittel man bevorzugt oder welche Packungsgröße bei Rasierklingen, das lässt sich vorher in der App festlegen. Klickt man zum Beispiel auf Schwarzkopf, werden eine ganze Reihe von Haarshampoos und Pflegeprodukten angezeigt, die man zusammenstellen kann. Der Button ist dann quasi nur noch der Startknopf.

Eine wahrhaft kleine Einkaufshürde. Noch verführerischer als der 1Click-Button in der Amazon-App, der - wenn man nicht aufpasst - auch mal schnell ein 4-Personen-Zelt auf den Weg schickt. Doch damit der Button aus Versehen nicht zu viel bestellt, wenn etwa ein Kind damit spielt, hat Amazon Sicherungen eingerichtet. Akzeptiert wird immer nur eine Bestellung. Per Mail wird man darüber informiert und kann immer noch stornieren. 

Das Easy-Shopping hat aber auch für Kunden seinen Preis. Man bindet sich an eine Marke und kann keine Preise vergleichen. Man zahlt, was Amazon festlegt. Und wie hoch der Preis aktuell ist, weiß man nur, wenn man vorher in der App recherchiert. Um Schnäppchen geht es hier also nicht. Doch für markentreue und einkaufsfaule Gewohnheitstiere kann das trotzdem funktionieren. Druckertinte, Zubehör für elektrische Zahnbürsten, Wasserfilter - es gibt vieles, mit dem man sich ohnehin an eine Marke bindet. Und es kann schlauer sein als ein Abo, von denen Amazon ebenfalls viele anbietet. Denn so bestellt man wirklich nur bei Bedarf. 

Noch wirkt das Angebot wie ein Testlauf. So bietet Oral B für den Dash-Button momentan nur eine sehr eingeschränkte Auswahl an Ersatz-Aufsteckzahnbürsten. Da muss noch mehr kommen, damit Kunden anbeißen.

In den USA wurde das System vor eineinhalb Jahren eingeführt. Dort gibt es mittlerweile Dash Buttons von mehr als 100 Marken. Laut Amazon haben sich in den vergangenen zwei Monaten die Dash Button Bestellungen verdreifacht, mehr als "zwei Mal pro Minute" würden Produkte auf diese Art bestellt. "Der Dash Button macht es leichter als jemals zuvor, genügend Vorrat an täglichen Gebrauchsgegenständen zu haben – ein Service, der von unseren Kunden in den USA mit großem Enthusiasmus angenommen worden ist", sagt Tara Mitchell, Global VP Digital Sales, RB. "Tatsächlich machen die über den Amazon Dash Button getätigten Bestellungen bereits einen signifikanten Anteil unserer Amazon-Verkäufe aus." Genaue Zahlen nennt das Unternehmen allerdings nicht. Wohl aus gutem Grund: Eine Analyse des "Wall Street Journal" zeigt, dass zwar viele US-Kunden die Amazon-Buttons angeschafft haben, aber nur die wenigsten damit auch bestellen. Offenbar schätzen doch etliche Kunden das Einkaufserlebnis im Laden. Und wenn man ohnehin den Großeinkauf am Wochenende erledigt, kann man auch gleich Katzenfutter und Waschmittel kaufen. Außerdem verspielt Amazon offenbar einen wichtigen Trumpf: Die Preise der Dash-Button-Produkte sind zum Teil deutlich höher und schwanken erheblich, wie Tester berichten. 

Letztlich gehe es dem Versandriesen und seinen Markenpartnern auch nicht um Abverkäufe, sondern um Daten, sagen Branchenexperten. Mit dem Dash-Button lässt sich das Einkaufsverhalten von treuen Kunden dokumentieren. Und es lassen sich Erkenntnisse ableiten für die Zukunft des E-Commerce. Denn Amazon drängt es immer stärker in die Haushalte seiner Kunden. Ebenfalls neu am Start in Deutschland: Der Amazon Dash Replenishment Service (DRS), ein Cloud-basierter Dienst für Smart-Home-Anwendungen. Er ermöglicht Herstellern ihre netzwerkfähigen Geräte - Waschmaschinen, Drucker etc. - so aufrüsten, dass sie automatisch Waren und Zubehör nachbestellen können. Die nötige Infrastruktur inklusive Authentifikations- und Bezahldienste sowie Kundenservice und Logistiknetzwerk stellt Amazon zur Verfügung. Zu den Geräteherstellern, die DRS bereits integrieren, gehören Bauknecht, Brother, Bosch sowie Siemens Hausgeräte, Grundig, Kyocera und Samsung. 

Foto: Amazon

Foto: Amazon

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Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.