Mode-Spott im Social Web :
Das Lacher-"T-Shirt-Hemd" von Balenciaga

Die großen Haute-Couture-Häuser machen keine Mode für jedermann. Schon gar nicht muss sie jedermann gefallen. Insofern hat Balenciaga seine Mission erfüllt - und das Netz spottet. 

Text: Susanne Herrmann

Nichts für Feiglinge: Herbstkollektion 2018 von Balenciaga.
Nichts für Feiglinge: Herbstkollektion 2018 von Balenciaga.

Balenciaga ist etwas gelungen, was bei Haute-Couture-Häusern nur selten klappt: Die Kreationen des Modehauses sind das Gesprächsthema im Social Web. Dem Motto "Schlechte Publicity ist besser als keine Publicity" folgend, ist das also eine sehr gute Sache für die Marke.

Die Kollektion geht quasi gerade viral. Thema ist die Männer-Herbstkollektion 2018 des Pariser Modehauses. Die enthält einiges, das eher merkwürdig wirkt.

Nun ist allerdings Haute Couture eben auch nichts für jeden und widmet sich nicht - wie unsere Kleidung von der Stange - der tragbaren Straßenmode. Eher schon hat sie mit Kunst zu tun.

Wer das nicht versteht, hält es vielleicht eher mit dem Schriftsteller Oscar Wilde, der schon im 19. Jahrhundert wusste: "Mode ist so hässlich, dass man sie alle sechs Monate ändern muss."

Das passt insofern, als offenbar viele speziell das "T-Shirt-Hemd" (Bild ganz oben, l.) als extrem hässlich empfinden.

"Ich finde es sehr interessant, die Grenze zu finden, an der aus hässlich schön wird oder umgekehrt. Das ist eine Herausforderung, die mir gefällt."

Zitat: Demna Gvasalia, Chefdesigner Balenciaga

Bei Twitter und Instagram sorgt das Kleidungsstück "T-Shirt-Hemd" jedenfalls für Spott. Nicht nur aufgrund des gewagten Schnitts, sondern auch aufgrund des Preises: Ein Schnäppchen ist das Designerhemd für 950 Euro nicht gerade.

Andererseits wird über T-Shirts - oder Hemden - selten so viel im Netz gesprochen. (Übrigens gibt es auch ein Doppel-Hemd, im Bild ganz oben, 2. v.l. Für Vierarmige, wie böse Instagrammer lästern.)

Die übrigen Modelle, entworfen von Chefdesigner Demna Gvasalia, finden ebenfalls kritische Resonanz. Das dürfte Gvasalia freuen: 2017 sagte er im Vogue-Interview, dass er es als Kompliment sieht, wenn Menschen seine Designs hässlich finden. Lieber sieht er sich als Brecher der Regeln. Und wird dafür mit Modepreisen belohnt.

 

Eleganz, für die das Modehaus Balenciaga einst bekannt war, kann man der aktuellen Kollektion jedenfalls nicht unterstellen. Das zeichnet sich schon länger ab; so wurde eine große Handtasche, die der Ikea-Einkaufstasche "Frakta" zum Verwechseln ähnlich sieht, ebenso verkauft (für knapp 2000 Euro) wie eine Tasche im Edeka-Einkaufstüten-Look (795 Euro).