Dritter auf dem Treppchen der GfdS ist die "Verschwörungserzählung". Damit ist aber nicht nur die Propaganda von Coronaleugnern gemeint, sondern – im Jahr der Wahl des US-Präsidenten - auch die Behauptungen des scheidenden US-Präsidenten Trump, er sei Opfer eines großangelegten Wahlbetrugs geworden. Und auch dank der Verschwö­rungsideologien wie QAnon oder aufgrund rechtspopulistischer Überfremdungsphantasien hat sich die Jury für den Begriff entschieden. Das Wort Verschwö­rungs­erzählung wird übrigens neuerdings häufiger anstelle des älteren Begriffs "Verschwö­rungstheorie" genutzt. Der Grund: Ein unbeweis­bares Kon­strukt sei nicht gut als Theorie, laut Wörterbuch ein "System wissenschaftlich begründeter Aussagen" – zu bezeichnen.

Platz vier errang die internationale Bewegung "Black Lives Matter", kurz "BLM". Sie nahm bereits 2013 in den USA ihren Anfang und erhielt 2020 durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einer Festnahme und die daran anschließenden ausgedehnten Proteste gegen rassistische Polizeige­walt neuen Auftrieb. Auch in Deutschland wurde das Problem eines syste­mischen Rassis­mus diskutiert.

Der Snutenpulli hilft bei AHA

Das Akronym "AHA", ein Buchstaben-Kurzwort aus dem Zusammenhang der Corona-Re­geln "Abstand, Hygiene, Alltagsmaske" schaffte es auf Platz fünf. Durch das Einhalten eines Sicherheitsabstandes von mindestens 1,5 Metern, regelmäßiges Händewaschen und das Tragen einer Mund-Nasen-Be­deckung, regional-umgangssprachlich unter anderem auch "Snutenpulli", "Goschentuch", "Schnüssjäckje", "Bützje­kondom" oder "Maultäschle" genannt, soll die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt werden.

Auf die weiteren fünf Plätzen der Top Ten wählte die Jury die Begriffe "systemrelevant", "Triage", "Geisterspiele", "Gendersternchen" sowie die Abschiedsgrußformel "Bleiben Sie gesund!". Die Tatsache, dass auch bis auf das "Gendersternchen" alle Begriffe mit den Auswirkungen von Corona verquickt sind, unterstreicht noch einmal, wie sehr 2020 auch im sprachlichen Bereich ein Ausnahmejahr ist.



Manuela Pauker
Autor: Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde