Smart Ideas :
Der Baby-Shop für ein Land (fast) ohne Kinder

Südkorea hat mit 1,1 Kindern pro Frau eine der geringsten Geburtenraten der Welt. Hat es da überhaupt Sinn, eine Babymarke zu gründen? Ja, man muss die Zielgruppe nur richtig umgarnen.

Text: Christa Catharina Müller

Der erste Laden von Marie's Baby Circle steht im Starfield Hanam im Osten Seouls.
Der erste Laden von Marie's Baby Circle steht im Starfield Hanam im Osten Seouls.

Im Vergleich zu manch anderem Fleck auf der Weltkarte ist die Geburtenrate in Deutschland astronomisch hoch. Während hierzulande jede Frau 1,5 Kinder zur Welt bringt, sind es in Südkorea gerade einmal 1,1 Kinder. Anders ausgedrückt: Praktisch jede Frau, die dort Mutter wird, ist zum ersten Mal schwanger. Das macht werdende Eltern zu einer sehr homogenen Zielgruppe.

Aus diesem Fakt versucht Emart jetzt Kapital zu schlagen. Das Londoner Designstudio Dalziel + Pow hat für den koreanischen Handelsriesen vergangenen Herbst eine neue Babymarke ins Leben gerufen: Marie's Baby Circle. Der Laden steht in Südkoreas neuesten und größten Einkaufszentrum Starfield Hanam im Osten von Seoul.

Die Zukunft des Point-of-Sale

Komfort wird großgeschrieben, weil das so sein muss: Inzwischen kaufen die meisten Südkoreaner nämlich mobil ein. Um sie in ein echtes Geschäft locken, muss man ihnen also ein paar Extras bieten. Bei Marie's Baby Circle sind das zum Beispiel: ein Personal Shopper für Schwangere, die während des Einkaufs lieber relaxen wollen, eine Babykantine, die Rezeptvorschläge für Kleinkinder und Snacks für Erwachsene bietet, oder die animierten Figuren Susan und Lord Peter, die Tipps rund um Babys Schlaf und Ernährung geben.

Influencer-Mamas geben im Shop Marie's Baby Circle Tipps rund ums erste Kind.

Influencer-Mamas geben im Shop Marie's Baby Circle Tipps rund ums erste Kind.

Marie's Baby Circle ist nicht einfach nur eine irgendeine Babymarke, bei der man Strampler und Wiegen kaufen kann. Der Mutterkonzern Emart denkt weiter. Neben klassischen Produkten soll über den Shop eine Community aufgebaut werden. Kunden werden also auch nach ihrem Kauf mit Infos rund um die Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt versorgt und zwar: von anderen Eltern. Das Thema Community wird auch stationär aufgegriffen. In einer Ecke des Ladens, dem sogenannten "Mother's Market", kommen Mütter zu Wort und empfehlen ihre Lieblingsprodukte.

Funktioniert das Konzept, kann man mit seinen Kunden wachsen. Aus dem Baby Circle könnte dann schnell ein Child Circle werden.


Autor:

Christa Catharina Müller
Christa Catharina Müller

ist seit Februar 2014 Redakteurin im Ressort Marketing, wo sie über Mode und digitales Marketing schreibt. Bevor sie zu W&V kam, hat sie ein Onlinevolontariat bei Condé Nast absolviert und war anschließend drei Jahre als freie Autorin tätig, unter anderem als Bloggerin für Yahoo.