Tatsächlich war es ein Marketing-Coup des Schokoladenherstellers Ritter Sport, der das Einhorn in die Supermärkte galoppieren ließ. Kunden hatten die Sorte in sozialen Medien angeregt, das Unternehmen brachte eine Limited Edition heraus - Fassnacht: "der älteste Marketingtrick der Welt" -, dann legten begeisterte Fans die Homepage des Unternehmens lahm. "Unsere Server sind zusammengebrochen, in den ersten Sekunden nach dem Freischalten hatten wir mehr als 150.000 Bestellversuche", sagt Sprecher Thomas Seeger.

Seeger weiß um die positiven Effekte auf die Marke Ritter Sport aufgrund des kostenlosen Marketings durch die Kunden, die Selfies mit den Tafeln posteten und Videos teilten. "Solche Aktionen laden die Marke neu auf, halten sie modern." Der klassische Esser von Ritter Sport, das im baden-württembergischen Waldenbuch sitzt, sei im Schnitt nicht so jung und männlich. Nun habe man auch die junge und weiblichere Zielgruppe ansprechen können.

Mit Einhorn die weiche Seite zeigen

Der Werbepsychologe Joost van Treeck von der Hamburger Hochschule Fresenius pflichtet bei. "Die Marken zeigen mit den Einhörnern auf der Verpackung, dass sie jung, frisch und auch witzig sein können." Sie versuchten zu vermitteln: Wir sind nicht die große Marke und du der kleine Konsument, sondern wir können miteinander reden. "Die Tendenz ist generell, dass Firmen durch Interaktion mit Kunden eine weiche emotionale Seite einer sonst unnahbaren Firma zeigen wollen."

Auch beim Gewürzhersteller Ankerkraut funktioniert das Einhorn als Zugpferd. "Plötzlich haben Barbecue-Fachhändler angerufen, und hysterische Mädchen standen in unserem Shop und wollten das haben", sagt Anne Lemcke von dem Unternehmen aus dem niedersächsischen Jesteburg. Dabei habe sie zu Rohrzucker nur ein bisschen Kirschpulver und Kokosblütenzucker hinzugegeben. "Es war als Gag gedacht. Das ist nicht die beste Gewürzmischung, die wir haben."

Die Einhorn-Herde wird unterdessen immer größer: Katjes hat sein Fruchtgummi-Sortiment erweitert, mit sauren Zuckerkristallen als "feinem Feenstaub". Von Zwönitzer gibt es ein Einhorn-Bier mit Himbeergeschmack - "das letzte seiner Art". Beim Discounter Lidl stehen Einhorn-Smoothies, Einhorn-Kekse, Einhorn-Pralinen und Einhorn-Joghurt in den Regalen. Funnyfrisch erwägt ernsthaft, die Chips-Sorte "Einhorn" mit Himbeer-Brause-Geschmack in die Läden zu bringen - wenn die User im Online-Voting dafür stimmen. Einhörner überall: Die Unternehmen reizen das Machbare bis zur Schmerzgrenze aus.

dm befeuert Ende des Hypes

Lange gehe das nicht mehr so weiter, sagt Zeiler von Metsä Tissue. "Einhörner sind scheue Wesen, die sieht man kurz und dann verschwinden sie wieder." Deswegen müsse bald eine Alternative auftauchen. Werbepsychologe Joost van Treeck weiß auch, warum: "Wenn etwas nicht mehr frisch, unverbraucht, informell ist, dann wird es langweilig."

Marketingexperte Fassnacht sieht schon klare Anzeichen dafür, dass der Trend zu Ende sein dürfte. So habe etwa die Drogeriemarktkette dm mit der Eigenmarke Balea ein Duschgel mit zwei Dinosauriern in die Regale gestellt. Eines der Tiere hat kunterbunte Farben ums Maul. Das andere fragt: "Hast du das letzte Einhorn gegessen?" Zwar verneint der Dinosaurier das - dennoch heißt das Produkt mit Verweis auf das englische Wort für Einhorn "Bye Bye Unicorn". dm-Geschäftsführerin Kerstin Erbe sagt: "Wir haben das Einhorn noch einmal ironisch aufgegriffen - nun sind wir auf der Suche nach den nächsten Trends."

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Einhörner taugen nur als Frischware

Einhörner werden nach Ansicht mehrerer Branchenexperten nicht mehr lange auf alle möglichen Produkte gedruckt. "Das wird derzeit ausgeschlachtet - damit ist der Trend sicher bald zu Ende", sagte der Werbepsychologe Joost van Treeck von der Hochschule Fresenius. "Wenn etwas nicht mehr frisch, unverbraucht, informell ist, dann wird es langweilig."

Die Firma Metsä Tissue im rheinland-pfälzischen Raubach, die zum Beispiel zuletzt Klopapier und Servietten mit Einhörnern produzierte, stellt einen Rückgang der Anfragen fest. Der Hype flaue ab, sagte Geschäftsführer Christoph Zeiler. Bei Katjes heißt es indes, die "Einhorn-Manie" dauere noch an. Aber beim Schokoladenhersteller Ritter Sport, der den Trend mit seiner Einhorn-Variante in Deutschland losgetreten haben dürfte, glaubt man das eher nicht. "Mittlerweile sind die Einhörner inflationär zu finden. Da muss die Nachfrage nachlassen", sagte Sprecher Thomas Seeger. (dpa/fs)


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