Inzwischen gibt es gut zwei Dutzend Läden in den USA. Das neue größere Geschäft trägt den Namen Amazon Go Grocery und hat laut Kumar rund 5000 Produkte im Angebot. Dort können Kunden auch erstmals unverpackte Ware wie Äpfel oder Birnen einzeln kaufen.

Amazon kaufte auch die Bio-Supermarktkette Whole Foods, behielt dort aber bisher das traditionelle Kassen-Konzept.

Die Analyse von Brian Walker:

"Der Schwerpunkt von Amazon Go ergibt sich aus der Betonung der legendären Flywheel (Schwungrad)-Strategie von Amazon. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Sortiment, der Kundenfreundlichkeit und niedrigeren Betriebskosten – vor allem durch die Reduzierung von Arbeitskosten. Da Amazon Go nun zu einem vollen Lebensmittelgeschäft skaliert, nutzt Amazon seine Investitionen in die KI, sein Prime-Programm, die Zahlungsabwicklung, den Betrieb und die Logistik, um sowohl die Kosten zu senken als auch eine neue Kundenerwartung rund um das Erlebnis des Lebensmitteleinkaufs zu schaffen.

Amazon hat mit seinen marktplatzbasierten Online-Erfahrungen bereits den Druck erhöht und versucht nun, dies auch im Bereich Lebensmitteleinkauf zu erreichen. Die sehr öffentliche Ankündigung und die Medienpräsenz rund um Amazon Go zeigen, dass Amazon möglicherweise absichtlich den Blutdruck und die Einsätze in den Vorstandsetagen der Wettbewerber erhöhen will – und in den Märkten allgemein.

Erinnern Sie sich an die 60-Minuten-Drohnen? Wenn der Amazon Go-Versuch erfolgreich ist, dann würde dies sehr schnell auf die gesamte Whole-Foods-Market-Kette ausgedehnt, was bisher nicht geschehen ist.

Amazon kann es sich leisten, groß angelegte Versuche durchzuführen, kontinuierlich in sie zu investieren – und die Medien saugen dies auf. Aber wir sollten nicht zu viel hineininterpretieren.

Dennoch können Lebensmittelhändler und Unternehmen aller Art von Amazons jüngstem Vorhaben in einigen Schlüsselbereichen lernen: Man sollte sich darauf konzentrieren, ein komfortables Kundenerlebnis zu schaffen, das digitale Kanäle als zentrale Komponente dieses Erlebnisses nutzt, man sollte Daten und KI als Werkzeuge zur Kostensenkung verwenden und das Erlebnis stärker personalisieren.

Nicht zuletzt gilt es zu erkennen – ob einem dies bisher bewusst war oder nicht –, dass man in einem Technologieunternehmen arbeitet. Die Messlatte rückt immer höher und es braucht Unternehmen, die trotz all dieser Disruption weiter florieren."

am/mit dpa


Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".