Fidget Spinner :
Der neue Trend auf Youtube und Instagram

Achtung, Achtung, bitte zurücktreten, der nächste Hype-Zug fährt jeden Moment ein: "Fidget Spinner" kommt nach Deutschland.

Text: Moritz Meyer

- 1 Kommentar

Fidget Spinner sind das nächste große Marketing-Ding.
Fidget Spinner sind das nächste große Marketing-Ding.

Wer aktuell in die Trends von Youtube und Instagram blickt, bekommt eine Ahnung davon, welche Verrücktheit diesen Sommer dominieren wird. Spoiler alert: Es sind keine kleinen Tierchen aus einem Videospiel!

Es geht um "Fidget Spinner". Dabei handelt es sich um eine Art Kreisel, der zwischen zwei Fingern gedreht wird. Auf deutschen Schulhöfen sind die Teile schon seit Wochen "so hart in", wie Youtuber "Oskar" in seinem aktuellen Video verrät. Grund: "Es macht einfach total Bock, die Teile zwischen zwei Fingern zu drehen. Das entspannt total."

Das klingt genauso durchgedreht, wie es ist. Die von Smartphones, Social Media und Computerspielen auf ADHS getrimmte Jugend hat einen neuen Trend entdeckt und der heißt: Entspannung.

Oskar landete mit seinem Video, wie man sich einen Fidget Spinner aus Holz selber bauen kann in den vergangenen Tagen weit oben in den Youtube-Trends und sammelte damit bereits rund eine halbe Million Aufrufe ein. Und er ist nicht allein damit: Allein in der vergangenen Woche wurden fast 50.000 Videos zum Thema "Fidget Spinner" auf Youtube hochgeladen, die Suche nach "Fidget Spinner deutsch" findet 4.000 Einträge.

Ende April begann der Hype um die Fidget Spinner

Es ist alles dabei: Fidget Spinner selber bauen, Faktenvideos zu Fidget Spinnern oder auch, weniger entspannend, Trickwürfe mit den Handkreiseln. Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Tagen noch weitere Videos dazu kommen werden. Fidget Spinner dürften das "Pokemon Go" dieses Sommers werden. Die gute Nachricht für alle Eltern: Dafür legen die Kids sogar das Smartphone aus der Hand.

Begonnen hat der Hype in den vergangenen Wochen. Seit Ende April verzeichnet Google Trends einen deutlichen Anstieg der Suchanfragen nach dem Spielzeug. Das wurde in den 1990er Jahren ursprünglich entwickelt, um hyperaktiven oder autistischen Kindern eine Möglichkeit zu geben, Unruhe und Stress abzubauen. "Fidget" ist das englische Wort für Zappelphilipp. Aber offenbar haben Minderjährige auch ohne Diagnose Bedarf nach ein wenig Handentspannung.

Die plötzliche Nachfrage nach den kleinen Spielzeugen hat die Einzelhändler jedenfalls überraschend getroffen. Ein Schnelltest in der Kölner Innenstadt zeigt: Große Warenhäuser haben die Kreisel bis jetzt nicht im Sortiment, die Verkäufer warten sehnsüchtig auf hoffentlich baldige Lieferung. Lediglich in einem großen Elektrofachgeschäft steht eine schon gut geplünderte Box mit ein paar Restexemplaren.

Jetzt ist das Marketing gefragt

Das ist die schlechte Nachricht für Eltern: Die Suche nach einem begehrten Fidget Spinner, noch kann sie zur Qual werden. Es sei denn, man sucht auf Amazon. Dort fliegen einem die Teile bereits um die Ohren. Von den ersten 20 Plätzen der meistverkauften Spielzeuge sind 19 von Fidget Spinnern belegt, Stand 17. Mai 2017.

Höchste Zeit also, bald auf den Zug aufspringen. Denn auch das hat Pokemon Go gezeigt: Die Halbwertszeit dieser Schulhof-Hypes entspricht in der Regel ziemlich genau der Länge der Sommerferien in Deutschland. In den Social Media-Redaktionen von Agenturen und Unternehmen dürfen die Köpfe jedenfalls schon mal anfangen zu rauchen: Was können wir aus dem Trend machen? Ein lustiges Bürovideo vielleicht, in dem die Kollegen fröhlich am Rad drehen? Oder einfach mal den Chef durchdrehen lassen?

Die Möglichkeiten, bemüht auf jugendlich zu machen, sind sicher grenzenlos. Oder aber man entscheidet sich einfach für Variante B und tut das, was ganz im Sinne der Fidget Spinner ist: Sich zurücklehnen und einfach mal entspannen.

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Autor:

Moritz Meyer

Moritz Meyer (Jg. 1981) schreibt hauptsächlich über Online-Video und den digitalen Wandel. Er war schon so häufig im Internet, dass er aus Versehen mal in einem Video von Y-Titty gelandet ist. Wenn er nicht auf Burgen lebt, trifft man ihn meist in Köln. Fun Fact: Liest immer noch Comics von den Teenage Mutant Ninja Turtles.



1 Kommentar

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Andreas Schaefer 18. Mai 2017

Hmmm, "der nächste Hype-Zug fährt jeden Moment ein"? Mein 7jähriger Sohn liegt mir mit dem Zeug seit Wochen in den Ohren und bei Amazon liegen die Lieferzeiten auch für Prime Kunden derzeit bei durchschnittlich 2 Wochen..
Oder kurz: der Hype ist schon längst da.

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