1,2 Mrd. Umsatz :
Der Trend geht zum Zweitgrill

Wokeinsatz, Pizzastein oder Thermometer-App fürs Handy? Das sind Grill-Zutaten für Leute, die schon alles haben. Jetzt will die Branche mit Zubehör gute Geschäfte machen.

Text: W&V Redaktion

Die Auswahl reicht vom günstigen Gerät bis zur 6000-Euro-Variante.
Die Auswahl reicht vom günstigen Gerät bis zur 6000-Euro-Variante.

Kaum locken die ersten Sonnenstrahlen ins Freie, schmeißen die Deutschen ihre Grills an. Darin liegt auch schon das Problem für die Branche. Woher soll zusätzlicher Umsatz kommen, wenn fast jeder schon einen eigenen Rost hat? Vor dem Hintergrund einer eher bescheidenen Wachstumsrate von 1,7 Prozent im vergangenen Jahr denken die Hersteller nun verstärkt über das Geschäft rund um den eigentlichen Grill nach. Noch vor wenigen Jahren hatte die neue Lust am Kochen unter freiem Himmel der Branche zweistellige Zuwachsraten beschert.

"Das Zubehörgeschäft wird immer wichtiger", stellt Christian Lerch vom Kölner Handelsforschungsinstitut IFH fest. Seitdem viele Haushalte bereits mit einem Grill ausgestattet sind, sehen Experten nun einen "Trend zum Zweitgrill".

Rund 1,2 Milliarden Euro wurden laut IFH im vergangenen Jahr in Deutschland für Grillgeräte, Brennstoffe und Grillzubehör ausgegeben. Nicht mitgerechnet ist dabei eine wachsende Zahl von Kochbüchern rund ums Grillen. Nur noch etwa rund zwei Drittel des Umsatzes entfielen dabei auf Grillgeräte. Gekauft werden dabei laut den Marktforschern sowohl kleine Modelle für unterwegs, die bereits für wenige Euro zu haben sind, als auch teure Geräte für bis zu 6000 Euro.

Die Branche hofft nun auf neue Käufer, auch wenn es bereits ein Gerät im Haushalt gibt. Marketing-Direktorin Simone Weber vom Grillgeräte-Anbieter Weber sagt, nach ihren Informationen werde ein Grill in Deutschland im Durchschnitt nach 6,8 Jahren ausgemustert. Oft gehe es dabei auch darum, einfach ein moderneres Gerät anzuschaffen, sagt Weber. Für das US-Unternehmen ist Deutschland mittlerweile der zweitwichtigste Markt hinter den USA.

Gekauft wird der neue Grill meist im Baumarkt, wo das Grillsortiment seit einiger Zeit auch in den Wintermonaten nicht mehr beiseite geräumt wird. "Seit etwa drei bis vier Jahren gibt es den Trend zum Ganzjahresgrillen", so der Handelsforscher. Bei der Kohle greifen Verbraucher nach Erkenntnissen der Konsumforscher gern beim Discounter oder im Supermarkt zu. Viele wollen noch die offene Flamme. "Der Markt wird von Holzkohle dominiert", so der Experte.

Auf den Rost kommt dabei mittlerweile nicht nur klassisches Grillgut wie Würstchen oder Steaks. Möglich seien ganze Menüs von der Vorspeise bis zum Nachtisch, berichtet Lerch. Bei der Zubereitung könne man am Grill mittlerweile unter "extrem viel" Zubehör wählen. Pfannen und Spieße. Thermometer. Reinigungszubehör. Per Handy-App können sich Grillfreunde zudem benachrichtigen lasen, sobald das fertig gegarte Steak vom Rost genommen werden kann.

Die Grillbranche gilt bereits seit einigen Jahren als einer der Garanten für Wachstum im deutschen Gartenmarkt. Insgesamt konnte das Geschäft rund um das Leben unter freiem Himmel nach Zahlen des Industrieverbands Garten (IVG) im vergangenen Jahr lediglich um 0,5 Prozent auf 18,2 Milliarden Euro zulegen.

Dabei war Deutschland der wichtigste Einzelmarkt in der auf rund 88 Milliarden Euro geschätzten europäischen Gartenbranche. Bei den Pro-Kopf-Ausgaben lagen die Niederlande und Luxemburg mit Ausgaben von jeweils über 350 Euro pro Jahr deutlich vorn, während Deutschland mit etwas über 200 Euro lediglich im Mittelfeld lag.

Uta Knapp,dpa


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