Mirko Borsche :
Designkritik: 8 Metropolen im Logo-Test

Mirko Borsche ist einer der bekanntesten Kommunikationsdesigner der Republik. Für W&V Online hat er sich die aktuellen Erscheinungsbilder weltberühmter Metropolen vorgeknöpft.

Text: Christian Gehl

- 10 Kommentare

Ende der 90er Jahre übernahm Mirko Borsche die Gestaltung von "jetzt", der Jugendbeilage der "Süddeutschen Zeitung", nach dessen Einstellung dann diejenige des "SZ-Magazins". Seit 2007 ist er als Kreativdirektor für das Erscheinungsbild der "Zeit" und des "Zeit-Magazins" verantwortlich, daneben gibt er in München die Subkultur-Zeitung "Super Paper" heraus. Zu seinen Industriekunden zählen unter anderem Audi, BMW, Moleskine, Nike und Rosenthal. Für W&V Online hat Borsche die aktuellen Versuche europäischer Metropolen unter die Lupe genommen, sich so etwas wie eine Corporate Identity in Form von Logos zuzulegen.

Rom: "Das Logo wirkt total beliebig. Was ich vor allem nicht verstehe, ist, warum das Herrschaftliche des alten Stadtwappens aufgelöst wird, zugunsten dieser Seifenblasen. Da fallen mir doch ganz andere Assoziationen ein, wenn ich an Rom denke, etwa Romulus und Remus. Und dass jetzt 'Me & You' im Vordergrund steht, hat nun mal gar nichts Spezifisches. Ein Logo sollte schon etwas mit dem Erscheinungsbild der Stadt zu tun haben. Hinzu kommt, dass so etwas Allgemeines schnell veraltet, schon im zweiten Jahr wird das neue Logo völlig uninteressant sein. Immerhin, die Farben scheinen sich auf die Cäsar-Zeit zu beziehen, aber das ist zu wenig, die Herkunft der Stadt gibt doch so viel mehr her."

Porto: "Dieses Logo mag ich sehr gern. Es hat einen illustrativen Charakter, der sich mir auf den ersten Blick erschließt. Obwohl die Farbigkeit sehr reduziert ist, erkennt man die Herkunft, die weltberühmten Kacheln, sofort. Das Logo führt diese Tradition auf moderne Weise weiter. Ästhetisch ist das Ganze zweifellos sehr gelungen. Und über die Icons können die Eigenschaften der Stadt ideal integriert werden. Ein sehr zeitgemäßes Logo."

 

Genua: "Warum sind die Buchstaben alle abgeschnitten? Wahrscheinlich will man uns sagen, dass sich mehr hinter der Stadt verbirgt, als man gemeinhin annimmt. Ich befürchte aber, dass den meisten Menschen und allen voran älteren Leuten nicht klar ist, warum sie das Wort nicht lesen dürfen. Ein Logo sollte doch aber zugänglich sein. In diesem Fall hilft Modernität nicht weiter."

Florenz: "Ein Wortspiel aus vier Sprachen und das Italienische kann man dann gefettet daraus herauslesen. Man sieht, dass hier viel überlegt wurde. Aber warum ist Arabisch nicht dabei oder Japanisch? Aus diesen Ländern kommen doch auch sehr viele Touristen. Nur weil das Konzept dann nicht funktioniert, hat man diese Sprachen weggelassen." 

Stockholm: "Ja, so geht das. Eine sehr klare und reduzierte Typographie, dazu serifenlos, flächige Farben, das wirkt alles sehr modern, sehr pur."

München: "Ich weiß gar nicht, was hier passiert ist. Wenn man zeigen wollte, dass München spießig, langweilig und nicht gar so modern ist, man also alle negativen München-Klischees auf einmal beisammen haben wollte – dann ist das gelungen. Und auch sonst: Typografisch passt das Bild im Gesamten ganz und gar nicht zusammen." 

Madrid: "Na klar, das leuchtet ein. Das Umdrehen eines Satzzeichens gibt sofort eine klare Idee davon, woher das Logo kommt. Und die Ausrufezeichen deuten auf etwas Besonderes hin, die Hauptstadt."

Manchester: "Bunte Kulturen, buntes Treiben, etwas Farbe in die Stadt bringen – so hätte sich München präsentieren müssen. Gut, jetzt macht es eben Manchester."  


10 Kommentare

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Anonymous User 13. Januar 2016

Danke für die nüchterne gestalterische Beurteilung dieser Teils erbärmlichen Logos, stimme bei allen zu. Man hätte auch noch erwähnen sollen dass es sehr viele Städte mit sehr schönen Logos gibt, leider ist diese kleine und schlechte Auswahl kein Newsposting wert. Beste Grüsse aus Zürich

Anonymous User 13. Januar 2016

Der Claim für das München-Design ist laut HP der Agentur:
"Als Münchner Agentur wollten wir auf ebenso leicht verständliche wie emotionale Weise darstellen, wie unsere Stadt wirklich ist: nämlich viel facettenreicher als sie bisher wahrgenommen wird."

Und das hat sie definitv verfehlt... Borsche d'accord!

Eher fraglich, wie hier einige mit Kritik umgehen würden, wenn jemand vom Fach deren Werke beurteilen würde.

Anonymous User 13. Januar 2016

Ich finde es eine traurige Entwicklung, dass Designer die Arbeiten anderer Designer derartig kommentieren. Mit was für einer Berechtigung bitte. Herr Borsche gibt sich extrem arrogant. Das Porträt von ihm selbst spricht für sich.

Anonymous User 13. Januar 2016

Lassen sich anhand der Kritik Mirko Borsches Lieblingsreiseziele festmachen?
In Teilen bestimmt richtig und gerechtfertigt, was nun aber bspw. an der Münchner Version spießig sein soll, erschließt sich mir nicht so ganz. Bei Porto waren Illustrationen grandios, bloß bei München ist 'ne (fachlich gut illustrierte) Brezn spießig. Kritik wirkt dadurch teilweise beliebig und subjektiv. In einem sind wir uns einig: Rom hat auf ganzer Linie versagt

Anonymous User 13. Januar 2016

"Aber warum ist Arabisch nicht dabei oder Japanisch? Aus diesen Ländern kommen doch auch sehr viele Touristen. Nur weil das Konzept dann nicht funktioniert, hat man diese Sprachen weggelassen." Das den Italienern zu unterstellen, ist RASSISMUS pur!

Anonymous User 13. Januar 2016

Schnoddrig formuliert, mimosenhaft und reichlich eitel geschrieben. Wo bitte ist denn Mikro Porsches Stadt-Design?

Anonymous User 13. Januar 2016

Manchester eine Metropole?
Der war gut!

Was kommt als nächstes? Landshut oder Rosenheim?

Anonymous User 13. Januar 2016

Ist da jemand angepisst, dass er einen Zuschlag für seine Heimatstadt nicht bekommen hat?

Anonymous User 13. Januar 2016

Ganz schöner Benchmark. Es wäre aber verständlicher, wenn die Logos auch einmal in groß und losgelöst von Anwendungsbeispielen gezeigt würden. Bei einigen Abbildungen ist zu wenig zu erkennen.

Anonymous User 13. Januar 2016

Ich bin schwer versucht diesen Artikel aufgrund seiner Unstimmigkeit zwischen Headline und Bericht zu "disliken": In welcher Welt bitte gilt München als Metropole?

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