Kommentar :
Deutsche Automarken in der Krise? Kann nicht sein!

Die IAA 2015 dürfte vielen deutschen Managern vorkommen wie die längste Wurzelkanalbehandlung der Welt. Sollte jemals ein Historiker den Niedergang der deutschen Automobilindustrie im Zeitalter von Digitalisierung und Elektromobilität erzählen müssen: mit dieser Frankfurter Autoshow könnte er einsteigen.

Text: W&V Redaktion

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Die IAA 2015 dürfte vielen deutschen Top-Managern vorkommen wie die längste Wurzelkanalbehandlung der Welt. Von den drei großen Autokonzernen Made in Germany geht nur Dieter Zetsches Daimler AG so heil aus der weltgrößten Autoschau heraus, wie sie in der vergangenen Woche hineingegangen ist. Stand heute, Freitag, 25. September nachmittags, muss man hinzufügen, denn die Dinge ändern sich ja manchmal schnell.

Über diesem Artikel sehen Sie ein Foto, aufgenommen beim IAA-Rundgang am 17. September, gerade einmal eine gute Woche alt. BMW-Chef Harald Krüger fehlt darauf; er war zwei Tage vorher während einer Präsentation vor laufenden Kameras kollabiert. Gesundheitlich zum Glück nichts Ernstes, wie es heißt, aber sollte jemals ein Historiker den Niedergang der deutschen Automobilindustrie im Zeitalter von Digitalisierung und Elektromobilität erzählen müssen: Er könnte mit diesem szenischen Einstieg beginnen. Die IAA 2015 wird in einem Buch mit dem Titel "Rise and Fall" aber auch so ein Thema sein.

Der Mann rechts auf dem Foto ist schon jetzt Geschichte: Professor Dr. rer. nat. Dr.-Ing. E.h. Martin Winterkorn, mittlerweile Volkswagen-CEO außer Dienst und bald vielleicht nur noch für amerikanische Juristen und Sylter Immobilienmakler interessant. Auf der linken Seite lächelt etwas angespannt Rupert Stadler, Audi-Chef, gestern noch Kronprinz, heute übergangen von seinem Kollegen Matthias Müller.

Vieles ist in den vergangenen Tagen über das Image-Desaster für Volkswagen und die Gefahr für die deutsche Automobilindustrie geschrieben worden. Manches davon sehr früh, weil das Ausmaß des Schadens und des Betrugs noch immer nicht absehbar ist. Zu den besten Kommentaren gehört meiner Meinung nach Stefan Kaisers Einwurf bei Spiegel Online "Einmal rechts ranfahren, bitte", überhaupt ein guter Ratschlag für die meisten Medien- und sonstigen Lebenslagen.

Aber nur wenige Kommentatoren (darunter Sascha Lobo, ebenfalls bei Spiegel Online) haben daran erinnert, dass es bald schon um viel mehr gehen könnte als um Image-Krisen und Shitstorms auf amerikanischen Facebook-Seiten: Um die Existenz einer  Autoindustrie, die immer noch auf Verbrennungsmotoren fixiert und seit 20 Jahren an unwirtschaftlichen Brennstoffzellen bastelt. Obwohl 2015 jeder von Elektroautos träumt, der schon einmal in einem Tesla gesessen hat und in drei Sekunden von Null auf 100 beschleunigt wurde.

Die Werbeaufwendungen der Automobilkonzerne summieren sich zu Milliarden. Wenn Volkswagen, Daimler und BMW im Strukturwandel nicht mehr hinterher kommen und der Audi-Claim "Vorsprung durch Technik" lächerlich wird, dann haben deutsche Medien ein Problem mehr. Für einige von ihnen wäre es wahrscheinlich das finale Problem.

Tesla wird es jedenfalls nicht richten. In diesem Video sehen Sie, wie viel die Marke in klassische Werbung investiert. Ich verrate es Ihnen aber schon vorher: gar nichts. Und Deutschland-Chef Philipp Schröder erklärt, warum das so ist.

Aber das kann natürlich alles nicht sein. Unmöglich. Genau so ein Quatsch wurde uns ja in den 90ern erzählt. Damals ging es um die Medienindustrie und um so ein Ding, das Internet hieß. Oder so ähnlich.


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3 Kommentare

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Anonymous User 28. September 2015

Merkste was? Ja... GM echter Fehler (von Zulieferer), fahrlässiger Umgang mit Informationen und schlechtes Krisenmanagement. Bei GM kam es nicht zur Strafe, weil sie vorher 1 Milliarde abgedrückt haben.

Bei VW wurde von vorne bis hinten vorsätzlich gehandelt. Ob es Tote aufgrund geschönter Abgaswerte gab oder geben wird, werden wir nie erfahren. Die Gleichung 124 Tote = schlimm und keine zählbaren Tote = nicht schlimm, ist etwas zu sehr vereinfacht - es fehlen einfach ein paar Unbekannte.

PS: Noch hat es kein Verfahren gegeben und noch sind die Strafandrohungen rein theoretisch. Wer weiß, was im Laufe von Gerichtsverfahren und Verhandlungen passieren wird. Aber das ein vorsätzlicher Betrug anders geahndet werden wird, als ein ein vermasselter Rückruf, ist doch verständlich. Das hat nichts mit Wirtschafts-Protektionismus (das gäbe es relevantere Player), sondern mit zu statuierenden Exempeln zu tun. Übrigens wurde Toyota beim Fußmatten Gate ähnlich wie GM bestraft und ist auch kein US Unternehmen.

Anonymous User 26. September 2015

GM-Skandal: Kaputte Zündschlösser, über 100 Tote, 900 Millionen Schadensersatz

VW-Skandal: Geschönte Abgaswerte, verletzte Egos, bis zu 18 Milliarden?

Merkste was? Tipp: Ein Konzern kommt aus den VSA

Anonymous User 25. September 2015

Es ist schon bezeichnet und ein absolutes Armutszeugnis. Nein, nicht, der Abgasskandal als solcher - sondern die Lust, wie die Medien hierzulande auf die deutsche Schlüsselindustrie draufhauen und ihren Abgesang besingen. Wie bescheuert kann man sein? Diese Art der Berichterstattung ist noch viel dramatischer und kurzsichtiger, als die geschönten Abgaswerte. Und demonstriert alles, nur keinen souveränen und selbstbewussten Umgang mit der Situation - die erst so zu einem mega Skandal aufgeblasen wird. Was ist denn passiert? Ist jemand ums Leben gekommen? Haben Millionen Liter Öl das Meer verseucht? Oder hat jemand die Weltwirtschaft durch hochriskante Geschäfte an den Rand des Ruins gebracht? Nichts von alledem. Vielleicht sollten sich Redakteure und Journalisten einmal bewusst machen, dass es hier um viele Millionen Arbeitsplätze geht. Nicht nur in der Automobilindustrie, auch bei Zulieferern, Dienstleistern und anderen, die in der Wertschöpfungskette eine Rolle spielen. Wir reden hier von 9,6 Millionen Arbeitsplätze! Aber weil das ja alles noch nicht reicht, wird schon Tesla als der neue Star am Firmament der Automobilindustrie abgefeiert.

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