Ein Kraftakt mit veränderten Vorzeichen. Bislang stellte die Messegesellschaft nur die Infrastruktur, um das Objekt Auto zu präsentieren. Die Inhalte lieferten die Aussteller. Nun ist in erster Linie die Stadt als Mobiltitätsplattform gefordert. Daher reicht es nicht mehr nur, geballt an einem Ort mit verschiedenen Informations- und Unterhaltungsangeboten alle Zielgruppen bedienen zu wollen. Zumal immaterielle Themen hinzukommen, die man eben nicht ausstellen könne, so Plass. Es gehe um Brand Experience, weg von der Architektur hin zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Mobilität. Ein Umdenken,dem sich auch die Messebauer und Eventagenturen stellen müssen. 

Die neue IAA soll ein Leuchtturm-Event werden, bei dem viele bisherigen Messe-Paradigmen in Frage gestellt werden und neue Formate die Menschen begeistern sollen. Für die Stakeholder nicht zuletzt eine Überlebensfrage. Denn weltweit haben es die tradierten Automessen schwer. So redet heute kaum mehr jemand über die Detroit Motor Show, aber alle Welt über die CES und ihre Ideen und Innovationen.

Ein Zwei-Säulen-Konzept

Das neue Konzept umfasst zwei Säulen: ein Angebot für Btb-Zielgruppe und eines für Btc-Besucher. Beim Btb-Angebot stehen Dialog und die thematische Auseinandersetzung im Vordergund. Der passende Ort für München ist das Kongresszentrum auf dem Messegelände in München Riem. "Mit unserem Btc-Konzept wollen wir dann in die Stadt, dicht an die Menschen ran", sagt Liganova-Geschäftsführer Marc Schumacher. "Wir nehmen den Zaun weg und vereinfachen so den Blick auf Lösungen, die bereits vorhanden sind." Endkonsumenten sollen zudem durch echte Fahrerlebnisse neue Mobilität an einem zentralen Ort der Stadt erfahren. Auf München umgemünzt dürfte das heißen, dass neben dem Messegelände auch der Olympiapark ein wichtiger Schauplatz ist. Auch wenn Aussteller wenig davon begeistert sein dürften, dass ein Teil der IAA im Schatten der BMW-Türme stattfindet. Allerdings hatte BMW bereits erklärt, das Logo während des Messezeitraums abdecken zu wollen.

Schumacher und Plass sind optimistisch, dass das neue Konzept angenommen wird. "Das Spektrum der Interessensgruppen ist riesengroß", sagt Schmumacher, "und diese Schlüsselindustrie braucht eine Bühne." Schon in der Wettbewerbsphase sei das Interesse der Städte enorm gewesen, alle hätten sich "richtig reingehängt", ergänzt Plass. Und nach wie vor bewege das Thema viele Menschen sehr emotional. Plass: "Wir glauben, dass es eine Riesenchance gibt, mit dem neuen Konzept ein positives Momentum auszulösen."



Peter Hammer
Autor: Peter Hammer

begleitet seit vielen Jahren redaktionell die Agentur-Branche, für die W&V wie auch früher für den Kontakter. Als Ressortleiter wie Redaktionsleiter. Liebt gute Kreation, aber mehr noch interessante und innovative Geschäftsmodelle. Unabhängig von Kanal und Größe. Was ihn immer wieder überrascht: Wie viele spannende Menschen es in der Branche gibt.