Auch sonst stehen die Zeichen auf Expansion: Aktuell verschickt Zalando seine Ware in 15 europäische Länder. In einigen Märkten versucht das Unternehmen registrierte Nutzer außerdem mit dem Online-Club Zalando Lounge an sich zu binden, der mit satten Rabatten auf ständig wechselnde Kollektionen wirbt. Das dritte Verkaufsstandbein bilden Outlets. Nach Berlin eröffnet im Sommer 2014 in Frankfurt ein zweiter Standort. „Unser Kerngeschäft bleibt zwar der Online-Shop“, sagte Unternehmenssprecherin Carolin Kühnel im Januar 2014 auf Anfrage der "Frankfurter Neue Presse". „Aber gerade bei Rabattaktionen bleiben dort oft kleinere Restbestände übrig, die wir im Internet nicht mehr verkaufen können. Diese Artikel und solche aus Rücksendungen mit kleineren Fehlern gibt es dann günstiger im Laden.“

Hauptsächlich lockt Zalando seine Kunden jedoch dort, wo sie sich ohnehin bewegen. Nicht nur auf Facebook und Twitter inszeniert sich das Unternehmen mit Videos, Bildern und Blogs: Auf Youtube lädt der Online-Händler seine User ein, sich von den TV-Spots verzaubern, pardon, „zalandonisieren“ zu lassen. Auf Pinterest integriert Zalando seine Produkte subtil in thematische Boards wie Leo, Black Leather oder Spring. Ein eigener Modeblog und zahlreiche Kooperationen mit Bloggern runden das digitale Portfolio ab. Ein kluger Schachzug, schließlich liegt die Zahl der Zugriffe via Smartphone in Deutschland und der Schweiz bei knapp einem Viertel.

Der Trend geht Richtung Online-Shopping: Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) konnte der gesamte Modehandel seinen Online-Umsatz im Jahr 2012 auf 23 Prozent erhöhen. Ganz vorne mit dabei ist auch Zalando. Das Unternehmen belegt laut Marktforscher Research Tools Platz eins der Online-Shops für Bekleidung mit immerhin 66 von möglichen 100 Punkten. Doch bei einer Retourenquote von 50 Prozent – wie sie im Modehandel keine Seltenheit darstellt – und kostenlosem Versand klafft bei Zalando bislang trotzdem ein dickes Minus. 2012 beliefen sich die Verluste auf 90 Millionen Euro. Maßnahmen zur Senkung der Rücksendeflut wie Verwarnungen per E-Mail und die Androhung, zukünftig ausschließlich per Vorkasse bestellen zu können, kommen bei den Kunden nicht gut an. Allerdings: In der Kernregion DACH erreichte Zalando im selben Zeitraum ein ausgeglichenes Ergebnis. Und das soll erst der Anfang sein.

Die nächste Finanzspritze könnte von einer Großbank kommen. Sowohl Goldman Sachs als auch JP Morgan und Morgan Stanley sollen interessiert sein. Momentan hält die schwedische Investmentfirma Kinnevik mit insgesamt 38 Prozent den größten Anteil. 29,3 Prozent der Anteile kontrolliert Schwedens bekannteste Investorin Cristina Stenbeck direkt, weitere 8,7 Prozent indirekt über Rocket Internet. Darüber hinaus sind unter anderen Holtzbrinck Ventures, Tengelmann sowie die Samwer-Brüder an Zalando beteiligt.

Ganz skandalfrei ist das Unternehmen trotz seiner jungen Geschichte nicht. Ein Bericht im "Spiegel" und die ZDF-Dokumentation „Gnadenlos billig“ erhoben im Sommer 2012 schwere Vorwürfe wegen der Arbeitsbedingungen in einem Logistikzentrum. Dort sei es beispielsweise verboten, im Sitzen zu arbeiten. Zusätzlicher Druck würde aufgebaut, indem man das Arbeitstempo der Mitarbeiter protokolliere. Die Reaktion auf Facebook ließ nicht lange auf sich warten: Es hagelte Beleidigungen, Beschwerden und Boykottaufrufe.


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W&V Redaktion
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