Ein bisschen schade: BMW versucht die Amerikaner von hinten durch die Brust ins Auge zu erwischen. Der langatmige Spot von KBS erzählt erst mal (anhand zweier TV-Moderatoren, Bryant Gumbel und Katie Couric), dass das Internet ja anfangs auch nicht verstanden wurde. Um dann auszuholen, dass der BMW i3 so neuartig sei wie das World Wide Web vor 21 Jahren. Und hoffentlich ebenso von Dauer. Kryptisch und mäßig unterhaltsam. Vier Jahre Pause hatten die Bayern beim Super Bowl gemacht. Vielleicht noch mal pausieren und weitersuchen nach der kreativen Idee?

Ähnlich umständlich: McDonald's etabliert Liebesbekundungen als Zahlungsmittel. Für einen Burger bei Mutti anrufen? Das mag zum Motto "I'm lovin it" passen. Und einem guten Zweck dienen. Aber was hat Mutti davon: "Hey, ich wollte dir nur kurz sagen, dass ich dich lieb hab, weil ich dann nen Big Mäc umsonst kriege. Ciao!" Die überflüssige Aktion will McDonald's bis zum Valentinstag durchziehen. Agentur: Leo Burnett.

Aus dem Henkel-Debüt für Loctite-Kleber wurde am Ende ein Trance-Reggae, der eher skurril daherkommt. Und skurril ist da ausnahmsweise nicht als Lob gemeint. Ein bisschen Tanzen, ein bisschen Kleben - das ist zu wenig. Zumal beinah das komplette Marketingbudget der Marke dafür draufging.

Go Daddy sah sich gezwungen, nach dem Puppy-Gate einen neuen Spot ins Rennen zu schicken (wobei viele annehmen, der Skandal und der wirkliche Spot seien exakt so geplant und fertig gewesen). Allerdings: Einen Mann bei der Arbeit, der den Super Bowl versäumt, weil er nicht mit Go Daddy seine Webseiten pflegt - das ist bemüht und nicht unterhaltsam. Und außerdem an der Zielgruppe vorbei, weil die, die nicht Super Bowl schauen, auch den öden Spot verpassen, oder?

Viel Potenzial verschenkt nach dem recht amüsanten Teaser hat die Dessousmarke Victoria's Secret. Da hat man immerhin gewagt, die Laufstegschönheiten in voller Montur auf dem Footballfeld antreten zu lassen. Nun räkeln sie sich wieder, was überraschungsfrei und 08/15 ist.

Und schließlich Coca-Cola: Macht unserer Meinung nach ebenfalls keinen Punkt in diesem Jahr beim Super Bowl. Der schlicht gestrickte Film - böses Internet, das macht Cola zu einem guten Internet, logo - geht ja zudem auch nicht recht auf. Oder soll man wirklich Coke in den Rechner kippen? Das war doch wirklich noch nie eine gute Idee. (Ja, wir haben verstanden, dass das symbolisch gemeint ist. Aber, mit Verlaub, das Symbol ist Mist).

Und dann ist da noch der Versicherer Nationwide. Der für einiges Aufsehen im Netz sorgte: Um Versicherungen zu verkaufen, erzählt Nationwide die Geschichte eines Kindes - und was es nie erleben wird, denn leider ist es tot. Das will keiner sehen. Entsprechend die Reaktionen im Social Web (#Nationwide). Man habe zum Dialog zur Sicherheit von Kindern anregen wollen, erklärte die Konzernleitung zerknirscht. Nationwide war die meist erwähnte Marke des Super Bowl im Social Web laut "Busineess Insider" (knapp 240.000-mal) - zwei Drittel davon negativ.

Tröstlich: Immerhin kein kompletter Rohrkrepierer dabei. Aber eben gepflegte Langweile, die bestenfalls zur Aktivität Umschalten anregt.

 Die besten Spots des Super Bowl 2015 zeigen wir Ihnen hier. fs/sh



Susanne Herrmann
Autor: Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.