Arte-Sendung :
Diese Doku ist der Image-GAU für Starbucks

Starbucks pflegt das Image eines verantwortungsvollen und fairen Konzerns. Eine kritische Dokumentation enthüllt nun, was sich hinter dessen Fassade tatsächlich verbirgt.

Text: W&V Redaktion

Starbucks hat viele hippe Produkte, aber leider mit Risiken und Nebenwirkungen.
Starbucks hat viele hippe Produkte, aber leider mit Risiken und Nebenwirkungen.

Wer in einer x-beliebigen Großstadt durch die Straßen schlendert, wird wahrscheinlich irgendwann einem Starbucks-Café begegnen. Das Unternehmen zeigt mittlerweile in 75 Ländern Präsenz - mit insgesamt rund 28.000 Filialen.

Als Fast-Food-Kette will es sich nicht verstehen, vielmehr als "dritter Ort" zwischen Zuhause und Arbeit, wo Besucher keinen gewöhnlichen Kaffee schlürfen, sondern ein besonderes Lifestyle-Produkt, das soziale Anerkennung verspricht. Denn mit der Marke mit dem Meerjungfrau-Logo ist das Gefühl von Wohlstand, Coolness und Überlegenheit verbunden.

Obwohl Starbucks heute als Inbegriff von Luxus und Massenkonsum gilt, bemüht der Konzern auch das Image moralischer Integrität. Er wirbt mit verantwortungsvollem Anbau und Einkauf, will Vielfalt und Gleichberechtigung fördern, seine Mitarbeiter wie Partner behandeln, den Kunden qualitativ hochwertigen Kaffee anbieten und die Welt zu einem besseren Ort machen.

Zeitpunkt der Ausstrahlung ist interessant

Die Liste der Versprechen ist lang. Ob das Unternehmen sie einlöst, wollten die Filmemacher Gilles Bovon und Luc Hermann ganz genau wissen. Entstanden ist eine so sehenswerte wie kritische Dokumentation, die Arte am Dienstag, 28. August, um 20.15 zeigt. Ausgerechnet an dem Tag, an dem Nestlé und Starbucks ihren angekündigten Vermarktungsdeal abschließen.

Der kritisch betrachtete Schweizer Nahrungsmittelkonzern hat sich für gut 7 Milliarden US-Dollar das Recht auf die weltweite Vermarktung sämtlicher Konsum- und Gastronomieprodukte von Starbucks gekauft, mit Ausnahme der Starbucks-Cafés. Damit kann Nestlé künftig etwa Kaffeebohnen oder gemahlenen Kaffee der amerikanischen Marke in allen Supermärkten vertreiben. 

Zurück zum Film; er beleuchtet mehrere Aspekte der gewaltigen Marketingmaschinerie und erinnert daran, dass Starbucks anfangs als bescheidener Einzelhändler auftrat, deren Gründer noch auf der Welle der Gegenkultur schwammen. Weil es in den USA der 1960er Jahre keinen guten Kaffee gab, wollten sie endlich ein hochwertiges Produkt auf den Markt bringen.

Erst als Howard Schultz das Unternehmen übernommen hatte, mauserte es sich zu einem kommerziellen Imperium der Superlative. Heute verkauft Starbucks nicht nur Kaffee, sondern auch Gebäck und Kaltgetränke wie den Verkaufsschlager Frappuccino. Welchen Preis der Erfolg hat, wird in der knapp 90 minütigen Dokumentation mehr als offensichtlich.

Die Kehrseite des Kaffee-Kults

Enttäuschte Kaffeeproduzenten und Konkurrenten, die sich ausmanövriert fühlen, sprechen über ihre Erfahrungen mit der Gastronomie-Kette. Fachleute erklären deren ausgeklügelte Strategien und verraten, was hinter dem Starbucks-Tresen tatsächlich passiert. Zwischendurch sind archivierte Interviews mit dem Firmenchef zu sehen, der stets beteuert, sein Unternehmen setze Qualität, Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen an oberste Stelle.

Doch die Bilder demonstrierender Umweltaktivisten, die die Flut nicht-recycelbarer Pappbecher verurteilen, sprechen eine andere Sprache. Sie kommen genauso zu Wort wie ein frustrierter Mitarbeiter, der Starbucks öffentlich kritisiert. Bovon und Hermann geben allen Beteiligten eine Stimme.

Dabei wenden die Filmemacher teilweise Methoden an, die an Günter Wallraff erinnern. Wie der Investigativjournalist in seinen RTL-Dokumentationen schleusen auch sie eigene Leute als Servicekräfte in eine französische Starbucks-Filiale ein, wo diese mit versteckter Kamera an brisante Informationen gelangen.

"Starbucks ungefiltert" gleicht einem Kaleidoskop. Thematisch decken Bovon und Hermann ein breites Spektrum ab, das von Überzuckerung der Produkte über Steueroptimierung bis hin zum Umgang mit Produzenten reicht. Zu besserer Veranschaulichung der Aussagen wird immer wieder ein Künstler eingeblendet, der passend zum Thema Bilder aus Kaffeepulver malt. Mit diesem Kniff gelingt es den Filmemachern, die Dokumentation spielerisch aufzulockern. Den Zuschauern dürfte es gut tun. Ansonsten ließen sich manche irritierenden Befundergebnisse nur schwer verdauen.

Eugen Zentner, dpa


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