Auch auf Konsumentenseite scheint der Trend immer mehr zum "Nicht-Böllern" zu gehen. Laut einer Civey-Umfrage von BR24 sprechen sich knapp 52 Prozent der Bayern für ein generelles Feuerwerksverbot an Silvester aus. Rund 41 Prozent wollen nicht auf die Knallerei verzichten. Interessant: Je älter die Befragten, umso mehr waren sie für ein Verbot. Die Erhebung legt auch nahe, dass die Weltanschauung bei der Einstellung gegenüber Feuerwerk eine große Rolle spielt. Während Wähler der Grünen, Linken und SPD überwiegend klar gegen Feuerwerk sind, wollen Menschen die CSU, FDP und AfD nahe stehen, eher jedem selbst überlassen, ob er Feuerwerkskörper zündet.

In Teilen der Münchner Innenstadt gibt es daher ein Böllerverbot. Auch aus Sicherheitsgründen, wie die Stadt bereits im Sommer beschlossen hatte.

Hornbach war dieses Jahr zu spät dran

Die Forderung nach einem Böller-Verzicht stößt inzwischen bei immer mehr Händlern auf offene Ohren. Als prominentester Vertreter kündigte die Baumarktkette Hornbach jüngst an, von 2020 an in Deutschland kein Feuerwerk mehr ins Sortiment zu nehmen. Für dieses Jahr war es zu spät, die Ware war schon geliefert. Einige Kaufleute bei Rewe und Edeka verzichten aber auch in diesem Jahr schon auf das Geschäft mit Silvesterböllern.

Der Bochumer Edeka-Händler Alexander Elskamp etwa bietet kein Feuerwerk mehr an. Er beklagt eine "Doppelmoral in der Bevölkerung". Das Thema Feinstaub sei in aller Munde, nur an Silvester nicht. Aber Elskamp sagt auch: "Wir erheben nicht den Zeigefinger und wollen niemanden maßregeln, der gerne Feuerwerk zündet." Die Baumarktkette Bauhaus kündigte an, im kommenden Jahr "das Sortiment an Feuerwerk und Böllern in Hinblick auf Nachhaltigkeit komplett zu überarbeiten". Das könne auch einen kompletten Verzicht bedeuten.

Durch den Verzicht könnten Umsatzeinbußen drohen

Händler, die die Silvesterknaller aus Umweltschutzgründen aus dem Angebot nehmen, gehen durchaus ein gewisses Risiko ein. "Wir verzichten auf den Umsatz, und wir wissen nicht, wie die Kunden reagieren", sagt Christoph Windges, der einen der größten Edeka-Märkte Nordrhein Westfalens betreibt und in diesem Jahr ebenfalls keine Silvesterknaller im Angebot hat. Schließlich könne der Kunde einfach in den nächsten Supermarkt gehen und dort seine Einkäufe erledigen.

Deutschlandweit hat die Branche im vergangenen Jahr rund 133 Millionen Euro Umsatz mit Böllern und Raketen gemacht, und geht von ähnlichen Werten in diesem Jahr aus. Angesichts der Zahl gibt sich der Verband der pyrotechnischen Industrie weiter selbstbewusst. Man habe es mit einer "Scheindebatte" zu tun, heißt es. Feuerwerk sei deutlich weniger schädlich als oft behauptet. Hornbachs Böller-Boykott nennt der Verband einen "Marketing-Gag". Von den 33 000 Supermärkten in Deutschland verzichteten ohnehin nur wenige auf den Verkauf.

Discounter halten am Knaller-Geschäft fest

Auch Branchenkenner Uwe Krüger vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) geht davon aus, dass die Nachfrage weiter hoch bleibt. "Ich glaube nicht, dass die Konsumenten dieses Jahr weniger Geld für Feuerwerk ausgeben werden", sagt er. "Die Nachfrage ist ungebrochen und der Handel wäre schlecht beraten, diese nicht zu bedienen." So haben Aldi, Lidl, Kaufland und Real angekündigt, an dem Geschäft mit der Knallerei festhalten zu wollen, weil es die Kunden so wünschen.

Keine Verzichtsabsichten bei den Großkunden

Für Firmen wie Feuerwerkshersteller Weco könnte es an die Existenz gehen, sollten sich im kommenden Jahr auch die großen Ketten dem Boykott anschließen. Doch beim deutschen Branchenführer gibt man sich gelassen. Hornbach habe zuletzt ohnehin "keine nennenswerten Silvesterumsätze" gemacht. Mit den Großkunden dagegen stehe man schon in Verhandlungen für Silvester 2020 und sehe dort "noch keinerlei Anzeichen für Verzichtsabsichten".

"Solange die großen Discounterketten nicht mitziehen, wird sich wenig tun", glaubt auch der Experte Krüger. Und wenn doch, könnten viele Böller ohne Sicherheitsabzeichen in den Umlauf kommen, warnt er. "Die Erfahrung zeigt: Je stärker die Kunden eingeschränkt werden, desto eher wandern sie ins Internet ab. Und da gibt es auch gefährliche Waren."

rom mit dpa


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W&V Redaktion
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