Rhetorik des US-Präsidenten :
Donald Trumps Antrittsrede: Ein Fall von Voodoo

FAZ-Autor Hans Hütt ist Medienkritiker und beschäftigt sich mit politischer Rhetorik. Hier ist seine Analyse von Donald Trumps Inaugurationsrede. 

Text: Hans Hütt

- 10 Kommentare

Trumps Inaugurationsrede ließ den Wahlkampf wieder aufleben.
Trumps Inaugurationsrede ließ den Wahlkampf wieder aufleben.

FAZ-Autor Hans Hütt ist Medienkritiker und beschäftigt sich mit politischer Rhetorik. W&V dokumentiert seine Analyse von Donald Trumps Inaugurationsrede. 

Mit Mühe bringt Trump es zu Beginn der Rede zu einem erheischenden Wohlwollen mit Dank an Michelle und Barack Obama für ihren Beistand während des Amtsübergangs. Dann aber legt er los und er lässt keinen Zweifel daran, in welche Richtung die Reise geht.

Sein Amtsantritt markiert eine Zäsur. Es sei kein normaler Machtwechsel. Mit ihm als Präsident kehre die Macht zurück zum amerikanischen Volk. Mit diesem Absatz zieht er eine schneidende Trennlinie zwischen sich und den anwesenden Vorgängern. Er konterkariert die Idee der repräsentativen Demokratie mit dem Generalverdacht gegen eine parasitäre politische Klasse, der das Schicksal des Volks herzlich egal gewesen sei. So erhebt er sich zum Vollstrecker der Rachsucht der Mühseligen und Beleidigten. Die Macht habe nur sich selbst geschützt, nicht aber das Volk.

Er erklärt das System der Gewaltenteilung für obsolet. Rhetorisch erhebt er sich selbst zum unmittelbaren Vollstrecker des Volkswillens. Das ist ein Putsch mit Ansage. Der Zynismus ist atemberaubend. Trump beruft sich auf die Vergessenen, wer auch immer das sei, wenngleich er mit diesem Satz ihr Vergessensein nur vollendet. Sie bleiben namenlose Manövriermasse, die er dem eigenen Machtanspruch einverleibt.

Der Daddy der Nation

Er grundiert den Machtanspruch mit einem Bild von der miserablen Lage von Müttern und Kindern in den Innenstädten der großen Ballungsgebiete. Die Väter kommen nicht vor. Warum? Weil sie in den Gefängnissen verrotten, wegen Bagatelldelikten zu absurd hohen Strafen verurteilt? Donald J. Trump erhebt sich selbst zum Daddy, zum obersten Bock und Beschäler der Nation. Sein Mitleid überdeckt die patriarchale sexistische Selbstüberhöhung. Die verrostenden Fabriken im Mittleren Westen erklärt er zum nationalen Mahnmal. Die Grabsteine tragen keine Namen. Vergessen die Miner, die Stahl- und Chemiearbeiter. Ihnen folge ein anonymes Arbeitsheer.

Das Bildungssystem sei gescheitert, sagt er, nur wenige Tage, nachdem bekannt wurde, dass seine Regierung die öffentliche Förderung der Künste und der Geisteswissenschaften beendet. So klingt edukative Chuzpe im Quadrat.

Es folgt eine Kampfansage an die internationale Wirtschaft. Ihr Erfolg verdanke sich dem Niedergang der amerikanischen Industrie. Damit wendet er sich an die anwesenden Amtsvorgänger: sie sind in seinen Augen Verräter.

Wie kommt er auf die Idee , dass das amerikanische Militär zu kurz gekommen sei, weil die US-Regierung mehr Geld in die Verteidigung anderer Länder gesteckt habe? Weil er mit der Klage implizit eine historisch beispiellose Aufrüstung ankündigt. Das weltoffene Amerika erklärt Trump für beendet. Die Schotten macht er dicht. Protektionismus auf allen Ebenen ist die Devise. Nur was passiert mit den US-Staatsanleihen Chinas und Japans? Wird Trump das eigene Geschäftsmodell auf die Nation übertragen und die amerikanischen Staatsschulden annullieren?

Die Schlusspassage der Rede kündigt ein Blutbad an. Die Träumer in Detroit und in Nebraska, auf die Trump sich beruft, figurieren als Zombies des Amerikanischen Traums. In seiner Suada beruft er sich auf den allmächtigen Schöpfer, als bäte er um Vergebung dafür, dass er sich an die Zerstörung der Welt macht.

Das Video mit Donald Trumps Rede sehen Sie hier:

Hans Hütt ist Journalist und Blogger. Er schreibt u.a. als Medienkritiker für die FAZ. und beschäftigt sich mit politischer Rhetorik. 2014 wurde er mit dem Michael-Althen-Preis ausgezeichnet. Sein Blog anlasslos.de mit Publikationsliste ist hier zu finden. Der vorliegende Text erschien zuerst auf schmalbart.de


10 Kommentare

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Anonymous User 23. Januar 2017

Ich habe kein Problem mit dem Kommentar von Herrn Hütt, weil es eben ein als solcher gekennzeichneter KOMMENTAR ist. Und ob er nun angestellter Redakteur, Pauschalist, freier Mitarbeiter, freier Autor ist oder in welchem Verhältnis auch immer zur FAZ steht, ist absolut nebensächlich.
Trump wird es als erster US-Präsident schaffen, mit Höchstgeschwindigkeit sein eigenes Amtsenthebungsverfahren, noch im ersten Amtsjahr, reinzurauschen. Eigentlich eine schöne Aussicht !
Und dem Verfasser Benjamin Boldt möchte ich noch zurufen: Bitte den Beitrag so überarbeiten, dass dieser verständlich wird. Von den Rechtschreibfehlern einmal gar nicht zu sprechen ...

Anonymous User 23. Januar 2017

Gibts hier eigentlich nur Trolle? Der Artikel ist vielleicht pointiert, trifft aber Trumps modus operandi auf den Punkt.

Anonymous User 23. Januar 2017

Ist das Journalismus oder kann das weg?

"Trump als oberster Bock und Beschäler der Nation" - das ist so unfassbar primitiv, dass es schon schmerzt. Die sexuelle Fixierung des Herrn Hütt ist, gelinde gesagt, irritierend.

Einige sachliche Themenvorstellungen für den offensichtlich überforderten Autor:

- Trump ist gegen Ceta und TTIP, wie ist das zu bewerten?
- Ford will aufgrund von Trumps Ansagen auf Billiglohnproduktion in Mexiko verzichten und ein Werk in den USA errichten, wie ist das zu bewerten?
- Amazon will in den USA aufgrund von Trumps Ansagen 100.000 Jobs schaffen, wie ist das zu bewerten?
- Trump verzichtet auf sein Gehalt als POTUS, wie ist das zu bewerten?
- Trump will wieder eine Annäherung an Russland, wie ist das zu bewerten?
- Trump will der Nato wieder mehr auf die Finger schauen, wie ist das zu bewerten?
- Trump will das globale "Militär-Engagement" (Obama war der Drohnen-Dude, schon vergessen?) zurückfahren, wie ist das zu bewerten?

Das mindeste, was man einem neuen Chef zugestehen sollte, sind 100 Tage Wirkzeit. Dass man sich auf Journaille-Seite noch nicht einmal an das Mindestmaß des politischen Anstands hält, ist, nun ja, Journaille. Eben kein Journalismus. Und da wundern sich die Qualitätsmedien über Abo-Einbrüche in zweistelliger Prozentzahl.

6, setzen, Herr Hütt.

Herr Hütt ist übrigens wohl außerdem kein FAZ-Autor, wie die Subline behauptet (und was eine feste Anstellung als Journalist dort impliziert). Er scheint lt. eigener Hompage ein freier Schreiber zu sein, der auch mal für die FAZ geschrieben hat und alles Mögliche macht - hier fängt schon die Unsauberkeit dieses Artikels an.

Anonymous User 23. Januar 2017

Dabei hatten offenbar doch einige Amerikaner am 20.01.2017 immer noch keine Ahnung, wer denn an diesem Tag zum Präsidenten gekürt werden sollte :-) siehe http://contentfaktor.de/wer-ist-der-praesident-der-usa-2096/

Anonymous User 22. Januar 2017

An den Kommentaren hier (ausgenommen Uschi Ronnenberg) zeigt sich die ganze Ignoranz - Spinner überall! Und ja, auch ein Journalist darf eine Meinung haben und diese auch äußern, zumal der Beitrag des Journalisten ausdrücklich nicht als Bericht, sondern als Kommentar bezeichnet ist. Übrigens: Unverschämtheit, dass diejenigen, die einem derartigen Lügenmaul-Selbstverherrlicher hinterherlaufen, Objektivität und Toleranz einfordern - wie man in den Wald reinruft, so schallt es heraus.

Anonymous User 21. Januar 2017

Ah von der FAZ, also ein atlantischer Qualitätsjournalist. Dies ist ein Kommentar, muss man also nicht mit objektiver Berichterstattung verwechseln, die eh nur fantasiert wird. Mal abgesehen vom Inhalt, bin ich der Einzige, dem das hysterische Gekreische der Qualitätsmedien auf den Geist geht? Wie oft seit dem Waldsterben und der Vogelgrippe wurde der neue Hitler ausgerufen und der Weltuntergang? Meine Fresse, kriegt euch mal ein. Der Kommentar ist allerdings scheiße, völlig egal, ob man die Analyse nun teilt oder nicht. Politische Berichterstattung auf Dschungelcamp-Niveau, tendenziöse Scheiße, das ist was uns Tag ein Tag aus in den Qualitätsmedien vorgekaut wird. Politische Propaganda, machen doch nur die Russen. Natürlich. In den U.S.A. wurde eine Lügnerkaste durch eine andere ausgetauscht, zunächst mal für vier Jahre und die deutschen Medien drehen komplett am Rad. Wie kommt das? Wurde bei uns gewählt? Seit wann sind die U.S.A. zu kritisieren? Ihre Kriege waren doch immer edel und gut für Freiheit und Demokratie der amerikanische Präsident praktisch selber eine Freiheitsstatue so wie Westerwelle und nu? Die Gründe für die neuerliche Panikmache, dürften wie immer wirtschaftliche sein, wenn man nicht so gut auf die alten transantlantischen Seilschaften bauen kann, ist das vermutlich schlecht für die eigene Profitmaximierung. Hier könnte man mal investigativ tätig werden, so als Qualitätsjournalist, allein ich rechne nicht damit.

Anonymous User 21. Januar 2017

Der Artikel ist das aller letzte!!! Und wer das druckt auch!!!
Wo bitte ist die Objektivität und Toleranz, die genau von diesen Menschen immer gefordert wird?
Gott wird alles richten und wenn es so weiter geht dann auch noch schneller wie wir denken....

Anonymous User 21. Januar 2017

Ein sehr schlechter Artikel. Der Autor ignoriert Objektivität, um seiner eigenen Paranoia Ausdruck zu verleihen.
Hätte er sich die Ansprache mit offenen Ohren angehört, anstatt sich davor schon seine zynische Meinung zu bilden, würde er vielleicht merken, dass das Ende der Welt doch nicht bevorsteht.
Man pickt sich einfach ein paar Stichworte raus und versucht diese so negativ, wie es die eigene zurückgebliebene Moral nur zulässt, zu interpretieren und reitet dann auf dem schwindelerregend hohen Ross gen selbst herbeigewünschten Atompilz.
Ich wünsche dem Autor noch viel Glück in seiner eigenen kleinen Realität und hoffe, dass er weiterhin glaubt, es mit dieser Anreihung von schlichtem Stuss "denen da oben" gezeigt zu haben.

Anonymous User 21. Januar 2017

Was Trump als Politiker redet, erscheint stets so völlig losgelöst von der Realität. Ist das nun massiv gestörte Wirklichkeitswahrnehmung oder gewollte Manipulation? Einfach unfaßlich.

Anonymous User 21. Januar 2017

Es immer erstaunlich welcher mist hier verfasst wird
Sollten die versallen der merkel AG nicht lieber um unser volk kümmern?starke angsvolle Ablenkung. Diese seite finde ich zum kotzen.das ganze tv Programm ist Lüge wie der gefegte anschlag in berlin.ihr seit so schlecht .Gott wird euch ricjten.ihr seit einfach ziweit gegangen. Ich glaube fest dieses jahr fällt eure macht.ihr verläumder.

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