"Doping für die Haare": Warum Alpecin Jan Ullrich zum Markenbotschafter kürt

Die Zusammenarbeit zwischen Alpecin und dem Tour de France-Sieger, der diese Woche das Doping-Urteil des Sportgerichtshof erwartet, sorgt für ordentlich PR und Aufmerksamkeit. Und die möchte das Unternehmen für ein Breitensport-Event und die Internationalisierung nutzen.

Text: Frauke Schobelt

08. Feb. 2012

Ein Haarwuchsmittel, das seit Jahren als "Doping für die Haare" beworben wird und ein ehemaliger Radprofi, dem Dopingvorwürfe die Karriere kosteten: Logisch, dass die Zusammenarbeit zwischen der Marke Alpecin und Jan Ullrich für Aufmerksamkeit sorgt. Am Mittwoch stellte in Bielefeld Alpecin-Hersteller Dr. Wolff den Ex-Radprofi Jan Ullrich als neuen Werbepartner vor.

Eduard Dörrenberg, geschäftsführender Gesellschafter der Wolff-Gruppe, hat kein Problem mit Ullrichs Vergangenheit, eine Verknüpfung mit dem Werbeslogan sei "reiner Quatsch". Im Gegenteil: „Sein Beispiel zeigt, dass es nicht immer nur bergauf geht, sondern dass man auch fallen kann. Dann heißt es wieder aufzustehen“, erklärte er bei der Pressekonferenz. Für den Radsportfan zählen vor allem die "außergewöhnlichen Erfolge" des 39-jährigen in seiner langen Sportlerkarriere.

Alpecin hält eisern am Radsport fest, nach eigenen Angaben seit 60 Jahren. 1969 leistete sich das Unternehmen sogar einen eigenen Rennstall. Jetzt will es sein Engagement auf den Breitensport ausweiten. Am 12. August veranstaltet es in der Bielefelder Radrennbahn den ersten Alpecin-Cycling-Day, mit vielen Veranstaltungen und drei Rennen für Nicht-Profis. Als langfristiger Botschafter und Mitfahrer verleihe Jan Ullrich dem Event einen "ganz besonderen Stellenwert", schwärmt das Unternehmen.

Die Zusammenarbeit mit Jan Ullrich ist langfristig ausgelegt und soll über den Einsatz als Botschafter für den ersten Alpecin Cycling Day 2012 "weit hinausgehen", so das Unternehmen. Es erhofft sich von ihm vor allem Schützenhilfe bei der Internationalisierung der Marke Alpecin.

Der PR-Effekt ist auf jeden Fall enorm und wohl auch gewollt. Seit Jahren bewirbt Alpecin seine Haarwuchsmittel "Alpecin Liquid" und "Alpecin Coffein Shampoo" als "Doping für die Haare". Der Spruch wurde 2006 vom Werberat geprüft, nachdem sich Sportfunktionäre beschwert hatten. Die Werbeaufsicht sah jedoch keinen Grund, die Kampagne zu stoppen. Aktuell ist der Slogan auf der Homepage nicht zu finden, aber auf Youtube:

Jan Ullrich war in den Doping-Skandal um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes verwickelt. 2006 kündigte ihm deshalb sein damaliger Arbeitgeber T-Mobile, 2007 beendete Ullrich seine Karriere als Rad-Profi. Der Tour-de-France-Sieger von 1997 hatte Dopingvergehen jedoch nie zugegeben. Die Ermittlungen gegen ihn wurden von der Staatsanwaltschaft Bonn gegen eine Zahlung für gemeinnützige Zwecke eingestellt. Am 9. Februar hat ihn nach mehr als fünf Jahren der Internationale Sportgerichtshof jedoch des Dopings für schuldig befunden. In einer Stellungnahme schreibt Ullrich auf seiner Homepage: "Ich bestätige, dass ich Kontakt zu Fuentes hatte. Ich weiß, dass das ein großer Fehler war, den ich sehr bereue. Für dieses Verhalten möchte ich mich aufrichtig bei allen entschuldigen – es tut mir sehr leid. Rückblickend würde ich in einigen Situationen während meiner Karriere anders handeln."

Seine aktive Laufbahn als Profisportler ist definitiv vorbei, aber dem Radsport will Jan Ullrich auch jetzt nicht völlig den Rücken kehren. Er setzt sich für den Breitensport ein, startet bei vielen Jedermann-Rennen, zuletzt war er im November 2011 Botschafter für das Radsportevent GranFondoUSA in Miami. Aktivitäten wie diese und auch die Zusammenarbeit mit Alpecin bezeichnet er als Art Neubeginn. "Nach einer längeren Pause habe ich die Liebe zum Radsport wieder zurück gewonnen", sagte er in Bielefeld. Von treuen Fans wurde er ohnehin nie vergessen, auf Facebook hat er mehr als 14.000. Und sein Marktwert steigt offenbar wieder: So wurde er beim "Ball des Sports" gesichtet. Und im Herbst 2011 setzte sich Jan Ullrich gemeinsam mit Konstantin Wecker und Bastian Schweinsteiger in einem Spot von Amnesty International für die Abschaffung der Todesstrafe ein.


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



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