Eigene Drogeriekette geplant :
Edeka greift Rossmann und dm an

Edeka schließt sich mit Budnikowsky zusammen und plant den Start einer eigenen Drogeriekette. Das dürfte den erbitterten Preiskampf weiter anheizen. 

Text: W&V Redaktion

Edeka-Chef Markus Mosa sucht nach neuen Geschäftsfeldern.
Edeka-Chef Markus Mosa sucht nach neuen Geschäftsfeldern.

Kaum ist die Übernahme der Kaiser's-Tengelmann-Märkte für Edeka in trockenen Tüchern, steht das nächste große Projekt vor der Tür. Der größte deutsche Lebensmittelhändler plant eine Expansion in den Bereich der Drogeriemärkte und könnte bald den Platzhirschen Rossmann und dm Konkurrenz machen. Allerdings müsse zunächst das Bundeskartellamt zustimmen und eine langfristig angelegte Partnerschaft mit der regionalen Hamburger Drogeriemarkt-Kette Budnikowsky billigen, sagte Edeka-Vorstandschef Markus Mosa in Hamburg. "Damit gewinnen wir einen Partner, der unsere Ambitionen und Geschäftsperspektiven mit seiner Expertise zielgerichtet unterstützt", so Mosa.

Im nächsten Jahr könnte Edeka beginnen, eigene Drogeriemärkte oder Shops in den Märkten zu eröffnen, sagte der Chef des Lebensmittelriesen. 50 neue Märkte pro Jahr halte er für eine realistische Größenordnung. Mit Budnikowsky soll ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden, in dem die Logistik und die Verwaltung angesiedelt sind, während die rund 180 "Budni"-Geschäfte der regionalen Kette in einer anderen Gesellschaft gebündelt werden sollen.

Drogeriemarkt hart umkämpft

Das dürfte den Preiskampf auf dem Drogeriemarkt weiter anheizen. dm und Rossmann liefern sich seit Monaten eine erbitterte Schlacht. So gab es Ärger, weil dm Mitarbeiter anwies, Aktionsware bei Rossmann zu kaufen, um damit eigene Regale zu füllen. Wirklich gefährlich dürfte die Edeka-Konkurrenz dm und Rossmann jedoch zunächst nicht werden: dm wuchs im Geschäftsjahr 2015/2016 um 6,6 Prozent und konnte seinen Umsatz in Deutschland um 467 Millionen Euro auf 7,5 Milliarden steigern. Weltweit erwirtschaftete der Riese sogar 9,7 Milliarden Euro. Rossmann erzielte 2016 nur in Deutschland einen Umsatz von 6,1 Milliarden Euro.

Budnikowsky hat jedoch ebenfalls einen Riesen im Rücken: Der genossenschaftliche Edeka-Verbund hat seine Umsätze im vergangenen Jahr weiter gesteigert. Insgesamt erhöhten sich die Erlöse um 2,5 Prozent auf 49,6 Milliarden Euro. Gut die Hälfte davon entfallen auf 4000 selbstständige Kaufleute mit 5900 Märkten, die um 3,8 Prozent auf 25,2 Milliarden Euro zulegten. Die Discount-Tochter Netto erreichte ein Plus von 2,6 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro. "Damit sind wir stärker gewachsen als der Markt und haben wieder Anteile gewonnen", sagte Mosa. Der Gesamtmarkt sei nach langer Stagnation um zwei Prozent gewachsen, vor allem durch Zuwanderung und das Grenzgeschäft mit Einwohnern der Schweiz und Frankreichs.

Konzept für Bringmeister gesucht

Nach der langwierigen Übernahmeschlacht um Kaiser's Tengelmann läuft nun die Integration der 355 Märkte in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen in die Struktur von Edeka. Mit der Übernahme gehört auch die Firma Bringmeister nun zu Edeka, die in Berlin und München die Online-Belieferung mit frischen Lebensmitteln erprobt. Edeka suche - ebenso wie die gesamte Handels- und Logistikbranche - noch nach einem wirtschaftlichen Konzept für den Online-Lebensmittelhandel und wolle Bringmeister einstweilen nicht in weiteren Städten an den Start bringen. (fs/dpa)


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