Social-Media-Fehde :
Edeka und Lidl: "Super für die Jugend, schlecht für die Botschaft am Ende"

Mit ihrem Social-Media-Fight um die Obst- und Gemüsevorherrschaft amüsieren Edeka und Lidl das Netz und punkten bei jungen Leuten. Doch etwas Wesentliches bleibt dabei auf der Strecke, urteilen zwei Digitalexperten.

Edeka schlich sich in einen Lidl-Markt und kommuniziert mit Klamotten. Der Zielgruppe gefällt das.
Edeka schlich sich in einen Lidl-Markt und kommuniziert mit Klamotten. Der Zielgruppe gefällt das.

Beim Retail Award 2017 mussten sich Edeka und Lidl den Titel für die besten Obst- und Gemüseabteilungen teilen. Seitdem liefern sich die Konkurrenten einen unterhaltsamen Fight in ihren Social-Media-Kanälen und inszenieren sich als die einzig wahren Obst- und Gemüse-Champions. Die jüngste Guerilla-Aktion von Edeka kommt auf Facebook auf rund 3,3 Millionen Abrufe und wird zigtausendfach geteilt. Lidls schneller Kontor erzielte auch einen Achtungserfolg. Und man freut sich schon auf weitere Sticheleien.

Doch was bringt das Social-Media-Geplänkel den beiden Marken? W&V Online hat zwei Digitalexperten gefragt.   

Sebastian Geissler, Director Social Media bei DigitasLBi, urteilt über die Facebook-Fehde: "Super für die Jugend, schlecht für die Botschaft am Ende". Seine Begründung: "Betrachten wir Reichweite und Engagement im Web, ist das Geplänkel ein Gewinn für beide Seiten – zumindest bei der jungen Zielgruppe. Für diese ist der Beef ein Riesenspaß und sorgt für kurzfristige Unterhaltung im Newsfeed. Außerdem entstaubt er das Image beider Marken, da Lidl und Edeka gekonnt die Sprache der Jugend aufgreifen. Bei den älteren Semestern hingegen sorgt der Kommunikationsansatz allerdings für Irritationen. Denn eigentlich ging es doch darum zu kommunizieren, dass beide Händler eine hervorragende Obst- & Gemüseabteilung haben. Ob das so jetzt noch jemand glaubt?" 

Qualität bleibt auf der Strecke

Ähnlich argumentiert auch Bernd Krämer, Geschäftsführer der Content-Agentur Cream Colored Ponies aus Hamburg, über die Obstschlacht im Netz: "Ich find's lustig. Die Zielgruppe anscheinend auch. Aber was lernt man daraus? Dass Lidl Karotten hat? Und Edeka Exoten-Obst? Eigentlich wollten beide Marken ja über ihre Qualität sprechen. Das bleibt ein bisschen auf der Strecke. Aber vielleicht kommt das ja noch … ich würde mich freuen!"

Bernd Krämer, Cream Colored Ponies, (l.) und Sebastian Geissler, DigitasLBi

Bernd Krämer, Cream Colored Ponies, (l.) und Sebastian Geissler, DigitasLBi

Die Spots: 

Edeka schleicht sich in den Lidl-Markt:

Lidl kontert: Ach komm schon @EDEKA, ihr hättet das Video wenigstens bis zum Ende zeigen können  ...#PreisLeistungsImperiumLidlschlägtzurück #Lidlsichlohnt #DasBestekommtzumSchluss


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit