Interview :
Erotik am Valentinstag: Die Kampagne von Bloomy Days

Der Blumenhändler Bloomy Days wirbt zum Valentinstag nicht mit Rosen und Romantik, sondern mit einem erotischen Motiv. W&V Online hat mit Franziska von Hardenberg über die Kampagne gesprochen. 

Der Blumenhändler Bloomy Days wirbt zum Valentinstag nicht mit Rosen und Romantik, sondern mit einem erotischen Motiv. W&V Online hat mit Franziska von Hardenberg über die Kampagne gesprochen.

Wie ist die Idee zur Valentinskampagne entstanden?

Die Ursprungsidee war, die Männerwelt vor dem „Rote-Rosen-Dilemma“ zu retten. Wir haben über das Jahr etwa 85 Prozent weibliche Kunden und können nach nun fast drei Jahren wirklich sagen, dass wir wissen was Frauen wollen. Vertrauen Sie mir, liebe Männer – es sind keine roten Rosen.

Wir wollten auf einen Blick und unmissverständlich zeigen, dass es sich lohnt, seine Liebste mit einer kleinen Aufmerksamkeit zu erfreuen – wichtig ist aber, dass diese stilsicher und schön ist. Die Männer und vor allem ihre Liebsten vor hässlichen Sträußen zu bewahren und vielleicht sogar Beziehungen zu retten, sehen wir als unsere ehrenwerte Aufgabe an. Unser Team wurde bei der Ausarbeitung der Kampagne von den Freelancern Tobias Geigenmüller (Text) und Björn Löper (Art) unterstützt.

Welche Blume ist auf dem Motiv zu sehen? Kann man diese bei Ihnen ebenfalls bestellen?

Das erotisch angehauchte Plakatmotiv zur Valentinstagskampagne zeigt eine sich gerade entfaltende Mohnblume, die mit einem Augenzwinkern an das weibliche Geschlechtsorgan erinnert. Der farbintensive Klatschmohn ist ein echter Eyecatcher. Auch im Abo haben wir ihn schon versendet.

Unser „Valentinsspecial“ besteht diesen Februar aber aus einem Bouquet aus weißen Tulpen und Eukalyptus – eine Kombination die alle Frauen lieben und mit der Männer mit Sicherheit alles richtig machen. Das versprechen wir.

Der Valentinstag symbolisiert – gerade in der Werbung – alles Romantische. Ihre Kampagne spielt aber nicht auf Romantik an, sondern auf Sex. Welche Überlegung steckt hinter dieser Idee?

Zu Valentins- und Muttertag holt die Blumenindustrie die Werbekeule raus und es hängen überall Plakate mit Sträußen in den Straßen, die meist relativ nichtssagend sind. Ich wollte, dass es knallt und dass wir auffallen. Es war von Anfang an eine unserer großen Stärken, flexibel zu sein und ohne Angst auch mal neue Wege gehen zu können.

Außerdem ist der Valentinstag nur einmal im Jahr und ermöglicht es uns, ein fast ausschließlich männliches Publikum anzusprechen. Das haben wir jetzt einfach mal gemacht. Trotz der klaren Botschaft aber immer noch in unserer eigenen Markenästhetik und, so glaube ich, auf eine intelligente, stilvolle Art.

Warum haben Sie sich für die Medien Out-of-Home und Radio entschieden?

Bei Bloomy Days geht es immer darum, den Kunden offline abzuholen, um ihn online zu konvertieren. Daher ist es sehr spannend für uns neue Offline-Kanäle zu testen. Besonders gut gelingt das natürlich mit einer integrierten Kampagne.
Jeder hat irgendwann einen Anlass unser Produkt zu nutzen. Wir müssen den Menschen aber davon erzählen, dass es uns gibt – ohne große TV-Budgets. Da hilft natürlich eine Kampagne, die polarisiert. 

Wir flankieren sie zudem noch mit Edgar Cards, um so viele Touchpoints wie möglich mit der Zielgruppe zu erreichen. Wenn die Kunden dann zu uns kommen, ist ihre Zufriedenheit so hoch, dass 12 Prozent unserer Kunden mehr als ein Abonnement haben, neun Prozent sogar mehr als zwei. Also lohnen sich auch größere Media-Spendings eigentlich immer.

Valentinstag ist einmal im Jahr. Das Konzept von Bloomy Days beruht doch aber auf einem Abonnement. Wie passt das zusammen?

Es gibt viele Anbieter für Blumen und besonders am Valentinstag boomt das Geschäft. Oftmals wird leider noch auf die Schnelle ein Strauß besorgt, der aber mehr für schlechte Stimmung als für große Freude sorgt. Dabei ist es eigentlich so einfach Frauen glücklich zu machen! Wir wollen da helfen und bieten deshalb nicht nur das Abo an, sondern auch ein Valentinstagsbouquet als Einzelbestellung.

Zudem ist unser Abo ja vollkommen flexibel und somit selbst für Männer, die sich vielleicht nicht lange binden wollen, das richtige Geschenk. P.S.: Liebe Männer, man kann bei uns auch mehrere Abos anlegen und diese getrennt voneinander verwalten, das heißt pausieren oder beenden. Ihr habt also stets die Zügel in der Hand und bestimmt, wann Schluss ist.

Und hier das Plakatmotiv (Fotograf: Patrick Wüstner):


Autor:

Christa Catharina Müller
Christa Catharina Müller

ist seit Februar 2014 Redakteurin im Ressort Marketing, wo sie über Mode und digitales Marketing schreibt. Bevor sie zu W&V kam, hat sie ein Onlinevolontariat bei Condé Nast absolviert und war anschließend drei Jahre als freie Autorin tätig, unter anderem als Bloggerin für Yahoo.



14 Kommentare

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Anonymous User 7. Januar 2016

Wenn Sie, Frau v. Hardenberg, einen neuen Geschäftsdeal abschließen konnten, lassen Sie sich dann auch im Anschluss aif intimes mehr ein? Genau das ist Ihre Werbung. Ab in die Kiste - damit. Komplett unterirdisch und hoffentlich steuern Sie nicht weiter zurück in alte Rollenbilder, es ist wirklich verzweifelt-armselig.

Anonymous User 15. Februar 2015

Mir gefällt die Kampagne nicht, ich finde sie phantasie- und stillos. Erinnert mich an die Phase pubertärer Jungs, in der sie zwanghaft in allem ein Geschlechtsorgan sehen oder zumindest eins hinkritzeln müssen.
Der Ansatz "Blumen gegen Sex" widert mich an, auch deshalb, weil er von eine offenbar sehr primitiven Männerbild ausgeht.
Humorvoll finde ich das Ganze auch nicht.
Ich würde die beiden Herren, die die Kampagne entworfen haben, nicht wieder engagieren, und ich werde auch mit Sicherheit keine Blumen bei Ihnen bestellen - weder rote Rosen noch sonst was.

Anonymous User 11. Februar 2015

Ich stimme @Dankeschön voll zu. Ärgerlich ist, das Bloomy Days / Hardenberg sich im Interview dazu noch hinter Humor und Augenzwinkern verstecken. Die Werbung ist aber doch völlig frei von Augenzwinkern. Und auch nicht weniger spießig als rote Rosen. Sie macht Werbung mit einer Pornodenke, die sie dabei bewusst befeuert, und bekämpft so geradezu echte Erotik. Blumen schenken gleich Sex gleich Erfolg. Spießiger und rücksichtsloser geht es ja eigtl nicht mehr. Dass sie statt einer Vagina nun das eigene Produkt, das aber so aussieht, zeigen kann man nicht ernsthaft als Humor verkaufen. Bloomy Days will einfach einfallslose und stillose Männer, die keinen oder nur den einen Sinn im Blumenkauf sehen, als Kunden gewinnen. Da soll es ja so ein paar geben. Dass sie dabei anderen die Stimmung vermiesen, ist ihnen egal. Im Interview etwas anderes zu behaupten, scheint mir verlogen.

Anonymous User 11. Februar 2015

Ihre Werbekampagne ist sexistisch, erniedrigend und völlig unakzeptabel.
Schade, dass Sie so wenig nachgedacht haben.
Ich schließe mich dem ausführlichen und guten Kommentar von "Dankeschön" an.
Traurig, dass so etwas von einer Geschäftsfrau kommt.

Anonymous User 10. Februar 2015

Also mal ehrlich, hat denn keiner von euch auch nur ein wenig Humor? Ok, vlt. seit ihr auch nur spießig, ist eure Sache. Aber ich bitte euch, eine Blume die mit einem Augenzwinkern an ein Geschlechtsorgan erinnert? Kann ja wohl nicht sooooo schlimm sein. Ich find die Werbung auch nicht sexistisch oder frauenfeindlich. Sie rückt Frauen in den Mittelpunkt, weil seien wir mal ganz ehrlich, am Valentinstag gehts ja vorrangig um uns Mädels ;) Wobei die ganzen Femnazis wohl bei einer Werbung die ein phallusähnliches Ding zeigt, sofort sagen würden "Immer nur Männer, nie werden wir Frauen beachtet". Herr, schmeiss Hirn vom Himmel!

Ich sag nur: Bloomydays, ich find eure Kampagne super, und werde gerade DESWEGEN bei euch Blumen bestellen! Ihr habt ne neue Kunding gewonnen.

Anonymous User 9. Februar 2015

Das ist ein Scandal. Wenn eine Werbung so rasistisch als diese Werbung sexistisch wäre, wäre das schon im allen Nachrichten und bloomy days hätte sich schon entschuldigen.

Anonymous User 5. Februar 2015

Liebe Frau von Hardenberg, liebes Bloomy-Days-Team,

ich lasse regelmäßig Blumen versenden und greife dafür meistens auf die bekannten Anbieter zurück - Sie wissen schon, die mit den langweiligen roten Rosen zum Valentinstag und den leicht spießigen Gestecken an Muttertag. Ein Geschäftsmodell wie das Ihrige, mit originelleren, Instagram-tauglichen Sträußen, wäre eine willkommene Abwechslung gewesen. Vielleicht hätte ich sogar ein Abo abgeschlossen. Das wird nach Ihrer Valentinstagskampagne nicht mehr passieren. Es geht natürlich um die "sich gerade entfaltende Mohnblume, die mit einem Augenzwinkern an das weibliche Geschlechtsorgan erinnert", garniert mit dem Slogan "Je schöner die Blumen, desto schöner das Dankeschön". Im gleichen Zuge wünscht Bloomy Days einen "erfolgreichen Valentinstag".

Frau von Hardenberg, Sie sprechen im Interview mit W&V von "etwa 85 Prozent weibliche[r] Kunden" - welche marketingtechnischen Überlegungen haben Sie zu einer Werbekampagne inspiriert, die Ihre hauptsächliche Kundengruppe erniedrigt? Ja, Sie fallen, wie gewünscht, mit der Werbung auf. Vielleicht können Sie so Ihren Umsatz bei der männlichen Zielgruppe einmalig und kurzfristig steigern. Dass aber Männer, die auf diese Art von Werbung ansprechen, ein Blumenabo abschließen, ist mehr als unwahrscheinlich. Der Imageschaden bei der Hauptzielgruppe liegt hingegen auf der Hand.

Der Sexismus, mit dem in dieser Kampagne gespielt wird - noch nicht einmal sonderlich eloquent, dreimal "schön" in einem Satz von acht Wörtern klingt nicht "schön"! - trifft nicht nur Ihre Kundinnen, sondern auch die Mitarbeiterinnen von Bloomy Days und letzten Endes auch Sie, Frau von Hardenberg. Eventuell sind Sie als Gründerin auf Schwierigkeiten gestoßen, die Ihre männlichen Kollegen nicht kennen. Das Denken, das durch Ihre Werbekampagne gefördert wird, trägt dazu bei, dass solche Hürden auch weiterhin bestehen. Sie verhalten sich also nicht nur unsolidarisch anderen (Jung-) Unternehmerinnen gegenüber, sondern auch geschäftsschädigend gegenüber sich selbst.

Letztendlich brüskieren Sie damit auch Männer - und es werden glücklicherweise immer mehr -, die in Frauen nicht nur ein Geschlechtsteil sehen, und sich nicht mit einem Bild ihrer selbst als triebgesteuerte Testosteronschleudern identifizieren wollen. Sie sehen, das Kundensegment, bei dem ein Erfolg Ihrer Valentinstagskampagne ponteziell in Aussicht steht, ist nicht nur klein - es schrumpft auch.

Sie erwähnen die Freelancer Tobias Geigenmüller (Text) und Björn Löper (Art), die Ihnen bei der Entwicklung der Kampagne zur Hand gegangen sein sollen. Falls Sie nicht ausdrücklich eine sexistische Werbung gewünscht haben, sollten Sie mit Herrn Geigenmüller und Herrn Löper kritisch Rücksprache halten.

Frau von Hardenberg, bitte ziehen Sie diese misslungene Werbekampagne mit einem entsprechenden Statement zurück. Sie würden damit Integrität, Verantwortungsbewusstsein und Sensibilität gegenüber Ihren Kundinnen und Kunden beweisen. Und einige solidarische Blumenabos wären Ihnen sicher.

Bloomige Grüße

(K)eine potenzielle Kundin

Anonymous User 5. Februar 2015

Was ist ein erfolgreicher Valentinstag? Wenn sie dank den Blumen die Beine breit macht? Und sind wir Männer nur triebgesteuert oder was?
Ich werde nie wieder etwas bei ihnen bestellen!

Anonymous User 5. Februar 2015

Ich habe gerade Beschwerde beim Werberat eingelegt. Diese Werbung ist wirklich geschmacklos und frauenfeindlich. Sowas sage ich nicht so oft.

Hier der Link, falls jemand ebenfalls mithelfen will, dass sich diese Kampagne (die sicherlich zu einem Teil auf Empörung setzt) für das Unternehmen hoffentlich nicht rechnet: https://www.werberat.de/beschwerdeformular

Anonymous User 4. Februar 2015

Intelligent und stilvoll? Das ist sexistisch und frauenfeindlich! Hoffe, es gehen genug Beschwerden beim Werberat ein!

Anonymous User 4. Februar 2015

absolut geschmacklos! Die Frau soll woll für Sex mit Blumen bezahlt werden??!

Anonymous User 3. Februar 2015

Stilsicher peinliches Motiv!

Anonymous User 2. Februar 2015

Das Motiv und das Interview widersprechen sich: Bloomy Days möchte sich von Wettbewerbern abheben, stilsicher und schön sei, bei den Frauen ankommen und ist dann selbst mit dem Holzhammer unterwegs. So in den Sinne: Mit einem schönen Strauss geht auch mehr, und genau das ist es doch, was die Valentins-Dame nicht möchte ...

Anonymous User 2. Februar 2015

Wie haben wir schon als Schüler gekalauert: Schickt er ihr Rosen, möchte er kosen, schickt er ihr Wicken, möchte er f.......
Töröööööö

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