Das war eher ein Zufall und überhaupt nicht so geplant. Es wäre ja auch schlimm, nur aus monetären Gründen mit Instagram zu starten. Tatsächlich war es so, dass ich eine Art Fotoalbum für mich haben wollte, um all die vielen kleinen Erinnerungen für immer festzuhalten. Auf Social Media kann man das einfach perfekt. Es zeigte sich aber relativ schnell, dass Gustav ein gewisses schauspielerisches Talent hat und die Leute mit seinen Fotos und Videos zum Lächeln bringt. Das liegt wahrscheinlich an seiner ungewöhnlichen Physiognomie, aber auch der liebevoll-tapsigen Art. Ein Basset ist halt kein Allerweltshund. Aber genau das macht seinen Charme aus.

Ist Gustav ein Naturtalent – oder wie wird man Petfluencer?

Gustav liebt die Kamera. Anders würde es gar nicht gehen, fast jeden Tag neue Inhalte zu kreieren. Uns beiden macht das einfach Riesenspaß und das sieht man hoffentlich auch. Ich möchte aber auch nicht verschweigen, wie viel Arbeit in so einem Account steckt. Das ist wohl oft die größte Überraschung, wenn man sich gar nicht damit auskennt. Es sieht von außen alles immer sehr leicht aus. Das soll es auch. Im Schnitt bin ich täglich rund vier Stunden mit allem beschäftigt. Diese Zeit kommt on top zu meiner eigentlichen Arbeit dazu. Das ist also nicht wenig. Das Schöne ist aber, dass ich mich an Gustavs Seite nochmal kreativ ganz anders ausdrücken kann, als in meinem Hauptjob. Es ist also eine Art Auszeit für mich, in der ich Zeit mit meinem Hund verbringe.

Auf welchen Kanälen seid Ihr so unterwegs?

Eigentlich ist Gustav auf allen aktuellen Social-Media-Kanälen präsent bis auf Youtube, das schaffen wir nicht auch noch. Gustavs Hauptzielgruppe ist aber auf Instagram, aber ich schaue auch schon stark Richtung TikTok. Das ist nochmal was ganz anderes von der Zielgruppe und Ansprache her. Wir testen da gerade ein paar Dinge aus, um den richtigen Weg für zu finden.

Und jetzt auch noch Podcast. Ein Hund und Podcast – was müssen wir uns da vorstellen?

Der Podcast – „Leckerli to go“ – ist mein großer Herzenswunsch gewesen. Ich freu mich, dass dieser nun in Erfüllung gegangen ist. Ich wollte einfach noch ein Gegengewicht zu Instagram schaffen, wo ja doch alles bunt und lustig ist. Tatsächlich gibt es aber soooo viele Themen, die mich ebenfalls interessieren, aber einfach nicht zu einem bewusst nur fröhlichen Account passen. Das Thema Tod zum Beispiel. In einer unserer ersten Folgen sprechen wir daher mit einem Tierbestattungsunternehmen. Ein weiteres Thema ist Ausgrenzung. Ich erlebe nämlich immer wieder, dass sogenannte Listenhunde schief angeschaut werden. Also sprechen wir mit einer Hundemama von so einem Hund, um mehr darüber zu erfahren. Natürlich führe ich durch Gustavs Podcast. Die Themenwahl basiert aber komplett auf unser beider Erfahrungen. Und: Wir möchten dabei nicht wertend rüberkommen, sondern Wissen vermitteln, damit sich unsere Hörer selbst ein Urteil bilden können.

Zurück zu Gustav als Petfluencer. Für welche Branchen kann sich Gustav besonders erwärmen?

Eigentlich für alle Bereiche, für die auch Menschen-Influencer werben. Die Bandbreite ist groß. Aktuell sprechen wir zum Beispiel mit einem bekannten Matratzenanbieter, der gerne längerfristig mit Gustav arbeiten möchte. Wir sprechen aber auch schon für den Herbst mit einem Modelabel, das eine Art „Rainy Day-Kampagne“ machen möchten. Petfluencer eignen sich dafür besonders, denn sie müssen ja, mit ihren Frauchen und Herrchen, bei jedem Wind und Wetter raus. Und für Weihnachten planen wir ein großes Special mit selbstgebackenen Hundeplätzchen.

Der Influencer-Hype hält an. Wie offen sind die Unternehmen hierzulande aber für eine Zusammenarbeit mit Petfluencern?

Das Feedback ist fast immer positiv. Kaum einer der angefragten Partner findet es merkwürdig oder gar abwegig, mit Gustav zusammenzuarbeiten. Was aber auffällt, ist, dass die meisten Unternehmen sich oft nicht so recht vorstellen können, wie das Ganze aussehen könnte. Ich muss also immer ein bisschen mehr erklären und am besten auch zeigen. Das wird mit der Zeit aber bestimmt alles leichter werden. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass es über kurz oder lang ganz normal sein wird, Petfluencer mit in Kampagnen einzuplanen.

Durch Corona sind viele Menschen auf den Hund, oder die Katze, gekommen. Hat das auch einen Push für die Vermarktungschancen als Petfluencer nach sich gezogen?

Definitiv, auch wenn es hier in Deutschland immer noch in den Kinderschuhen steckt. Die meisten verbinden mit Petfluencern ausschließlich die Vermarktung von Hundefutter oder Leinenzubehör etc. Dieser Bereich ist für Gustav und mich aber völlig uninteressant. Ich bin daher proaktiv zu Unternehmen aus dem Mode-, Beauty, aber auch Lifestylebereich gegangen und habe ihnen Gustavs Account gezeigt. Das Feedback war überraschend positiv. Die meisten Unternehmen haben sofort verstanden, welche Möglichkeiten in Petfluencern stecken, haben aber auch zugegeben, dass sie das bisher nicht auf dem Schirm hatten. Wir sind daher wohl kleine Vorreiter in Deutschland. In den USA, Kanada und Großbritannien sieht das schon ganz anders aus. Da werden Petfluencer bewusst in große Kampagnen mit eingeplant. Mercedes Benz, Aldi, Budweiser uvm. setzen bewusst auf den Charme der Fellnasen und das mit Erfolg.

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass es über kurz oder lang ganz normal sein wird, Petfluencer mit in Kampagnen einzuplanen."

Mary-Ellen Rudloff

Gibt es darunter Vorbilder für Euch?

Es gibt in der Tat einige tolle Accounts, die so kreativ und lustig sind, dass man dort gern über Stunden verweilen möchte. Ein Fan-Moment ist es immer wenn Dean the Basset aus Kanada etwas von uns liked oder kommentiert. Dean ist wirklich der absolute Oberknaller und hat sogar zweimal den Webby Award gewonnen. Auch immer richtig lustig sind Pippa und Louis aus Irland. Das sind zwei Kurzhaardackel, die mit ihren witzigen Dialogen den Alltag einer Ehe nachspielen. Pippa ist dabei immer leicht melancholisch und rechthaberisch, aber so lustig zum Anschauen. Ich bin da selber immer wieder begeistert, wie kreativ viele Hundeeltern ihre Accounts umsetzen. Jeder macht es anders und auf seine Art. Langweilig wird es auf jeden Fall nicht.

Was hat Gustav, das ein Zweibeiner als Influencer nicht hat?

Bei „Menschen-Influencern“ steht das Sprechen im Vordergrund. Gustav muss alles nonverbal und atmosphärisch rüberbringen. Genau das macht es aber auch so lustig – dabei erinnert er mich immer an Charlie Chaplin. Mein liebstes Beispiel ist aber, um die Unterschiede deutlich zu machen folgendes Bild: Stell Dir mal Gustav eingekuschelt in einem gemütlichen Bett vor. Die meisten würden ganz automatisch sagen, „Ohhh, das sieht kuschlig aus, ich will auch.“ Es kommt also sofort eine positive Emotion rüber. Wenn Menschen im Bett liegen, wird es schon schwieriger. Es werden verschiedene Schubladen im Kopf aufgemacht, um zu schauen, ob das so passt. Es gibt einfach zu viele Nuancen dazwischen. Bei Fellnasen reagieren Menschen bzw. Konsumenten wertefreier. Man mag die Tiere einfach. Das ist wohl der größte Vorteil, den Petfluencer haben.  

Habt Ihr Euch Grenzen gesetzt, was Gustav nicht machen würde?

Gustavs Content ist ausschließlich schön. Ernste Themen kommen so gut wie gar nicht vor. Sein Instagram-Account soll eine kleine Auszeit vom Alltag geben und die Leute daran erinnern, dass es immer mehr schöne als blöde Sachen auf der Welt gibt. Schaut man sich die Nachrichten an, vergisst man das nämlich immer schnell.  Mir ist es aber auch wichtig, dass Gustav nicht belehrend ist. Tipps zur Hundeerziehung wirst Du nicht finden, dafür aber umgekehrt ganz viele Tipps, wie jeder Hund sich seinen Menschen erziehen kann. „Gustavs Masterclass“ haben wir das genannt und eine ganze Serie daraus gemacht. Seine Follower haben herzlich gelacht und sich wohl selbst darin wieder erkannt.

Bei allem positiven Feedback – gibt es nicht auch Nachfragen von Tierschützern, die Bedenken anmelden?

Nein, das kam bei uns noch nicht vor. Der Content ist aber wie gesagt auch sehr unterhaltsam angelegt. Da gibt es wenig Schnittstellen zu Kritikern. Allerdings finde ich es sehr wichtig, dass das Thema gerade im Bereich Petfluencer-Vermarktung relevant ist. Einen Code of Paws nenne ich das immer in Gesprächen mit Kunden. Gustavs Wohl steht immer an erster Stelle und kein Like oder Follower mehr wäre es wert, dass es ihm schlecht geht.

Oh – Gustav Du gehst. Vielen Dank für Deine Zeit! Ich hoffe, es liegt nicht am Interview…

Nein, Gustavs Hundefreundin wartet. Da muss er hin…

Völlig verständlich. Wir kommen dann auch bald zum Schluss. Aber jetzt kann ich Dich fragen, worüber Gustav sicher nicht gesprochen hätte: Influencer verdienen mitunter nicht schlecht. Ist Gustav gut im Geschäft? Leistet er sich den einen oder anderen Luxus?

Wir sind noch ganz am Anfang und lassen alles langsam auf uns zukommen. Die Produkte und Unternehmen müssen immer auch zu uns passen, sonst wäre es unglaubwürdig. Mittlerweile verdient Gustav aber so viel, dass er seine Knochen, Versicherung und Spielsachen selbst finanzieren kann. Ein großer Fünf-Sterne-Deluxe-Urlaub ist aber noch weit entfernt. Es geht uns aber vordergründig nicht ums Geld. Das ist zwar ein schöner Nebeneffekt für all die Zeit, die man da reinsteckt, aber in erster Linie sind Gustavs Seiten immer noch das schönste Fotoalbum zum Erinnern für mich.

Bei all Euren Aktionen bleibst Du im Hintergrund, selbst die E-Mail-Adresse läuft auf Gustav – Deine Entscheidung, oder war es Gustav?

Definitiv meine. Ich muss aber gestehen, dass ist schon deutlich besser geworden. Am Anfang habe ich mich einfach nicht getraut, sichtbar zu sein. Aber auch ich wachse mit den Herausforderungen und habe vieles dazugelernt. Mittlerweile mache ich sogar Live-Videos auf Instagram, wo ich völlig frei in die Kamera spreche. Das wäre vor wenigen Monaten noch undenkbar gewesen. Aber wir machen alles Schritt für Schritt und lassen es einfach auf uns zukommen. Diese Einstellung habe ich definitiv von Gustav übernommen. Von seiner Gelassenheit und Coolness bin ich aber noch weit entfernt. Das ist auch gut so, denn der Star in der Familie ist er, nicht ich.

(Credit aller Fotos: Jeremy Möller)

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Autor: Christiane Treckmann

Als Redaktionsleiterin von W&V verantwortet Christiane Treckmann die redaktionelle Begleitung von W&V Data, die W&V Reports sowie diverse Sonderprodukte. Ihr Motto: Nutzwert statt Buzzword-Bingo. Ihre Interessen: Menschen, Marken, Medien - analog wie digital.