So lief das schon beim Dreikönigstreffen im Januar in Stuttgart ab. Die Enthüllung der neuen FDP-Farbe Magenta war ein Twitter-Erfolg, verbreitete sich wie ein digitales Lauffeuer, vom Lindner-Team zusammen mit der Berliner Werbeagentur Heimat inszeniert. Auch die Festlegung vom Sonntag, wie die Grünen Haschisch-Rauchen legalisieren zu wollen, dürfte der FDP gerade bei jungen Leuten auf Twitter und Facebook viel Resonanz bringen.

Ob die Wähler, die anderen Parteien und die Medien es wollen oder nicht, nach Hamburg und Bremen ist die einstige Spaß- und gescheiterte Steuersenkungspartei wieder ein Gesprächsthema im Land. FDP-Chef Christian Lindner, den die Basis mit mehr Macht als seinen einstigen Förderer Guido Westerwelle ausgestattet hat, meint, 20 Monate nach dem Aus bei der Bundestagswahl sei die FDP dabei, die "Machtarithmetik" in der Republik langsam wieder zu verschieben.

Wenn Lindner es schaffen sollte, das Etikett der kalten, nur auf Ministerposten schielenden Lobbytruppe ein für allemal wegzurubbeln, dürften die Chancen für eine Wiederauferstehung gar nicht schlecht stehen. Zumal 2017 im Bund Koalitionen - Schwarz-Rot, Schwarz-Grün oder Schwarz-Gelb - realistisch sein könnten, die der FDP Zulauf bringen könnten.

Der 36-jährige Lindner riss in seiner eher durchschnittlichen Berliner Rede jene Themen an, wo die FDP Lücken im Angebot von Union, SPD, Grünen und Linken wittert. Big Data: Sind die gigantischen Datenmengen in Internetwolken (Clouds) sicher vor den Riesenkonzernen aus Kalifornien oder den schnüffelnden Geheimdiensten?

Steuern und Wirtschaft: Lindner will unzufriedene CDU-Wähler und wütende Unternehmer zur FDP zurückholen. Bildung: Die Liberalen wollen den Länderwettstreit beenden, zugunsten von bundesweiten Abschlüssen und gleichen Bedingungen. Dieser bemerkenswerte FDP-Schwenk hin zu mehr Zentralismus in der Bildungspolitik ist kein Zufall. In Baden-Württemberg, wo im März 2016 gewählt wird, tobt gerade ein Glaubenskampf um die Zukunft des Gymnasiums. Die FDP will nervöse Eltern für sich gewinnen. Lindner glaubt, dass sogar eine Regierungsbeteiligung mit der Union drin sein könnte.

Was aber, wenn den Liberalen die Puste ausgeht, auch finanziell? Beim Parteitag lässt sich Lindner von der Basis einen Vier-Millionen-Euro-Scheck ausstellen. So viel wird eine Umlage je Mitglied über drei Jahre für kommende Wahlkampfausgaben einbringen, die Bundespartei und Landesverbände nach Hamburger und Bremer Vorbild aus einem Guss auf die Beine stellen wollen. Abgerechnet aber wird 2017 - bis dahin hat auch der fiktive SPD-Veteran Mierscheid Zeit zu überlegen, ob ihm der Name FDP wieder einfällt.