Heimat Berlin :
FDP zieht in den "digitalen Wahlkampf"

"Denken wir neu", fordert die FDP in ihrer Wahlkampagne. Heimat Berlin setzt dabei auf viele Inhalte, viel Weiß und viel Lindner.   

Text: Frauke Schobelt

Christian Lindner, inszeniert von Porträt-Fotograf Olaf Heine.
Christian Lindner, inszeniert von Porträt-Fotograf Olaf Heine.

Eine neue Sehenswürdigkeit in Berlin haben sich die Freien Demokraten ausgesucht, um am Montag ihre Kampagne für die Bundestagswahl 2017 vorzustellen. "The Gate" am Brandenburger Tor bietet eine Video-Zeitreise durch 300 Jahre Berliner Geschichte. An diesem Montag war die riesige Panoramaleinwand jedoch für die Motive der FDP reserviert. Auch die Partei will Geschichte schreiben - mit der Rückkehr in den Bundestag. Dafür trommelt in den nächsten Monaten die Kampagne von Heimat Berlin.

Unter dem Slogan "Denken wir neu" melde sich die FDP als "Partei der Mitte für die Mitte" zurück, so Spitzenkandidat Christian Lindner. "Unsere Kampagne ist getragen von Optimismus, Gestaltungsfreude, Selbstironie und Bescheidenheit". Ansprechen soll sie die "ungeduldige Mitte im Land", denen der "Status Quo" nicht mehr reiche. 

#DenkenwirNeu als Wahlprogramm

Die Inhalte stünden im Mittelpunkt, so Lindner. Wie ernst es der Partei damit ist, zeige ein Motiv mit dem kompletten Parteiprogramm. Unter #DenkenwirNeu soll die Kampagne dazu anregen, über Themen wie Bildung, Wirtschaft oder Digitalisierung neu nachzudenken und Debatten anzustoßen. Eine Art "Umparken im Kopf" im Wahlkampfmodus. Auch die FDP habe neu nachgedacht über ihre Themen, mit denen sie Politik machen möchte, so Lindner. Und dabei habe sie zum Teil auch neue Antworten gefunden oder klassische Positionen bestätigt bekommen. "Wir haben uns selbst erneuert", ergänzt FDP-Generalsekretärin Nicola Beer. Deshalb könne die FDP glaubwürdig für neues Denken werben. 

Natürlich ist der eigentliche Star der Kampagne Spitzenkandidat Lindner, der von einer "One-Man-Show" jedoch nichts wissen will. Schließlich stellten auch die anderen Parteien ihre Spitzenkandidaten ins Rampenlicht. Das sehen viele Medien jedoch anders: "Christian Lindner macht auf Rammstein", "Christian Lindner als neuer Popstar", "Die Kampagne bin Ich", "Viel Lindner, viel Text" lauten einige Schlagzeilen. 

Rammstein-Fotograf porträtiert Lindner

Dabei gelingt es Heimat durchaus, den FDP-Politiker so zu inszenieren, dass er sich vom gängigen Wahlgegrinse abhebt. Zu verdanken ist dies dem Berliner Porträt-Fotografen Olaf Heine, der bekannt ist für Fotos von Künstlern wie Rammstein, Sting und Die Ärzte. Außerdem drehte er zahlreiche Musikvideos und Werbefilme. Zu seinen Kunden zählen Adidas, BMW, O2, Mini, Rolex, Sony, Bitburger und Hugo Boss. Den FDP-Chef inszeniert Olaf Heine in schwarz-weiß. Er wirkt dabei - passend zum Slogan - nachdenklich. 

Die Hintergründe sind weiß gehalten, was laut FDP-Generalsekretärin Nicola Beer Frische und Klarheit ausstrahlen soll. Zudem habe man sich bewusst für Longcopys mit viel Inhalt entschieden, "denn wir haben den Wählern was zu sagen". Mehr als 6000 Großplakate seien von der Basis bereits bestellt worden, im Wahlkampf 2013 waren es rund 4000. Das Budget für die Kampagne liegt bei rund fünf Millionen Euro. Neben Großflächen und Plakaten setzt die FDP stark auf Bewegtbild und Maßnahmen in sozialen Netzwerken. "Einen digitalen Wahlkampf", verspricht Beer, mit jeder Menge "Überraschungen", die Teil der umfassenden Digitalstrategie seien. So soll es etwa einen Podcast geben, bei dem FDP-Kandidaten das Parteiprogramm vorlesen, verrät Lindner. 

Einige Plakatmotive: 

Das Wahlprogramm der FDP

Das Wahlprogramm der FDP

  

Christian Lindner auf dem Wahlplakat der FDP
Olaf Heine fotografierte.

Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.