Entschä­di­gungs­klagen von ehema­ligen Zwangs­ar­bei­tern wurden durch das Land­ge­richt Hannover aufgrund von Verjäh­rung abge­wiesen. Im Dezember 1999 entschied sich das Unter­nehmen für den Eintritt in die Stif­tungs­in­itia­tive der deutschen Wirt­schaft für die Entschä­di­gung ehema­liger Zwangs­ar­beiter in Deutsch­land in der Zeit des Zweiten Welt­krieges. An diese Stiftung erfolgten vom Unter­nehmen im Jahr 2000 eine Zahlung über 1.000.000 DM und im Jahr 2001 eine Zahlung über 500.000 DM.

Das Unter­nehmen ist sich bewusst, welch großes Leid und Unrecht den Zwangs­ar­beiter sowie vielen anderen Menschen damals wider­fahren ist und erkennt hierin seine histo­ri­sche und mora­li­sche Verant­wor­tung. Es wird die Geschichte der Zwangs­ar­beiter bei Bahlsen von unab­hän­gigen Histo­ri­kern noch umfas­sender aufar­beiten lassen und veröffentlichen."

 

Vater Werner M. Bahlsen hatte noch vor kurzem öffentlich erklärt: "Die Firma darf kein Spielfeld für Unternehmerkinder sein." Die traditionsreiche Gruppe mit einem Jahresumsatz von knapp 560 Millionen Euro feiert dieses Jahr 130-jähriges Bestehen.

Vor fast genau einem Jahr hatte der bisherige Firmenlenker seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft des weltweit bekannten Keks-Imperiums bekanntgegeben und die Führung an ein vierköpfiges Manager-Team übergeben. Der Grund: Er will seinen vier Kindern Zeit zum Entwickeln geben. "Wir haben regelmäßig in der Familie Gespräche über die Ausrichtung des Unternehmens - das läuft gut", hatte er noch wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag im April gesagt.

Für seine Tochter Verena ist eingetreten, was sie immer befürchtet hatte. Mit Blick auf ihren Vater hatte sie dem Magazin "ZEIT für Unternehmer" im März erklärt: "Er ist so ein Vorbild für mich, dass die Angst riesig ist, ihn zu enttäuschen." Dabei lässt sich die Eigentümerfamilie des Keks- und Süßwarenherstellers nach eigenen Angaben von externen Beratern für eine reibungslose Führung des Unternehmens coachen. Verena Bahlsen sagte, bisher gebe es kein Konkurrenzdenken zwischen ihr und ihren drei Geschwistern. Diskussionen seien aber vorprogrammiert, da Familienunternehmen quasi automatisch Diskussionen auslösten.

Verena Bahlsens Stippvisite auf der OMR

"Mehrere Generationen müssen sich über viel Geld und Einfluss einigen, obwohl sie die Welt verschieden sehen", hatte sie dem Magazin gesagt. Ihre Geschwister arbeiten in unterschiedlichen Feldern: Der eine Bruder ist Berater, der andere entwickelt digitale Strategien, die jüngste Schwester ist Fotografin. Verena Bahlsen macht das, was ihr Vater für eine wesentliche Eigenschaft der Keks-Dynastie hält: Trends von morgen nachspüren. Sie beschreitet in Berlin neue Wege als Unternehmerin mit einem Restaurant, das sie nach ihrem Urgroßvater "Hermann's" nannte und als eine Art Zukunftslabor für gesundes Essen sieht. Dafür gab es auch viel öffentliches Lob.

Es folgten zudem Einladungen wie zur OMR in Hamburg, wo sie eine offensichtlich launig gemeinte, aber auf wenig positive öffentliche Resonanz gestoßene Rede über Nachhaltigkeit in der Wirtschaft hielt. Dass daraus eine Debatte über deutsche Geschichte und Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus sowie die Rolle des Unternehmens Bahlsen dabei geworden ist, bedauere sie sehr, schrieb sie jetzt. Das sei nie ihre Absicht gewesen. "Dass ich die Debatte später durch unbedachte Äußerungen verstärkt habe, war ein Fehler. Das tut mir leid", heißt es in der von der Bahlsen-Gruppe auf Deutsch und Englisch verbreiteten persönlichen Erklärung.

(W&V Online/dpa)


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