Auf die große Chance für Deutschland weist auch Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" hin, der von der Politik eine Beschleunigung der Asylverfahren verlangt.

Die Flüchtlingswelle wird unsere Gesellschaft verändern. Im Idealfall hin zur Stärkung einer pluralistischen, offenen, toleranten Gemeinschaft, die es verstanden hat, für die gesamte Bevölkerung das Beste aus der Integration zu ziehen. Und die den Rassisten und Hetzern gelebte Toleranz und Menschlichkeit entgegensetzt. Doch dafür sind dauerhaft große und gemeinsame Anstrengungen nötig. Und zwar von allen Kräften der Gesellschaft.

Was gelingen kann, wenn die Not groß ist, zeigen die vielen ehrenamtlichen Helfer, aber auch Behörden, Polizisten und Rettungskräfte, die seit Monaten Enormes leisten. Alleine in Hamburg engagieren sich über 2.000 Freiwillige in den über 90 Flüchtlingsunterkünften. In Pankow gibt es einen regelrechten "Ansturm der Hilfsbereiten". Mitunter ist das Engagement so groß, dass Spenden abgelehnt werden müssen, wie in München, wo kurzfristig Tausende Flüchtlinge am Hauptbahnhof zu versorgen waren. Hand in Hand, spontan über die Netzwerke organisiert, bereiteten auch die Münchner den erschöpften Flüchtlingen einen menschenwürdigen Empfang.

Wo Hilfe nötig ist, entsteht bei vielen der Wunsch zu helfen. Aber es muss auch sinnvoll sein. Was können Werbungtreibende, Vermarkter, Medien, Unternehmen, Blogger, jeder Einzelne tun? Wir haben Anregungen gesammelt:

Update: Viele nützliche Links bietet ein Special von Stiftung Warentest

Ehrenamt

Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer hätten Kommunen und Städte schon längst vor der Mammut-Aufgabe kapitulieren müssen. Und tatkräftige Helfer sind weiterhin im ganzen Land gesucht. Vor allem Übersetzer, denn Flüchtlinge brauchen Orientierung und Informationen, um sich in der ungewohnten Umgebung zurecht zu finden. Und sie müssen ihre Rechte kennen. Die Organisationen suchen auch Mentoren für Flüchtlinge, die sie zu Behörden oder zum Arzt begleiten, Paten für Jugendliche, Pädagogen, Helfer in Kleiderkammern, etc.

Das Ehrenamt braucht Spenden. Und Zeit. Beides können Unternehmen bereitstellen. Etwa, indem sie freiwillig Mitarbeiter für einige Stunden ehrenamtliches Engagement freistellen, auch wenn es keinen gesetzlichen Anspruch darauf gibt.

Der Carlsen Verlag macht es vor:

Ansprechpartner 

Hilfsorganisationen

Gemeinden, Ordnungsämter

Flüchtlingsräte der Städte und Länder

Eine Sammlung von Flüchtlingsprojekten gibt es unter

http://wie-kann-ich-helfen.info und bei ProAsyl.

Weitere Links für Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten:

München:

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/fluechtlinge-in-muenchen-wo-ihre-hilfe-gebraucht-wird-1.2631422

http://www.save-me-muenchen.de/

https://willkommen-in-muenchen.de/

http://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Sozialreferat/Fluechtlinge/Helfen.html

Berlin

http://www.fluechtlingsrat-berlin.de/index.php

https://netzwerkfluechtlingeberlin.wordpress.com/

Nordrhein-Westfalen

http://www.frnrw.de/

Hamburg

http://www.hamburg.de/hh-hilft/4384088/hamburg-hilft/

Frankfurt

http://www.vielfalt-bewegt-frankfurt.de/de/angebote/ehrenamtliches-engagement-erstaufnahmeeinrichtungen-fuer-fluechtlinge

Köln

http://www.drk-koeln.de/sie-wollen-helfen/ehrenamtskoordination-soziale-arbeit.html

Unterkünfte

Viele Erstaufnahmeeinrichtungen sind vollkommen überlastet, so berichtet etwa der bayerische Flüchtlingsrat von unhaltbaren Zuständen in Passau. Die Ordnungsämter und Flüchtlingsräte freuen sich über jeden Hinweis oder die Bereitstellung von freiem und ungenutzten Raum, der für die Unterbringung von Menschen geeignet ist.

Wer privat Flüchtlinge unterbringen will, kann zum Beispiel den Vermittlungsservice www.fluechtlinge-willkommen.de nutzen. Ansonsten sind die Ordnungsämter Ansprechpartner.

Sachspenden

In Flüchtlingsunterkünften wird vieles benötigt, unter anderem Spielzeug, Kleidung, Hygiene- und Gesundheitsartikeln, Bustickets, Telefonkarten, Aufladestationen, Sanitäranlagen oder Möbel. Auch Flüchtlingsambulanzen sind oft nur unzureichend ausgestattet. Auch gibt es viel Renovierungsbedarf. Viele Flüchtlingsheime liegen weit außerhalb der Zentren, benötigen Fahrräder, Transporter oder Fahrdienste. Da können sich Unternehmen vielfältig einbringen.

Die Flüchtlingshelfer bitten jedoch darum, vorher unbedingt nachzufragen, was konkret gebraucht wird. Denn auch die Logistik muss organisiert werden. Viele Flüchtlingsräte stellen deshalb konkrete Bedarfslisten auf ihre Webseiten. Auch regionale Zeitungen und Hörfunksender wie Radio FFN veröffentlichen Listen, zum Beispiel auf Facebook.

Perspektive bieten

Flüchtlinge, die bleiben dürfen, brauchen eine berufliche Perspektive. Und hier sind vor allem Unternehmen gefragt, die Ausbildungsplätze und Praktika anbieten. Oder Schulprojekte fördern.

Warum es sich etwa für kleine und mittelständische Betriebe lohnt, Flüchtlinge zu beschäftigen, erklärt dieses Papier der Bundesagentur für Arbeit. Es beschreibt auch die Fördermöglichkeiten und Unterstützung für Betriebe. Etwa im Rahmen der "Integrationsrichtlinie Bund". Die darüber geförderten Projektverbünde unterstützen Flüchtlinge, aber auch Betriebe in Fragen des Aufenthalts- und Sozialrechts und begleiten bei Bedarf auch während der Beschäftigung. Ebenso können interkulturelle Trainings für die Belegschaft vermittelt werden.

Unternehmen können sich auch an den Kosten für Deutschkurse beteiligen. Denn an den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geförderten und geforderten "Integrationskursen" können Asylsuchende und geduldete Flüchtlinge nur teilnehmen, wenn sie auch hohe Kosten selber tragen.

Einen Vermittlungsservice bieten die Designer Philipp Kühn und David Jacob: Ihre Online-Arbeitsbörse Workeer.de bringt Flüchtlinge und Arbeitgeber zusammen und informiert über die rechtliche Situation.

Auch Ideen sind gefragt, wie Integration gelingen kann. Das Stipendienprogramm "ANKOMMER. Perspektive Deutschland" der KFW-Stiftung wendet sich etwa an angehende Startups und Initiativen, die ein bundesweit anwendbares Konzept für die Integration von Flüchtlingen erarbeiten sollen. 

Unterstützung mit Geld- und Sachspenden verdienen auch Initiativen wie Refugees on Rails, die Talentierten erste Programmierer-Fähigkeiten vermitteln wollen.

Wie gut verschiedene Nationalitäten zusammenarbeiten, erklärt McDonald's in dem aktuellen Video "Willkommen in Deutschland" (#VielfaltIstChance).

Helfern helfen

Polizisten, Rettungskräfte, ehrenamtliche Helfer und Behördenmitarbeiter werden mit viel menschlichem Leid und leider auch  Anfeindungen konfrontiert. Ihnen kann man zwischendurch einfach mal danken und Unterstützung anbieten. So wie die Spediteure, die spontan einer Kleiderkammer aus der Misere helfen:

Oder wie die Privatsender Antenne Thüringen, Landeswelle Thüringen und Radio Top 40, die am 4. September gemeinsam die Initiative "Wir sagen Danke" starten. Eine groß angelegte Spotkampagne wird Thüringer Menschen, Firmen, Einrichtungen oder Organisationen vorstellen, die menschliche Anteilnahme zeigen und Flüchtlingen helfen.

Wer konkret mit Know-how unterstützen will, kann sich bei der Initiative "Startsocial" engagieren: Sie vermittelt gemeinnützigen Initiativen Beratung bei Profis aus der Wirtschaft.

Geldspenden

Es gibt unzählige Möglichkeiten, Geld für Flüchtlingsinitiativen zu spenden. Auch hier helfen Flüchtlingshilfen und -räte dabei, die Spenden sinnvoll zu koordinieren. Flüchtlingshelfer regen etwa an, bei Jubiläumsfeiern, Geburtstagen oder Weihnachten auf Kundengeschenke zu verzichten oder Gäste um Spenden zu bitten.

Am besten wissen die Menschen selbst, was sie benötigen. Also auch den direkten Kontakt suchen. Ansprechpartner hier sind die Flüchtlingsinitiativen vor Ort.

Einige Links:

Die "Aktion-Deutschland-hilft" sammelt Geldspenden für Flüchtlinge. Es fließt nicht nur an verschiedene Hilfsorganisationen in Europa und Deutschland, sondern auch in Herkunftsländer.

Für die Rechte von Menschen auf der Flucht setzt sich die Stiftung Pro Asyl ein. Sie begleitet Flüchtlinge in ihren Asylverfahren und steht ihnen mit konkreter Einzelfallhilfe zur Seite.

Eine von vielen privaten Initiativen:

Die Initiative #Bloggerfuerfluechtlinge von Nico Lumma, Stefan Paul, Karla Paul und Paul Huizing hat bereits über 90.000 Euro gesammelt. Der Spendenstand wird transparent auf der Website anzeigt.

#AktionArschloch: Die 22 Jahre alte Anti-Nazi-Hymne "Schrei nach Liebe" von den "Ärzten" ist heute noch so aktuell wie damals. Grund genug für Fans, diese Aktion zu starten und das Lied wieder in die Charts zu hieven. Die Einnahmen aus den Downloads fließen an Pro Asyl.

Sich klar bekennen

Zu einem der höchsten Güter einer Demokratie gehört die Meinungsfreiheit. Sie ist ein mächtiges Instrument, das aber auch Rassisten und Hetzer nutzen, um auf Märschen und in Hasskommentaren ihr Weltbild zu verbreiten. Ändern wird man diese Menschen kaum, aber jeder Einzelne kann die Vision von Deutschland und Europa mitgestalten, und das Bild dieser Gesellschaft, das in die Welt und die sozialen Netzwerke getragen wird.

Viele Bürger, Prominente, Agenturen, Unternehmen und Fußballvereine setzen sich bereits klar und deutlich in der Öffentlichkeit für ein weltoffenes, vielfältiges Deutschland und gegen Fremdenfeindlichkeit ein. Unter anderem unter diesen Hashtags und Initiativen:

#Refugeeswelcome

#Mundaufmachen

Recht auf Menschenrecht (eine Initiative von Raphael Brinkert und Jung von Matt/Sports) mit mittlerweile über 10.000 Facebook-Followern. 

#auchichbindeutschland von der Deutschlandstiftung Integration

#Gegenstimmen

Demonstrationen

Überall in Deutschland gibt es Initiativen und Bürgerbewegungen, die Demonstrationen gegen Rechte und Rassismus organisieren. Wer auf der Straße Flagge zeigen will, hier einige Anlaufpunkte, stellvertretend für viele:

http://muenchen-ist-bunt.de/

http://www.netz-gegen-nazis.de/category/tags/demonstration

http://www.berlin-gegen-nazis.de/

http://www.lautgegennazis.de/

http://www.keine-stimme-den-nazis.org/



Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Autor: Frauke Schobelt

koordiniert und steuert als Newschefin der W&V den täglichen Newsdienst und schreibt selber über alles Mögliche in den Kanälen von W&V Online. Sie hat ein Faible für nationale und internationale Kampagnen, Markengeschichten, die "Kreation des Tages" und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.