Mobilcom-Debitel-Mutter :
Freenet kauft sich bei Media-Markt-Mutter Ceconomy ein

Freenet sichert sich den Zugang zu einem wichtigen Vertriebspartner und beteiligt sich an dem Düsseldorfer Unternehmen Ceconomy. 

Text: W&V Redaktion

Der Mobilfunker Mobilcom Debitel vertreibt seine Produkte in den Elektronikmärkten.
Der Mobilfunker Mobilcom Debitel vertreibt seine Produkte in den Elektronikmärkten.

Der Mobilfunkanbieter Freenet hat einen wichtigen Vertriebspartner - die Ketten Media-Markt und Saturn. Jetzt steigt das Büdelsdorfer Unternehmen bei deren Mutter Ceconomy ein. Über eine Kapitalerhöhung sichert sich das TecDax-Unternehmen rund neun Prozent an dem Betreiber der beiden großen Elektronikhändler, wie beide Unternehmen mitteilten.

Experten reagierten jedoch mit Blick auf Freenet skeptisch auf die Nachrichten. Der strategische und finanzielle Nutzen für das Unternehmen halte sich in Grenzen, schrieb Commerzbank-Analystin Heike Pauls. Auch den hohen Kaufpreis bezeichnete ein Börsianer als ungewöhnlich. Denn für die Beteiligung zahlt Freenet mehr, als die Ceconomy-Aktie zuletzt wert war. Pro Aktie legt Freenet 8,50 Euro auf den Tisch, der Schlusskurs hatte im Xetra-Hauptgeschäft am Freitag bei 7,138 Euro gelegen. Freenet-Chef Christoph Vilanek nannte den Preis aber angemessen.

Ähnlich wie Commerzbank-Analystin Pauls hegt auch Goldman-Sachs-Experte Joshua Mills Zweifel an der strategischen Bedeutung des Geschäfts. Freenet ist ein großer Mobilfunkanbieter ohne eigenes Netz, der Leitungen bei den Netzbetreibern Vodafone  und Deutsche Telekom mietet und auf dieser Basis eigene Mobilfunkverträge vertreibt.

Freenet und MediaMarktSaturn verbindet eine langjährige Partnerschaft. Die Freenet-Tochter Mobilcom-Debitel verkauft seit über 25 Jahren in den Elektronikmärkten eigene Mobilfunkverträge. Freenet-Chef Vilanek sprach daher von wichtigen Impulsen sowohl für das Mobilfunkgeschäft als auch für das TV- und Digital-Lifestyle-Business. Mills vermutet hingegen, dass die Kooperation unter Druck stehen könnte und sich Freenet womöglich bei seinem wichtigsten Handelspartner absichern wolle.

Ganz anders die Reaktion und Einschätzung zu den Folgen für Ceconomy. An der Börse sorgte die Nachricht am Montag für steigende Kurse bei den Düsseldorfern. Ceconomy will den Erlös aus der Kapitalerhöhung in Höhe von rund 277 Millionen Euro zur Stärkung der eigenen Bilanz verwenden und damit die eigene Strategie weiter umsetzen. Geld verbrennen derzeit die Problemmärkte Schweden und Russland. Für Russland hat Ceconomy aber eine Lösung gefunden. Das Geschäft geht an die russische Safmar-Gruppe, zu der auch der Ceconomy-Konkurrent M.Video gehört. Zugleich erhält das Unternehmen einen Anteil von 15 Prozent an M.Video und kann so an der Entwicklung des aktuellen russischen Marktführers weiter teilhaben. Zusammen kostet dies den Konzern gut 250 Millionen Euro.

Zur Strategie gehören auch Zukäufe. Analysten erwarten, dass Ceconomy über kurz oder lang seinen Anteil am französischen Händler Fnac Darty aufstockt oder die Erben des verstorbenen Minderheitsaktionärs Erich Kellerhals aus dem Unternehmen herauskauft.

Die Mehrheitsaktionäre Haniel, die Meridian Stiftung, Beisheim sowie der Aufsichtsrat hießen den neuen Großaktionär willkommen, sagte Ceconomy-Vorstandschef Pieter Haas. Abgeschlossen werden soll die Transaktion bis August. (mit dpa)


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