Digital Natives, die morgens zuerst ein Selfie machen, sich dann Selfies von anderen am Morgen ansehen (#wokeuplikethis), bevor sie nachschauen, was für Klamotten derzeit angesagt sind - und das dann posten (#outfitoftheseason), bevor sie ihre vollen Teller fotografieren (#foodporn).

Getreu dem Motto "Weg mit der Wohlfühlblase, her mit der Realität", haben Fritz-Kola und TLGG eben diese genannten Hashtags auf Instagram eingesetzt, um Stories des Berliner Obdachlosen Pierre zu teilen. Und diese verbreiteten Hashtags in einen anderen Kontext setzen. Schlafsacklager am Bahnhof statt Sixpack-Selfie, Raviolidose statt Poke-Bowls.

Dazu gibt es einen Casefilm. Mit Unterstützung der Berliner Stadtmission erklärten sich die Betroffenen Uli, Marucs und Eddie bereit, in kurzen Videointerviews aus ihrem Leben auf der Straße zu berichten.

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Die aktuelle Kampagne wird durch Onlinewerbung mit einem speziellen Targeting ergänzt: Die Clips werden vor jenen Content geschaltet, der die Social Plattformen zu Wohlfühlblasen macht. Also zum Beispiel Bibis Beauty Palace, Sami Slimani, Dagi Bee – "Wer sich in den nächsten Tagen auf diesen Kanälen bewegt, wird auch mit der harten Realität der Straße konfrontiert", kündigt Fritz-Kola an. Dazu kommen digitale Außenwerbeflächen in den größten deutschen Städten an Bahnhöfen.

Die Strategie ist klug - vor allem die Auswahl der Kanäle und Hashtags trifft ins Mark, schaut man sich mit dem Thema Obdachlosigkeit vor Augen die digitalen Eitelkeits-Runways an. Ob die Social-Web-Zielgruppe diese unsanfte Konfrontation mit der Realität goutiert, bleibt abzuwarten. Bei Fritz-Kolas Kernzielgruppe wird die Aktion sicherlich wieder gut ankommen und für weitere Verbreitung im Netz sorgen.

Anna-Sofie Gerth, Leiterin der City-Station der Berliner Stadtmission, begrüßt die Initiative: "Menschen werden angeregt, über ihr Leben nachzudenken und auf den armen Nachbarn vor der Tür zu achten. In was für einem Miteinander wollen wir leben? Im Leben geht es um so viel mehr als nur Hashtags und schöne Bilder."

Für Fritz-Kola ist #nursoamrande kein einmaliges soziales Projekt. Mit "Pfand gehört daneben" wollen sie dafür sorgen, Menschen, die am Existenzminimum leben, das Leben zu erleichtern. Die Kampagne "Aufmerksamkeit schenken" warb vor Weihnachten für Unterstützung von Hilfsorganisationen. Fritz-Kola unterstützt die Berliner Stadtmission, die der Kampagne beratend zur Seite stand, mit einem Spendenbeitrag.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.