Geschrieben wurde das Stück mit dem zur Corona-Krise passenden ”Geisterstadt“-Titel von Jagger/Richards, dem seit fast 60 Jahren in Harmonie und Streit bewährten Songwriter-Duo der Stones. Teile des Liedes seien aber ”bereits vor dem weltweiten Lockdown in London und Los Angeles aufgenommen worden“, erklärte die Plattenfirma. ”In der Quarantäne entschied sich die Band, ”Living In A Ghost Town“ zu finalisieren und nun schließlich zu veröffentlichen.“

Die ersten Reaktionen am Freitag: meist positiv. ”Sie können es noch“, jubelte ein Twitter-Nutzer stellvertretend für viele. Und der britische ”Guardian“ bilanzierte: ”Ihr bester, relevantester Song seit vielen Jahren.“

Ein neues Lied, gar ein nun anvisiertes neues Album der Rolling Stones: Das ist für die Musikwelt immer noch - und angesichts des Alters der vier Herren erst recht - eine große Sache. Die Band, 1962 in Großbritannien gegründet, gilt mit insgesamt gut 300 Lebensjahren als beständigste Studio- und Live-Gruppe der Rockgeschichte.

Zahllose Welthits wie ”(I Can't Get No) Satisfaction“, ”Let's Spend The Night Together“, ”Honky Tonk Women“ und ”Miss You“ säumen den langen Karriereweg der Stones. Tonträgerverkäufe in dreistelliger Millionenhöhe und Grammy-Ehrungen, aber auch Konflikte und Skandale sind Teil der Band-Legende. Zuletzt hatte das Quartett Ende 2016 ”Blue & Lonesome“ herausgebracht, das ausschließlich Cover-Versionen enthielt. Die als glaubwürdige Rückkehr zu den Wurzeln gefeierte Platte bekam einen Grammy als bestes traditionelles Bluesalbum.

Jagger, der bei Konzerten immer noch unermüdlich über die Bühne fegt (”Mick Jogger“), hatte den Fans im vorigen Jahr allerdings Sorgen gemacht: Ende März 2019 musste er Auftritte absagen, um sich am Herzen operieren zu lassen. In einem Interview nach dem Eingriff betonte er dann, dass es ihm wieder ”sehr gut“ gehe.

Mit einem kanadischen Sender sprach er unter anderem über die Arbeit mit seiner Band: ”Wir haben in den letzten Wochen viel geprobt.“ Sechs Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt lud Jagger ein Video hoch - es zeigte ihn tanzend in einem Studio. Angesichts von ”Living In A Ghost Town“ wird das Bild klarer - die Stones sind wieder voll da.

Der Song ist nicht die erste Überraschung, die Rock-Veteranen ihren Verehrern in der Krise bereiten: Auch der lange mit eigenem Material geizende König der Songpoeten, Bob Dylan (78), brachte kürzlich mit ”Murder Most Foul“ und ”I Contain Multitudes“ neue Stücke heraus.

Werner Herpell, dpa

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