Die Ethikbank hat ihre Kunden befragt, weshalb sie kommen: Wegen der Anlagekriterien und mit dem Wunsch, Investitionen zu fördern, die dem eigenen Lebensstil entsprechen. "Für 27 Prozent ist dies der ausschlaggebende Grund, ein Konto bei der Ethikbank zu eröffnen." Interessant: "Das bewusste Abwenden von normalen Banken spielt für acht Prozent der Kunden eine entscheidende Rolle", teilt die Bank mit. Die Finanzkrise, da sind sich Schröder und Lützel einig, sei aber kein Thema mehr.

Und es wäre noch mehr drin: "Die Zahl der Verbraucher in Deutschland, die sich für nachhaltige Bankprodukte interessieren, wird von der Managementberatung ZEB auf über sechs Millionen geschätzt", sagt Horst Popp, Vorstandsvorsitzender und Gründer der Umweltbank. Doch viele Kunden wissen gar nicht, dass ihr Geld ökologisch und moralisch arbeiten könnte. Für Werbung haben die alternativen Banken aber wenig Budget - was natürlich zum Image (der ethischen Banken wie der Werbung) passt. Die Ethikbank schaltet ihre Kampagne "Faires Geld" auf Anzeigen und verteilt Postkarten-Sets (Agentur: Sehstern, Berlin). Die GLS ist in speziellen Magazin-Titeln, an Bahnhöfen und in Zugfahrplänen vertreten. Die Motive der aktuellen Tierkampagne stammen von Panama, Stuttgart. Triodos hat jüngst einen Image-Film lanciert und schaltet Anzeigen (Agentur:Kontext, Kommunikation, Heidelberg). Die Umweltbank, Nürnberg, spielt alle Medien und setzt Schwerpunkte auf Anzeigen und Beilagen in Special-Interest-Titeln zum Thema Umwelt. Die Motive entstehen inhouse bei der Umweltkontakt GmbH.

Die größere Rolle spielt jedoch die Pressearbeit: Hier gebe es jeden Tag die Chance, ein paar Hunderttausend Menschen zu erreichen, so die Schätzung von Christof Lützel. Außerdem bringe Mundpropaganda viel. Denn eine große Hürde müssen die grünen wie alle anderen Banken überwinden im Neukundengeschäft: Die meisten Menschen wechseln ihre Bank nicht gern, es geht um Vertrauen, gute Erfahrungen und sensible Daten. In dem Geschäft ist eine Empfehlung aus dem Freundeskreis manchmal mehr wert als ein dickes Mediavolumen.

Hintergrund: Grüne Fonds
Das Volumen für nachhaltige Geldanlagen ist noch erheblich größer als der Anteil der alternativen Banken; auch traditionelle Banken wittern Rendite im Grünen und bieten entsprechende Fonds an. Darüber, ob das die Geldgeschäfte mit weniger ethischen Projekte ausgleichen kann oder hier lediglich Schönfärberei betrieben wird, ließe sich trefflich streiten. Triodos-Sprecherin Stefanie Erhardt: Wir begrüßen es grundsätzlich, wenn sich auch traditionelle Banken Richtung Nachhaltigkeit bewegen." Dennoch müsse der Verbraucher genau hinschauen, weil es alles gebe, vom nachhaltigen Angebot bis hin zum "Greenwashing".
Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) untersucht jährlich den Anlagemarkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2009 erreicht er einen Höchststand (Zahlen für 2010 liegen noch nicht vor). Nachhaltige Anlagen hatten, abgesehen vom Krisenjahr 2008, stetig zugelegt, am deutlichsten 2007 (von sechs Milliarden Euro 2006 auf 11,1 Mrd. 2007). 2009, so die Studie, "betrug das Volumen der nachhaltigen Anlagen in Deutschland insgesamt knapp 13 Milliarden Euro". Das Wachstum fällt wegen des Vergleichs mit dem Dellenjahr 2008 mit 68 Prozent sehr deutlich aus, aber "in Relation zum Mainstream-Markt weitaus dynamischer": Der wuchs von 2008 auf das wieder stabile 2009 um lediglich 13 Prozent.



Susanne Herrmann
Autor: Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.