Social Media :
H&M wird für Model mit Kopftuch gefeiert

Es ist nur ein kurzer Moment in dem Spot der aktuellen Kampagne "Close the Loop", aber die zwei Sekunden bringen der Modekette H&M viel Applaus in den sozialen Netzwerken. Denn erstmals wirbt der Modekonzern mit einer muslimischen Frau, die Kopftuch trägt.

Text: Frauke Schobelt

30. Sep. 2015 - 4 Kommentare

Es ist nur ein kurzer Moment in dem Spot der aktuellen Kampagne "Close the Loop", aber die zwei Sekunden bringen der Modekette H&M viel Lob und Applaus in den sozialen Netzwerken. Denn zu sehen ist nicht nur Altrocker Iggy Pop und jede Menge andere Typen, mit denen H&M für Fashion-Vielfalt wirbt. Sondern auch ein Model mit Kopftuch - eine Premiere für den schwedischen Modekonzern.

Der Spot bewirbt die neue Recycling-Jeanskollektion "Close the loop". Kunden werden aufgefordert, dafür gebrauchte Kleidung in die Läden zu bringen. H&M wollte sich damit als nachhaltige Marke präsentieren. Für mehr Aufmerksamkeit sorgt aber nun das Model - eine junge Frau mit Sonnenbrille, Nasenring und einem Kopftuch, dem Hidschab. Als sie im Spot erscheint, sagt die Stimme im Hintergrund: "Sei schick".

Ein Kopftuch als schickes Mode-Accessoire - das gab es bisher nicht in der Werbung eines westlichen Konzerns. Denn im Westen bewerten viele das Tragen eines Kopftuchs eher als Zeichen für die Unterdrückung von Frauen. Umso stärker ist die Wirkung eines solchen Statements von einer globalen Marke, immerhin ist H&M weltweit nach der Inditex-Gruppe der zweitgrößte Modehändler. 

Das Model aus dem Video, die 23-jährige Mariah Idrissi aus Großbritannien, war nach eigenen Angaben zunächst selbst skeptisch, als sie für H&M gecastet wurde. So berichtet es die Britin mit Eltern aus Pakistan und Marokko dem Portal "Fusion.net". Schließlich trage sie seit ihrem 17. Lebensjahr immer einen Hidschab, damit wirbt sie auch auf Instagram. Doch H&M wollte sie und habe sie beim Shooting "sehr respektvoll" behandelt. Die Kampagne bezeichnet Idrissi als "großen Erfolg", sie werde von Zuschriften junger Frauen förmlich "bombadiert". Die meisten wollen wissen, wie sie ihr Kopftuch binde. Muslimische Mode erlebe in der westlichen Welt einen "Boom", sagt die junge Frau. Muslimische Frauen fühlten sich von der H&M-Kampagne ernstgenommen. Entsprechend positiv reagieren viele im Netz, auch Medien wie der "Guardian" loben die Kampagne als wichtigen Beitrag für Vielfalt und "religiöse Freiheit" in Großbritannien.

Ob H&M nun diesen großen Mode-Markt für sich entdeckt, ist offen. Auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung", ob der Moderiese künftig in seinen Läden auch Kopftücher verkauft, äußerte sich das Unternehmen nicht. 


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



4 Kommentare

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Anonymous User 6. Oktober 2015

There is no rule in fashion. Eigentlich stimmts und eigentlich toll. Wenn nur nicht die kleiderrules der konservativen
muslimische Frauen wären, denn für die gibt es leider auch in 2015 noch rules. Entweder nur der Kopf bedeckt oder der gesamte Körper...oh and thats not chic, thats medival.......Ich frage mich, wie lange sich die Frauen dies noch gefallen lassen.......man kann es nicht begreifen.

Anonymous User 1. Oktober 2015

Angesichts der politischen Lage finde ich es sehr befremdlich, gerade jetzt mit dem Islam zu Werben. :-(

Anonymous User 1. Oktober 2015

sag mal glaubst du echt noch an stp?? es geht hier um co-creation und dass du gefälligst deine klamotten recyclest. nicht um extravaganz.

Anonymous User 30. September 2015

Die angebliche Überraschung geht in der Menge unter, genauso als würde man in einem Feuerwerk nach farbenfrohen Funken suchen. Wir sehen in diesem Video die Aufforderung zur Extravaganz, wie kann man dann einzelne Subjekte herausfiltern und sie als USP markern?

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