Bereits im Frühjahr hatte Edeka zusammen mit europäischen Verbündeten wie Intermarché und Coop Schweiz monatelang mit dem Schweizer Lebensmittelriesen Nestlé über Konditionen gestritten und zeitweise fast 200 Produkte des Herstellers boykottiert. Dabei habe das Händlerbündnis dem Schweizer Giganten deutlich verbesserte Bedingungen abgerungen, berichtete die "Lebensmittel Zeitung".

Gerade erst einigte sich dasselbe Händlerbündnis nach harten Konflikten mit Red Bull, Kellogg's und Heineken über die künftigen Lieferkonditionen, wie Edeka am Freitag mitteilte. Ein Streit mit dem Süßwarenhersteller Mars, der ebenfalls mit Bestellstopps ausgetragen wird, schwelt derweil nach Angaben der "Lebensmittel Zeitung" weiter.

Kaufland hebt den De-facto-Abbruch der Geschäftsbeziehungen zu einem der größten Konsumgüter-Hersteller der Welt noch einmal auf ein neues Level. Dabei teilt der Händler, der in den vergangenen Monaten bereits zahlreiche Unilever-Produkte auslistete, noch einmal kräftig aus. Eine Analyse der Marktdaten habe ergeben, "dass Unilever-Produkte eine hohe Austauschbarkeit aufweisen und die Kunden sich bereits darauf eingestellt haben", begründete Kaufland dies.

In den Augen von Kaufland ist es ein Akt der Selbstverteidigung: Unilever versuche, seine Marktposition zu nutzen, um die eigenen Erträge noch weiter zu erhöhen - und habe von Kaufland drastische Preiserhöhungen gefordert. Hätte Kaufland dies akzeptiert, hätte das nach seinen Angaben zu "erheblichen Erhöhungen der Verkaufspreise geführt, die über marktübliche Preise hinausgegangen wären".

Unilever kommentierte die Vorgänge zunächst nicht. Die "Lebensmittel Zeitung" berichtete aber unter Berufung auf informierte Kreise, dass das Unternehmen den Bruch in Kauf genommen habe, weil der Händler in Deutschland nicht mehr die Wachstumsraten früherer Jahre aufweise, aber trotzdem jedes Jahr bessere Konditionen einfordere. Das habe ihn zu einem teuren Kunden gemacht.

Erich Reimann, dpa


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