#Schießbefehl :
Hat die AfD einen Kreativpreis verdient?

Achtung, Satire! Blogger Schlecky Silberstein sieht #Schießbefehl als heißen Anwärter auf ADC-Nägel und Cannes-Löwen. Dafür hat er sogar einen Case-Film angefertigt.

Text: Susanne Herrmann

- 8 Kommentare

Achtung, Satire! Blogger Schlecky Silberstein sieht #Schießbefehl der AfD als heißen Anwärter auf ADC-Nägel und Cannes-Löwen. Dafür hat er sogar einen Case-Film angefertigt. Denn die Aktion gehöre, so Silberstein, der im wahren Leben Christian Brandes heißt und einst Texter bei S&F war, "zu den progressivsten Formen der politischen Kommunikation ..., die uns in letzter Zeit unter die Augen gekommen ist". Die übrigen Parteien dagegen würden anlässlich der so wichtigen Landtagswahlen mit Plakaten, Luftballons und Kugelschreibern werben - die keinen interessieren und viel Geld kosten.

Die AfD nun kontere das mit einer Idee, meint Schlecky Silberstein. Der Idee, an den Grenzen notfalls auch zu schießen. Denn das ging durch die Sozialen Medien wie ein Lauffeuer, die Medien sprangen auf. "Mediaspendings: 0 Euro", resümiert der Satireblogger trocken.

Bei aller Ironie, die man dem Film getrost attestieren darf, steckt natürlich leider ein Fünkchen Wahrheit drin. Denn mit drastischen und populistischen Aussagen gelingt es der "Alternative für Deutschland" tatsächlich, sich im Gespräch zu halten - und die etablierten Parteien zur Reaktion zu zwingen. Ob man das gutheißt, steht auf einem anderen Blatt. Hinsichtlich des Kommunikationsgeschicks ist das aber tatsächlich ein Fallbeispiel für Effizienz. Ob es zum Nagel und Löwen auch noch einen GWA-Effie geben wird?


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



8 Kommentare

Kommentieren

Anonymous User 3. Februar 2016

Klar hat die AfD einen Kreativpreis verdient – und dabei hat der schlaue Schlecky bei seiner Werbewirkungsberechnung noch gar nicht das Clickbaiting durch die zahlreichen Petryversteher und Storch-Trolle in Foren wie diesem mit eingepreist!

Anonymous User 3. Februar 2016

@ von C. Sperber - als Antwort: Iich habe denm comments von "Schlecklassnach" nichts hinzuzufügen, er trifft den Nagel auf den Kopf (Merci). Halt umfassend informieren und zitieren und nicht verkürzt - nur so kommt man zu einer differenzierten Bewertung, was alles so um uns läuft.

Anonymous User 3. Februar 2016

Liebe Leute,
bleibt doch bitte cool. Ich bin kein Fan der AfD, sondern ein Fan der politischen Differenzierung. Diese Schießbefehl-Affäre (von mir aus auch mit Hashtag, dann ist es so stylish, gell?) begann mit dem manipulativen Petry-Interview des Mannheimer Morgens, dies ist auch Schleckys Ansatzpunkt im Video, ab 45. sec, darauf bezieht er sich, damit begann überhaupt erst #schiessbefehl. Das ist Fakt. Daraufhin gab es einen medialen Empörungssturm (bitte selber googeln, z. B. "Petry will auf Flüchtlinge schießen lassen"), der leider nur den Braunen nützt, weil die Manipulation und die Verweigerung der Anerkennung einer ganz normalen Antwort von Frauke Petry offensichtlich sind. Die Antwort von v. Storch war da nur noch eine weitere hysterisch mediale Überdrehung, vereinfacht gesagt eine total dämliche Antwort auf eine ziemlich absurde, weil tendenziöse Facebook-Frage. Grenzen werden nun mal weltweit mit Waffen gesichert, sonst sind sie nicht gesichert - auch wenn diese Erkenntnis manchen Bullerbü-Pazifisten verschrecken mag.

Also viel Lärm um nix - doch das offensichtliche Verbiegen der Wahrheit nützt nur den Braunen. Ich würde mir eine offene Diskussion wünschen, nicht immer diese moralischen Selbsterhöhungen. Aber, Hauptsache, das eigene Weltbild wurde mal wieder poliert.

Peace & Shalom.

@ Steffi Winter: Keine Sorge, der gigantische Aufwand hielt sich in Grenzen, dank dieser verrückten Copy-Paste-Technologie. Ich hoffe, du hast das Interview auch gelesen.

@ Torben A (krasser Name): Ab 1.40 min sehe ich eigentlich nur Frauke Petry. Du nicht? Das Ending des Spots mit "Spinnerbande" ist dann wohl auch ein lustiges Stilmittel werbeintellektueller Satiriker, nicht aber ein niveauloses Herabwürdigen eines demokratisch legitimierten Gegners, oder? Das genaue meine ich mit fehlender Differenzierung.

Anonymous User 3. Februar 2016

@Ahnbeck: Warum schreiben Sie über ein "Interview im Mannheimer Morgen"? Im Beitrag von Schlecky Silberstein geht es ganz eindeutig um einen Facebook-Post, siehe Video ab ca. Minute 1:00.

Anonymous User 3. Februar 2016

Lieber Schlecklassnach, bitte wende Deinen Ratschlag "Erst informieren, dann denken, dann schreiben" doch erst einmal auf Deine eigenen Beiträge an, bevor Du andere Menschen ungefragt – und auf Basis falscher Tatsachen –maßregelst. Denn wenn Du Dich über den Artikelinhalt informiert hättest, wüsstest Du, dass es im Artikel um Frau von Storch und nicht um die von Dir ellenlang zitierte Frau Petry geht. Auch in den Bildern und Videos zum Artikel ist Frau von Storch statt Frau Petry zu sehen (die beiden müsstest doch gerade Du unterscheiden können). Also nochmals aus gegebenem Anlass, lieber anonymer Kommentator Schlecklassnach: "Erst informieren, dann denken, dann schreiben".

Anonymous User 3. Februar 2016

@Schlecklassnach: Sie betreiben gigantische 2100 Zeichen Aufwand, um vom Thema abzulenken. Es geht im Beitrag nicht um Frau Petry. Es geht um den Facebook-Post von Frau Storch, in dem sie auf die Frage von Hans W. "Wollt Ihr Frauen und Kindern an der grünen Grenze mit Waffengewalt den Zutritt verhindern?" mit "JA" antwortet.

Womit wieder einmal bewiesen wäre: Nicht die angebliche "Lügenpresse", sondern die AfD-Fans sind die wahren Manipulateure.

Anonymous User 3. Februar 2016

Volle Zustimmung für Ahnbeck.

@Schlecky: Erst informieren, dann denken, dann schreiben - und nicht immer alles glauben, was in Bild steht.

Damit sich jeder selbst ein Bild von den "ungeheuerlichen", "menschenverachtenden" Bemerkungen Frauke Petrys ein Bild machen kann, hier das Interview im Mannheimer Morgen im Wortlaut:

Frau Petry, Sie fordern, an den Grenzen "wieder Recht und Ordnung herzustellen". Was heißt das?

Frauke Petry: Wir brauchen umfassende Kontrollen, damit nicht weiter so viele unregistrierte Flüchtlinge über Österreich einreisen können.

Die Grenze zu Österreich ist mehr als 800 Kilometer lang. Wie wollen Sie die durchgängig kontrollieren?

Petry: Ich weiß genau, dass Sie mich zur Schlagzeile "Petry will Grenzzäune errichten" provozieren wollen.

Wir wollen nur wissen, wie Ihr Plan aussieht. Wie sieht er aus?

Petry: Wir müssen natürlich genügend Bundespolizisten einsetzen und dürfen Zurückweisungen nicht scheuen. Dies muss notfalls auch mit Grenzsicherungsanlagen durchgesetzt werden.

Wie hoch sollen die Zäune sein?

Petry: Sie können es nicht lassen! Schauen Sie doch mal nach Spanien. Die haben auch hohe Zäune.

Was passiert, wenn ein Flüchtling über den Zaun klettert?

Petry: Dann muss die Polizei den Flüchtling daran hindern, dass er deutschen Boden betritt.

Und wenn er es trotzdem tut?

Petry: Sie wollen mich schon wieder in eine bestimmte Richtung treiben.

Noch mal: Wie soll ein Grenzpolizist in diesem Fall reagieren?

Petry: Er muss den illegalen Grenzübertritt verhindern, notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz.

Es gibt in Deutschland ein Gesetz, das einen Schießbefehl an den Grenzen enthält?

Petry: Ich habe das Wort Schießbefehl nicht benutzt. Kein Polizist will auf einen Flüchtling schießen. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt. Entscheidend ist, dass wir es so weit nicht kommen lassen und über Abkommen mit Österreich und Kontrollen an EU-Außengrenzen den Flüchtlingszustrom bremsen.

Das ganze Interview hier:

http://www.morgenweb.de/nachrichten/politik/sie-konnen-es-nicht-lassen-1.2620328

Anonymous User 3. Februar 2016

... und jeder folgt dieser Sensationsmeldung und macht daraus eine noch dollere Story, offensichtlich ohne sich einmal das Interview im Mannheimer Morgen mit seiner manipulativen Methode angesehen zu haben. Das ist wirklich stupid. Und die etablierten Politiker nutzen es freudig, um sich darüber zu profilieren. Merken die eigentlich gar nicht, wie sie sich damit geradezu lächerlich machen? Da die Manipulation und Meinungsmache in dieserm Fall doch offensichtlich ist? Egal wie man nun zur AfD steht, das, was in diesem Fall ablief, ist ein Paradestück, wie hier versucht wird, die Wähler zu manipulieren. Die sind aber nicht doof, und leider wird diese Unglaubwürdigkeitsposse der Etablierten den rechtsextremen Druck verstärken.

Diskutieren Sie mit