Recruiting :
Heineken-Spot: Härtetest für Praktikanten

Auf die immergleichen Standard-Antworten in Bewerbungsgesprächen hatte Heineken keine Lust mehr. Der neue Praktikant musste deshalb zuerst einen ungewöhnlichen Kandidatentest, eine Social-Media-Wahl und das große Finale im Juventus-Stadion überstehen.

Text: Frauke Schobelt

- 9 Kommentare

Darauf hatten die Personalverantwortlichen bei Heineken keine Lust mehr: Die immergleichen Standard-Antworten und Phrasen in immergleichen Bewerbungsgesprächen. Deshalb lief es diesmal völlig anders, als eine Praktikumsstelle in der Event- und Sponsoring-Abteilung zu besetzen war: Um unter den 1734 Bewerbern den geeigneten Kandidaten für den Job zu finden, unterzog die Brauerei die Bewerber einem ungewöhnlichen - und auch ziemlich fiesen Test - auf den man sich einfach nicht vorbereiten konnte. Und der in einer Auslese via Social Media und in einem großen Showdown im Fußball-Stadion von Sponsorpartner Juventus gipfelte.

Es fängt schon gut an: Normalerweise schüttelt man sich die Hand zur Begrüßung. Aber was ist, wenn der andere - von dem man sich immerhin einen Job erhofft - die Hand einfach nicht mehr loslässt? Und man Hand in Hand ins Personalbüro schlendert? Da geht schon mal das erste Stück Coolness flöten. Die hektischen roten Flecken auf den Wangen vertiefen sich, als der Gesprächspartner "ohnmächtig" vom Stuhl gleitet und jetzt Erste Hilfe gefragt ist. Ob es eine gute Idee ist, über das Gehalt zu verhandeln, wenn der andere noch am Boden liegt? Und wer hilft der Feuerwehr, die noch eine helfende Hand beim Sprungtuch sucht? Wie? Feuerwehr?

Der stressige Parcour - der Schlagfertigkeit, Belastbarkeit und Teamgeist testete - verwirrte sichtlich die Bewerber. Und davon lebt auch der Film: Man leidet mit und fragt sich ständig, wie man selber reagieren würde in so einer ungewöhnlichen Situation. Und ob Heineken seine Praktikanten auch anständig bezahlt, damit sich dieser ganze Stress lohnt. Die drei Favoriten mussten sich ja auch noch einem internen Social Media-Voting der Heineken-Mitarbeiter stellen.

Immerhin: Auf den sympathischen "Sieger" wartete ein großer Showdown vor toller Kulisse im Fußball-Stadion und ein sehr warmer Empfang bei seinem neuen Arbeitgeber. Es bleibt nur zu hoffen, dass Heineken nach dieser aufwändigen Auslese dem Bewerber auch nach dem Praktikum eine richtige Perspektive bietet. Und ihn nicht nur für einen Marketing-Gag missbraucht.   


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



9 Kommentare

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Anonymous User 9. März 2013

Anscheinend haben hier ein paar nicht den Knall gehört. Hier geht es um Employer Branding, Viral Marketing um die Marke Heineken positiv aufzuladen. Bei der Zielgruppe hat sich das Video sicher schnell verbreitet und die Marke als Arbeitgeber bekannt gemacht.

Warum hier das Herdentier und nicht die Herde einmal Hauptdarsteller spielen darf verstehe ich auch nicht und macht hier auch null Sinn. Es gibt nix langweiligeres als einen zugeknöpften CEO über die Tradition von Heineken säuseln zu hören mit emotionalen Einstellungen in irgendeinem Bürogebäude.
Gähn.

Anonymous User 23. Februar 2013

Ein gutes Beispiel dafür das Bewerbungsprozesse durch die Bemühungen Authentizität herzustellen immer künstlicher werden. Andererseits natürlich ein unterhaltsamer Werbespot, was wohl das Hauptanliegen dabei war.

Anonymous User 22. Februar 2013

Solche Aktionen werden vielleicht von einigen aus dem heraus empfunden, was der Auswahlzirkus manchmal aufführt.

Assessment-Center ist mir schon zu viel. Das einzige, was bei sowas meistens "gemessen" wird ist, wer die gängigen Ratgeber gelesen oder bei Kursen an seiner Uni schon entsprechend geübt hat.

Ware Könige unter den Personalern legen Absolventen dann den IST70 oder Ähnliches vor und wollen hinterher sogar Feedback geben.

So eine Steigerung für einen Praktikumsplatz reizt dann die Leidtragenden, die sich sowas anschauen eventuell.

Anonymous User 22. Februar 2013

Klasse Aktion? Ja. ABER ich bitte Sie: Lohnt sich solch ein Aufwand für einen Praktikanten/eine Praktikantin? Was hat die Aktion wohl gekostet – und was bringt der Praktikant ein? Nur mal so im Sinne eines ROI ... Er bringt (die vorgeplante) mediale Aufmerksamkeit und die gibt es nur mit einer kommunikativen Ausschlachtung. Und sorry, liebe Bewerber und Bewerberinnen: die geht dann doch voll auf ihre Kosten! … Wenn man so eine Aktion schon machen muss, dann sehe ich es wie der erste Kommentator Christian Métrailler: Für einen CEO? Ja klar! Der repräsentiert ja das Unternehmen, der begeistert die Mitarbeiter (sollte zumindest) usw. ……In einer Welt, in der alles vorgekaut wird und alle nur noch Spaß haben wollen wird selbst das Bewerbungsgespräch zum Erlebnis-Konsum. Spaß gibt es nur auf Kosten anderer. Ich bin der Meinung: der richtige Mann/die richtige Frau ist der/diejenige, der/die VON SICH AUS den Arsch hochkriegt und SICH was einfallen lässt! Übernehmt als nicht als Unternehmen die Verantwortung und fangt nicht an die Leute zu pampern - Eigeninitiative und Selbstverantwortung soll man fördern, aber man muss es nicht provozieren.

Anonymous User 22. Februar 2013

Ich hatte absolutes Gänsehaut-Feeling. Wahnsinnsaktion!! Und wenn man so etwas durchmachen muss um einen Praktikumsplatz zu bekommen, sollte es bestimmt auch tolle Jobaussichten vorhanden sein. Dickes Daumen-hoch!!

Anonymous User 21. Februar 2013

Sehr geehrter Herr Mueller,

ich kann ihre Anmerkung in Bezug auf die Generation Praktikum sehr gut nachvollziehen. Ich fuehle mich in keinster Weise gedemuetigt und war begeistert von der Kreativitaet und Neuartigkeit dieses Marketingvideos.

Falls Sie irgendwelche Fragen oder Zweifel haben sollten bin ich gerne bereite ihnen Antwort zu leisten.

Anonymous User 21. Februar 2013

1700 Bewerber auf eine Stelle als Praktikant (!). Da kann sich das Unternehmen natürlich so einen Unsinn erlauben. Und die Generation Praktikum bedankt sich noch artig nach der Demütigung. Gott sei Dank bin ich kein Werber und kann mir wenigstens noch etwas (wenn auch begrenzt) Rückgrat erlauben.

Anonymous User 21. Februar 2013

ich bin sicher, dass heineken nach der devise "walk-the-talk" handelt. klasse idee, tolle umsetzung, und das beste;... der bub "fliegt"...immer noch....

Anonymous User 21. Februar 2013

Absolutely love it! Evaluating the real person on the basis of natural impulse, instinctive response, and caring heart...(so, the guy collapses, what do you do?....run out the door and let him die of course). Job interviews for CEOs should be like that, and the world would be a better place eh? :o))

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