Nielsen-Studie :
Hoffnung für den Handel

Die Kunden entscheiden je nach Produkt, ob sie es online kaufen oder im Laden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Nielsen-Untersuchung.

Text: W&V Redaktion

Nina Gemkow, Nielsen
Nina Gemkow, Nielsen

Die Kunden entscheiden je nach Produkt, ob sie es online kaufen oder im Laden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Nielsen-Untersuchung. So kaufen die Deutschen haltbare Produkte und Dienstleistungen lieber im Internet, frische Produkte und Getränke lieber im Geschäft vor Ort. Das bedeutet, der Lebensmittelversand hat einen schweren Stand. Genauso häufig online wie im Laden gekauft werden dagegen Unterhaltungselektronik und Medikamente.

Die Deutschen liegen dabei oft unter dem Durchschnitt europäischer Onlineeinkäufe. Die Studie "Connected Commerce" ergab: Vor allem Reisen (Deutsche Nutzer: 53%, Europa: 67%) werden gern im Netz gebucht. Es folgen Internetkäufe von Veranstaltungstickets (50%, Europa 57%) und Videospielen (50%, Europa 56%).

So überschneiden sich Onlinehandel und stationärer. (Nielsen)

So überschneiden sich Onlinehandel und stationärer. (Nielsen)

Die Nase vorn haben die Deutschen beim Klamottenkauf im Internet sowie bei Büchern und Elektrogeräten: 68 Prozent der Deutschen geben an, dass sie schon mindestens einmal Kleidung im Internet gekauft haben (Europa 52%). Auf Platz zwei folgen Bücher, Musik und Schreibwaren mit 66 Prozent (Europa 49%) und Unterhaltungselektronik mit 48 Prozent (Europa 38%). Nina Gemkow, E-Commerce-Expertin und Director Consumer & Shopper bei Nielsen Deutschland: "Es fällt auf, dass diese Werte sogar über dem europäischen Durchschnitt liegen. Bei Waren des täglichen Gebrauchs hat sich der Online-Kauf hingegen noch nicht im selben Maß durchgesetzt. Grund dafür ist unter anderem auch die vergleichsweise hohe Geschäftsdichte in Deutschland. Der Anreiz online zu kaufen ist für die meisten noch relativ gering, wenn der nächste stationäre Händler direkt nebenan zu finden ist."

Essen & Trinken kommt aus dem Supermarkt nebenan

Vor Ort im Geschäft kaufen die Deutschen hingegen am häufigsten verpackte Lebensmittel, frische Lebensmittel sowie Wein und Getränke. Der Anteil der Verbraucher, der diese Produkte überwiegend online einkauft, ist sehr gering. Häufiger wird eine Kombination aus Online- und Offline-Käufen bevorzugt. "Wir beobachten jedoch, dass auch der Onlinekauf von Lebensmitteln immer beliebter wird und die klassischen Supermärkte sowie Pure Player wie Amazon ihre Aktivitäten verstärken", sagt Gemkow.

Unabhängig davon, ob die Verbraucher offline oder online kaufen: Der Einsatz von digitalen Hilfsmitteln im Einkaufsalltag wird immer vielfältiger. Jeder zehnte Deutsche nutzt bereits Online-Coupons (12%, Europa 13%) und fast jeder zweite kann sich vorstellen, dies künftig zu tun (46%, Europa 60%).

Auch wenn bislang nur fünf Prozent der Deutschen online bestellen, um das Produkt im Geschäft abzuholen (Europa 11%) können es sich bereits 36 Prozent hierzulande vorstellen (Europa 50%). Ebenfalls fünf Prozent nutzen Online-Einkaufszettel und fast die Hälfte kann sich dies für die Zukunft vorstellen (41%, Europa 56%).

Neue Formen des Lebensmitteleinkaufs

Der Onlinehandel lässt aber nicht locker, was die Bestellung von Lebensmitteln angeht. "Koch-Pakete sind ein gutes Beispiel dafür, dass sich analoge Themen wie die Auswahl bestimmter Lebensmittel für ein Gericht in die digitale Welt verlagern können. Dadurch entwickeln sich ganz neue Handels- und Geschäftsformen. Die Zutaten werden inklusive Rezept direkt nach Hause geliefert", so Nina Gemkow. "Restaurant-Lieferdienste und Koch-Pakete treffen den Nerv der Verbraucher, die auf der Suche nach praktischen und individuellen Lösungen sind und nicht nur Zeit sparen, sondern auch am besten zum persönlichen Lebensstil passen. Das geht mittlerweile weit über den klassischen Pizza-Lieferdienst hinaus." Bereits jeder zehnte deutsche Verbraucher gibt an (9%), dass er Koch-Pakete oder Restaurant-Lieferungen online bestellt hat (Europa 19%).

In 63 Ländern weltweit hat Nielsen untersucht, wie die Verbraucher zum Online- und Offline-Kauf stehen, welche Produkte sie auf welchem Kanal kaufen und wie sie sich darüber informieren. Zudem zeigt die Studie, welche digitalen Technologien die Verbraucher beim Einkauf bereits verwenden.


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W&V Redaktion
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