Augmented-Reality-Game :
Hype um Nintendo: Pokémon Go überholt Tinder

Höhere Popularität als Tinder, qualmende Server und eine deutlich längere Nutzungsdauer als Snapchat. Das neue Smartphone-Game Pokémon Go schlägt ein wie eine Bombe.

Text: Markus Schmelzer

Erwischt: Dem Pikachu geht es nun auch in der realen Welt an den Kragen.
Erwischt: Dem Pikachu geht es nun auch in der realen Welt an den Kragen.

Durch das hohe Gras laufen, mit Pikachu alle Arenaleiter besiegen und Pokémon-Meister werden - und das alles im Real Life. Bis vor einigen Tagen war das nur ein Traum für viele Fans des Klassikers Pokémon. Doch der Spieleentwickler Niantic und die Pokémon Company haben ihn nun Wirklichkeit werden lassen. Mit Pokémon Go erschufen sie das erste massentaugliche Augmented-Reality-Game der Extraklasse für das Smartphone. 

Um Pokémon zu fangen muss der Spieler sich in der echten Welt bewegen. Unterstützt wird das durch GPS-Tracking. Durch In-App-Benachrichtigungen bekommt man einen Alarm, falls eines der 150 Taschen-Monster in der Nähe ist. Damit man hier nicht die Übersicht verliert, wird man mit einem sogenannten "Pokédex", eine Art Lexikon für Pokémon, ausgestattet. Die App ist mit der Smartphone-Kamera verbunden. Dadurch sieht es dann tatsächlich so aus, als würde die Spielfigur vor einem stehen. Innerhalb kürzester Zeit nach dem Launch sprengte die Userzahl die Serverkapazität. Ein Trailer schürt den Hype zudem an.

Das Spielprinzip ist leicht erklärt: Als frisch gebackener Trainer beginnt man Pokémon zu fangen und zu trainieren. Die kleinen Monster lässt man dann in taktisch ausgeklügelten Kämpfen gegeneinander antreten. An "Pokéstops"kann der Spieler Items kaufen, mit denen das Leveln erleichtert wird. Diese Stops sollen sich an besonderen Orten wie Sehenswürdigkeiten befinden. Bezahlt wird mit Pokémünzen. Die Währung kann als In-App-Kauf gegen echtes Geld eingetauscht werden. Damit man nicht immer auf den Bildschirm schauen muss, kann man für etwa 50 Euro ein Pokémon-Go-Plus-Armband kaufen. Das vibriert sofort los, wenn neue Pokémon in der Nähe sind.

Der Status von Glurak, einem Feuer-Pokémon, in der App

Pokémon Go wurde am 6. Juli 2016 in Neuseeland und Australien veröffentlicht. Am nächsten Tag konnten auch die "Pokémaniacs" in Nordamerika loslegen. Ursprünglich sollte das Spiel am vergangenen Wochenende auch in Europa erhältlich sein. Allerdings war der Andrang so groß, dass die Server nicht hinterher kamen und das Spiel ständig abstürzte.

Kein Wunder, denn Pokémon Go startete mit rekordverdächtigen Downloadzahlen und überholte in kürzester Zeit sogar die Dating-App Tinder. Die Europäer müssen sich deswegen noch gedulden. Der Startschuss soll im Laufe der Woche fallen. Ungeduldige Fans können die App über Umwege auch jetzt schon downloaden. In Deutschland betreut die PR-Agentur Marchsreiter den Launch.

Berichte aus den USA, dass durch die App Verkehrsunfälle verursacht wurden, stellten sich als Fake heraus. Andere Zwischenfälle bei der Pokémon-Jagd, wie ein zufälliger Leichenfund im US-Bundesstaat Wyoming, wurden allerdings bestätigt.

Nintendo, die Mutter der Pokemon Company, profitiert von dem Hype. Die Aktie des japanischen Unternehmens stieg nach Veröffentlichung des Spiels um 25 Prozentpunkte. Der Konzern hatte sich lange Zeit nicht durchringen können Kultspiele wie Super Mario oder Donkey Kong für Smartphones zu veröffentlichen. Ob sich die Strategie des Konzerns diesbezüglich ändern wird, bleibt offen.

Die bisherigen Erfolge sind allerdings vielversprechend. So ist Pokémon Go bereits nach nicht einmal einer Woche auf mehr Android-Geräten installiert als Tinder. Demnächst wird wohl auch Twitter überholt werden. Außerdem ist die Nutzungsdauer mehr als doppelt so hoch wie die der erfolgreichen App Snapchat.

Der Hype um das Smartphone-Spiel zeigt, welches Potenzial in Augmented-Reality steckt - wenn es überzeugende Produkte für den Massenmarkt gibt.