Retusche :
Ikea-Katalog: Frauenlos in Saudi-Arabien

Alle waren nach unseren Konventionen komplett bekleidet: Aber für den saudischen Ikea-Katalog zeigten die Ikea-Models zu viel Haut.

Text: Susanne Herrmann

01. Oct. 2012 - 5 Kommentare

So verschieden sind die Moralvorstellungen noch heute: Frauen, die (nach westeuropäischen Wertmaßstäben) vollkommen korrekt angezogen für den Ikea-Katalog 2013 fotografiert worden sind, sind für Saudi-Arabien zu freizügig. Inzwischen hat sich der Konzern entschuldigt

Von Kopf bis Fuß verhüllt, würde der deutsche Betrachter sagen, fotografierte der schwedische Möbelkonzern die Models, die hin und wieder ein bisschen Leben in den Katalog bringen. Der ist traditionell sowieso sehr produktlastig - und so würde es kaum auffallen, dass im Ikea-Katalog in Saudi-Arabien viel weniger Menschen zu sehen sind als im deutschen. Aber: Keine einzige Frau ist darunter. Nach saudischen Maßstäben zeigten die Ikea-Models zu viel Haut - einige für europäische Augen unbedenkliche Stellen sind unbedeckt. Also hat der gelbblaue Möbelriese die Abbildungen von Frauen wegretuschiert. Das berichtete das Stockholmer Gratisblatt "Metro". 

Abgesehen von den fehlenden Frauen sind die Kataloge praktisch identisch (auch wenn es für den deutschen Leser gewöhnungsbedürftig ist, dass er natürlich von rechts nach links blättern muss). Hintergrund sind dem "Metro"-Bericht zufolge die strengen Vorschriften in dem arabischen Land für das Abbilden unbedeckter Haut von Frauen. Schwedens Handelsministerin Ewa Björling verurteilt das gegenüber der "Metro": Die Bilder seien ein "weiteres trauriges Beispiel dafür, wie weit der Weg bis zur Gleichstellung von Männern und Frauen in Saudi-Arabien noch ist".

Ikea-Sprecherin Ylva Magnusson sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Konzern habe "einen klaren Verhaltenskodex" mit der Gleichstellung von Männern und Frauen als Bestandteil. "Wir hätten reagieren und erkennen müssen, dass der Ausschluss von Frauen aus der Saudi-Arabien-Version des Kataloges in Konflikt steht zu den Werten der Ikea-Gruppe", sagte sie weiter. Für den saudi-arabischen Katalog sei ein Franchise-Unternehmen zuständig. Die Frage ist, ob es sich hier um ein Gleichstellungsproblem oder um die Vereinbarkeit verschiedener Kulturen und den gegenseitigen Respekt dreht. Wirklich überlegt und sinnvoll schaut der Einsatz von Menschen generell und von Frauen im Katalog nicht aus; inhaltlich fehlt nichts, wenn keine Deko-Dame ein Kissen aufschüttelt. Dass Familien auseinander gerissen werden wie im Bild oben, weil hin und wieder nicht alle, sondern nur die Frauen wegretuschiert wurden, ist dennoch bedenkenswert.  (dpa/sh)


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



5 Kommentare

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Anonymous User 1. Oktober 2012

Danke sehr, Frau P - Detuschland, unmöglich, ist korrigiert und darf natürlich nicht vorkommen!

In der Tat sind Tippfehler (wie man sieht) sehr schnell geschehen und wir finden das wie Sie sehr sehr ärgerlich! Daher war unser Kommentar, dass wir uns über aufmerksame Leser und Hinweise freuen, durchaus ernst gemeint - auch wenn tatsächlich "zahlreiche" ein bisschen gemein war. :)

Anonymous User 1. Oktober 2012

Ich sehe ein, ein "zahlreich" mag übertrieben rübergekommen sein. Ich nehme es daher gerne zurück. Jedoch mit der Bitte noch zu korrigieren, dass wir nicht in "Detuschland" leben.

Diese Hinweise sollen nicht negativ aufgefasst werden, daher entschuldige ich mich, wenn meine Kritik so ankam. Allerdings weiß ich aus eigener (beruflichen) Erfahrung, wie ärgerlich es sein kann, wenn nicht ordentlich Korrektur gelesen wird. Tippfehler sind bekanntlich schnell gemacht. ;)

Anonymous User 1. Oktober 2012

Danke, Aileen, für die moralische Unterstützung: Wir haben den einen Tippfehler bereits korrigiert.
@FrauP: Für solche Hinweise sind wir immer dankbar, da auch uns leider Fehler passieren - aber nicht sollten.

Anonymous User 1. Oktober 2012

Bitte FrauP klären Sie uns auf. Wo sind die ZAHLREICHEN Tippfehler?

Anonymous User 1. Oktober 2012

Frechheit.
Sowohl die anhaltende Unterdrückung arabischer Frauen ... Als auch die zahlreichen Tippfehler in diesem Artikel. Liest denn da keiner Korrektur?

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