Öko-Strategie :
Ikea will Möbel vermieten

Das schwedische Möbelhaus sucht nachhaltige Lösungen für eine schnelllebige Zeit. Die Einrichtung zu vermieten ist nur eine der Ideen von Ikea-Chef Jesper Brodin.

Text: Annette Mattgey

Seit Herbst 2017 ist Jesper Brodin der weltweite Chef der Einrichtungskette Ikea, und eines hat er bereits über seine Kunden gelernt: Ihnen kommt es zum einen nicht so stark auf den Besitz an. Zum anderen verabscheuen sie die Wegwerf-Mentalität, die durch Billigst-Angebote noch gefördert wird. Ikea hat sich vorgenommen, dass bis 2020 90 Prozent der Abfälle wiederverwertet oder zur Energiegewinnung genutzt werden.

"Daher experimentieren wir mit radikalen Lösungen." Je nach Wohnort seien die Bedürfnisse sehr unterschiedlich. In London - Ziel vieler Pendler - wollen viele einfach zur Miete wohnen und sich kein zweites Eigenheim einrichten.

In Japan können Ikea-Käufer ihre alten Sofas in Zahlung geben. Das Möbelhaus kümmert sich dann ums Recycling. Die Belgier haben zwei Möglichkeiten: entweder lassen sie ihre defekten Möbel von Ikea reparieren oder sie spenden sie für einen guten Zweck.

All das seien Möglichkeiten, um stärker "in Kreisläufen" zu wirtschaften, sagt Jesper Brodin beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort nahm er an dem Panel "New Consumption Frontiers" teil. "Wenn in den vergangenen Jahrzehnten Massenkonsum das Schlagwort war, kommen wir nun zur Massen-Kreislaufwirtschaft", ist Brodin überzeugt. Ikea will dazu auch durch neue Materialien beitragen, etwa durch die Entwicklung neuer Zellulosefasern, durch die die Möbelherstellung umweltfreundlicher wird. 

Ebenso der holländische Chemie-Konzern DSM: Er hat eine Faser aus Polyester auf den Markt gebracht. Alte Teppiche daraus lassen sich recyceln und die Rückstände wandern in die Produktion neuer Ware. "Warum sollten Sie einen Teppich besitzen, wenn sie ihn auch mieten können", sagte DSM-CEO Feike Sybesma und unterstützte damit Brodins Haltung. "Wenn der Hersteller ihren Boden wieder als Input verwenden kann, brauchen Sie für den Rest ihres Lebens nie wieder einen Teppich kaufen", so seine Vision.

Mietlösungen greifen auch in anderen Branchen um sich. Otto hat seit einem Jahr die Marke Otto Now, bei der hauptsächlich Elektrogeräte ausgeliehen werden. Auch Media-Markt mischt mit. Jüngster Player: Tchibo. Bei dem Versandhändler lassen sich ab sofort Baby- und Kinderkleider auf Zeit bestellen.    


Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Für Markengeschichten, Kampagnen und Karriere-Themen hat sie ein besonderes Faible. Aus Bayern, obwohl sie "e bisi anners babbelt".