Markus Hündgen über Influencer Marketing :
Influencer Marketing ist wie Horror: Grausam, aber wir schauen trotzdem hin

"Um es ein für alle mal zu sagen: Influencer Marketing ist tot": Markus Hündgen vom Webvideopreis Deutschland rechnet mit einer Branche ab, die ihn an Zombie-Filme erinnert.

Text: Markus Hündgen

27. Jan. 2017 - 5 Kommentare

Markus Hündgen ist einer der Macher des Webvideopreises Deutschland.
Markus Hündgen ist einer der Macher des Webvideopreises Deutschland.

Um es ein für alle mal zu sagen: Influencer Marketing ist tot. Rein postfaktisch gesehen. Aber ehrlicherweise: Es hat nie gelebt. Wie Frankensteins Monster irrlichtet ein aus Marketing-Versatzstücken gebautes Werbe-Monstrum durch sämtliche Medienkanäle. Gehypte Schreie schallen entzückt durchs Media-Dorf, man habe endlich die nächste Evolutionsstufe des Marketing gefunden. Man fühlt sich wie bei einem Mordfeldzug aus dem letzten Slasher-Film. Es ist grausam und unangenehm, und trotzdem schauen wir hin. Oder zahlen sogar noch dafür. Mit Schweiß, Geld und Image.

Wie oft habe ich die letzten Monate gehört: "Hey, warum nennt ihr euch nicht in den Influencer-Preis um?" Unser Webvideopreis ist mittlerweile sieben Jahre alt. Und damit in Internet-Jahren gerechnet schon fast reif für die Midlife-Crisis. Da könnte man ja echt drüber nachdenken, mal eben die Marke weg zu werfen. Mit genug Influencern im (dann fürstlich bezahlten) Gepäck ist das doch heutzutage alles kein Problem mehr. Und wer könnte eher die Influencer-Karte in der Vermarktung spielen, als der Webvideopreis?

Falsch. Auf ganzer Linie. Zum Glück kennen wir noch eine Zeit vor dem Influencer Marketing. Damals, vor dem Aufmerksamkeitskrieg um Reach, Views und Engagement. Als Videomacher im Netz noch Gronkh, LeFloid und Coldmirror hießen. Und nicht "Folie 13, Influencer Nummer 3, Gaming-Bereich für E14".

Nun hilft es nicht, vergangenen Zeiten nachzutrauern. Die Wahrheit lautet: So manche Ex-Videokünstlerin und heutige Schmink-Millionärin verdingt sich eben als wandelnde Litfaßsäule. Eine Innovation von 1854 und heute ebenso innovativ, wie bekannte Menschen, die sich für Geld mit einem Produkt in der Öffentlichkeit zeigen. Daran ist nichts auszusetzen. Nur wo ist dabei die Evolution, nein, sogar Revolution?

Man mag einwerfen: Es ist sehr effektiv! Alle machen es so! Und: aus Gründen!

Kleiner (product-placement-freier) Tipp aus Omas Marketing-Bibel: Guter Inhalt ist guter Inhalt. Und starke Persönlichkeiten sind starke Persönlichkeiten. Und mehr Performance ist nichts anderes als ein extra großes Paar dämonisch drein blickender Augen für Frankensteins Monster. Super, um Kinder zu erschrecken. Nur macht es Influencer Marketing nicht lebendig.

Der Autor: Markus Hündgen gilt als Pionier und Vordenker der deutschen Webvideo-Branche. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Ströer-Beteiligung European Web Video Academy, die den Webvideopreis Deutschland ausrichtet. Im Netz kennt man den früheren WAZ-Journalisten auch als "Videopunk".


5 Kommentare

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Anonymous User 30. Januar 2017

Immer dieses Rumgejammere... Warum faellt es den Deutschen denn so schwer mal etwas subtiler mit Influencern umzugehen? Man muss die Influencer doch nicht gleich vollkommen mit der Marke vollstopfen. Wie Sascha schon sagt, Hauptsache der Reach stimmt

Anonymous User 29. Januar 2017

Katrin, aber das sind doch die klassischen Brand Ambassadors und Testimonials. Ein alter Hut und vor allen Dingen macht es kaum jemand... also mit den Influencern jetzt.
Da haben sich die Marketing-Abteilungen mit den externen Agenturen naemlich schoen ihren eigenen Jurassic Park aufgebaut. Reach als wichtigste Bemessungsgroesse. Ob der relevant ist oder ueberhaupt konvertiert? Egal... Hauptsache die Zahlen stimmen.

Anonymous User 28. Januar 2017

Schade, dass die w&v so einer unqualifizierten Darstellung überhaupt Raum einräumt.

Anonymous User 27. Januar 2017

Ja absolut tot, hat es überhaupt schon mal gelebt? Nö glaube eher nicht, ein paar Schlaumeier auch Blogger genannt erzählen da irgend ein Quatsch, keiner will es sehen oder hören, schauen trotzdem zu. Und ja es sind Experten der ersten Stunde, vor allem im Food Bereich, keine Ahnung von Kochen oder Rezepturen, jedoch irgendwelche Produkte zubereiten und danach ist es der letzte Schrei. Aber ehrlich ich würde meine Produkte nicht von irgendwelchen Amateure vorstellen lassen... es sei derjenige hat Ahnung und kann auch gut artikulieren.

Anonymous User 27. Januar 2017

Der Titel ist zwar plakativ, aber falsch. Schlechtes Influencer Marketing ist tot, aber das hat noch nie gelebt. Gutes Influencer Marketing bedeutet: aussuchen, wer zur Marke passt. Wirklich passt. Überlegen, was man mit diesem Menschen machen will. Wer sich nur ein schmollmündiges Sternchen von Instagram angelt, das jeden Tag für ein anderes Produkt sein Duckface zieht, tut sich und seinem Produkt keinen Gefallen. Längerfristig, durchdacht, mit Weiterentwicklung der Kampagne über alle Kanäle hinweg - so kann das was werden.

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