Stadtsponsoring - Lesetipp :
Italiens Städte gehören den Marken

Werbung bringt Geld in die Kassen - das ist nicht nur bei Medien so. Auch klamme Stadtsäckel lassen sich so füllen.

Text: Susanne Herrmann

Die Schumarke Tod's finanziert die Restaurierungsarbeiten am Kolosseum in Rom.
Die Schumarke Tod's finanziert die Restaurierungsarbeiten am Kolosseum in Rom.

Werbung bringt Geld in die Kassen - das ist nicht nur bei Medien so. Auch klamme Stadtsäckel lassen sich so füllen. Welche Folgen das zum Beispiel in Italien hat, beschreibt die "Süddeutsche Zeitung". Da mag dann so mancher in seinen Ferien auf Werbung der Marke Tod's im Kolosseum in Rom stoßen. In Neapel konnte man im Mai mit Nutella feiern.

Die "Süddeutsche" sammelte einige Beispiele. So ermöglicht die Finanzierung durch starke Markenpartner natürlich Restaurierungen, die Unmengen städtischer Gelder verschlingen würden. Dafür räumen die Kommunen dann aber den Marken auch Nutzungsrechte ein - die teils nicht so glasklar geregelt seien, schreibt "SZ"-Autor Thomas Steinfeld.

Was Marken in Italien finanzieren

  • Diego Della Valle, Eigentümer der Schuhfabrik Tod's, finanziert mit einer Stiftung Restaurierungen im Inneren des Kolosseums mit 25 Mio. Euro. Dividiert durch die Zeit, während der die Firma über  Nutzungsrechte verfüge, "ergebe sich ein Preis von 1,25 Mio. Euro pro Jahr", berichtet Steinfeld.
  • Juwelier Bulgari bezahlt die Restaurierung der Spanischen Treppe.
  • Die Arbeiten an der Fontana di Trevi finanziert das Modehaus Fendi. Und hielt eine Modenschau im Brunnen ab. 
  • Der Modekonzern OTB (Diesel, Maison Margiela, Marni, Viktor&Rolf) kommt für die Arbeiten an der Rialtobrücke in Venedig auf. Vor der Brücke hängen derweil Riesenposter mit Diesel-Werbung (Foto: Keith E/Tripadvisor).

This photo of Ponte di Rialto is courtesy of TripAdvisor
  • Der mittelalterliche Fondaco dei Tedeschi gegenüber dem Ponte di Rialto wurde für die französische Firma LVMH (Dior, Kenzo, Louis Vuitton) in ein Kaufhaus umgewandelt.
  • Neapel verdiente sich 100.000 Euro dazu, indem sie Teile der Altstadt für eine Veranstaltung von Dolce & Gabbana sperrte. Und die Innenstadt-Piazza del Plebiscito diente einen Tag lang als Kulisse für Nutella zum 50. Geburtstag.
  • Ferrari mietete die Ponte Vecchio in Florenz 2013, um ein Abendessen für Freunde und Kunden des Hauses zu geben.

Und dann gibt es da noch ein Beispiel aus Spanien: Der Mobilfunkanbieter Vodafone hatte sich 2013 das Recht gekauft, die U-Bahn-Station Sol in Madrid umzubenennen. Auf Haltetellenschildern und in Bahnnetzplänen war daraufhin "Vodafone Sol" zu sehen. 3 Mio. Euro soll das Unternehmen dafür hingeblättert haben. Im Mai dieses Jahres endete der Vertrag. Millionen Menschen haben die Schilder gesehen - dem Vernehmen nach hat das britsche Vodafone aber damit zumindest viele Spanier gegen sich aufgebracht.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Die Lieblingsthemen von @DieRedakteurin reichen von abenteuerlustigen Gründern über Medien und Super Bowl bis Streaming. Marketinggeschichten und außergewöhnliche Werbekampagnen dürfen aber nicht zu kurz kommen.