Im Internet finden sich darüber hinaus mehrere Tausend Angebote für Fanartikel aller Art. Was in Paris als Welle der Solidarität begann, wurde innerhalb kürzester Zeit auch zu einem Geschäft. Im Angebot: Bedruckte T-Shirts, die beim großen Solidaritätsmarsch am Sonntag dankbare Abnehmer fanden, Tassen, Stoffbeutel und Buttons mit der Aufschrift "Je suis Charlie". Und sogar Babys und Vierbeiner dürfen sich ungefragt zu "Charlie" bekennen. Einen Strampler gibt es bereits ab 14,50 Euro, das Hundehalsband für 8,90 Euro.

Eine Vermarktung, die dem ein oder anderen überzogen vorkommen mag. "Wir kotzen auf all diese Leute, die auf einmal unsere Freunde sein wollen", formuliert es "Charlie Hebdo"-Zeichner Barnard Holtrop und zielt damit auch auf diejenigen ab, die dem Blatt vorher eher kritisch gegenüberstanden. Wie man es allerdings auch machen kann, zeigt die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen: Auch sie verkauft T-Shirts mit "Charlie"-Aufdruck. Die Erlöse gehen hier allerdings an die Redaktion des Satiremagazins.

Kurze Zeit nach dem Attentat am 7. Januar waren es nur eine Handvoll Pariser Journalismusstudenten gewesen, die sich am Tatort zu der Parole "Je suis Charlie" bekannten. Sofort sei klar gewesen, dass man Gesicht zeigen müsse, erzählte Clivia Potot-Delmas an jenem Mittwoch, an dem bei dem Attentat zwölf Menschen erschossen wurden. Eine junge Französin war ebenfalls gekommen und ärgerte sich, dass nicht mehr Menschen Flagge zeigten. "Wo sind denn alle Franzosen?", fragte sie.

Auch sie hätte zu diesem Zeitpunkt wohl nicht gedacht, dass nur wenige Tage später Millionen Menschen auf die Straßen gingen, die Führungsriege Europas Arm in Arm schritt und alle Welt plötzlich irgendwie zu "Charlie" geworden war. Ein junger Franzose singt auf Youtube die Worte, die die aktuelle Stimmung vielleicht erklären: "Wenn du fragst, wo Charlie ist: Für immer in unserem Geiste." Sein Video wurde bis Donnerstag knapp drei Millionen Mal angeschaut.

Ob "Je suis Charlie" überhaupt markenrechtlich geschützt werden kann, erklärt Rechtsanwalt Georg Fechner in der kommenden Printausgabe der W&V (Ausgabe 04/2015) in der Rubrik "Expertenrat", die am 19. Januar erscheint (E-Paper ab 17. Januar).