Mehr als 350.000 Euro hat Freezers-Mannschaftskapitän Christoph Schubert bis Dienstagmittag an Spenden via Internet eingesammelt. Sein Aufruf wird unterstützt von Hockey-Nationalspieler Moritz Fürste, seit 2015 Direktor Sportmarketing der Hamburger Agentur Thjnk. 

Bis Dienstagnacht 24.00 Uhr hat der Verein Zeit, doch noch die Lizenz für die nächste Saison bei der DEL zu beantragen. Das müsste Geschäftsführer Uwe Frommhold erledigen, wenn ihn denn sein Arbeitgeber Anschutz Entertainment Group (AEG) lässt.

Denn das weltweit tätige amerikanische Großunternehmen aus der Sport- und Unterhaltungsbranche will die Freezers abwickeln. Grund: Die Kufenflitzer schreiben Jahr für Jahr rote Zahlen. Rund 2,5 Millionen Euro beträgt das Loch im Etat pro Saison. Das stopft AEG, indem es das Geld von gewinnbringenden Unternehmungen umverteilt. Die Amerikaner finanzieren auch die Eisbären Berlin und wollen diese als einzige Mannschaft in der deutschen Liga behalten.

"Wir nehmen das ernst, was in Hamburg passiert, und reden mit jedem, der ernsthaft als Partner der Freezers infrage kommt", sagte AEG-Sprecher Moritz Hillebrand. Allein die geballte Solidarität der Hamburger wird nicht reichen. Schubert deutete an, es könne vielleicht ein neuer Geldgeber präsentiert werden. Nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" (Dienstag) sollen sich in Dubai und im europäischen Ausland zwei Interessenten gemeldet haben. Vielleicht könne "es noch hinhauen", sagte Schubert.

"Wir brauchen einen Käufer", betonte AEG-Sprecher Hillebrand. Dass dieser überraschend gefunden wird, ist schwerlich zu glauben. Denn AEG hatte schon 2011 angekündigt, den Laden dicht zu machen. Seither war das weltumspannend tätige Unternehmen auf der Suche nach einem neuen Eigner für die Freezers. "Dass wir es in fünf Jahren nicht geschafft haben, heißt doch nicht, dass es nicht möglich ist", meinte Hillebrand diplomatisch.

AEG ist von der gewaltigen Solidaritätswelle überrascht worden. Diese mit Prominenten gespickte Aktion einfach zu ignorieren, könnte sich als Eigentor erweisen. Ob sich das Unternehmen aber mit dem Zubrot der Spenden umstimmen lässt und eine weitere Saison finanziert, ist fraglich. Falls ja, wollen die Retter um Kapitän Schubert und Hockey-Nationalspieler Moritz Fürste die Zeit nutzen, um einen neuen Financier und Besitzer an Land zu ziehen. Es gibt eine Mitgift: Die 9022 Zuschauer pro Heimspiel sind der viertbeste Schnitt in der DEL. Eishockey in Hamburg ist ein Zuschauermagnet.

Nachdem die Bundesliga-Handballer des HSV Hamburg schon von der Bildfläche verschwunden sind, rufen Sportfans immer lauter nach Hilfe durch die Stadt. "Finanziell eingreifen können wir nicht. Staatssport betreiben wir hier in Hamburg nicht", erwiderte Sportsenator Andy Grote im Regional-TV Hamburg 1. Grote macht auch nicht das Hamburger Olympia-Aus für 2024 für das Sterben von Profivereinen verantwortlich: "Den Zusammenhang sehe ich nicht."

Neben Moritz Fürste solidarisieren sich auch andere Hamburger Werber wie Raphael Brinkert:

(dpa/fs)



W&V Redaktion
Autor: W&V Redaktion

Nicht alle W&V-Artikel erscheinen unter dem Namen eines einzelnen Autors. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Artikel mit „W&V-Redaktion“ gekennzeichnet sind. Zum Beispiel, wenn mehrere Autoren daran mitgearbeitet haben oder wenn es sich um einen rein nachrichtlichen Text ohne zusätzliche Informationen handelt. Wie auch immer: Die redaktionellen Standards von W&V gelten für jeden einzelnen Artikel.