Reaktionen aus Ostfriesland :
Keine Chance gegen Omas Teekanne: So kommt der Temial von Vorwerk an

"Hä??" So lassen sich die erste Reaktionen auf die Teemaschine Temial grob zusammenfassen. Auch in der Teetrinkerregion Ostfriesland fällt der Empfang für die Thermomix-Schwester frostig aus.

Text: Frauke Schobelt

Die vernetzte Teemaschine Temial von Vorwerk.
Die vernetzte Teemaschine Temial von Vorwerk.

Das ist also die Produktneuheit von Vorwerk, die nun in riesige Thermomix-Fußstapfen tritt: Der smarte Teezubereiter Temial. Für 599 Euro. Mit allen möglichen vernetzten und digitalen Innereien, die Zeitersparnis und Bequemlichkeit versprechen.

Die Zubereitung der zehn Biotees liest die neueste Vorwerk-Maschine per QR-Code aus, alles läuft von da an vollautomatisch, ein Timer wirft das Gerät pünktlich für den Morgentee an, alles per App steuerbar. Selbst eine chinesische Teezeremonie wird so zum Klacks, so das Unternehmen, das sich viel verspricht vom chinesischen Markt. 

Mit Spannung wurde die in den sozialen Netzwerken angekündigte Produktenthüllung erwartet. Die Messlatte liegt enorm hoch: Mit dem smarten Thermomix macht das Unternehmen einen Milliarden-Umsatz, der Hype führte gar zu einer Flut an Thermomix-Magazinen.

Doch zuletzt gingen die Umsätze zurück, weshalb der Direktvertrieb von Vorwerk, der den Thermomix millionenfach unters Volk gebracht hat, nun also auch zur Teeparty lädt. Die Zutaten liefert Vorwerk gleich mit, ein neues Geschäftsfeld - mit Bio-Tee, passendem Porzellan und sogar Honig.

Frostiger Empfang

Wie sind nun die Reaktionen auf die Teemaschine? Eine erste WhatsApp-Blitzumfrage in Ostfriesland, der innerdeutschen Tee-Region schlechthin. Dort erfreut sich der Thermomix im Verwandten- und Freundeskreis großer Beliebtheit, ist ja auch praktisch, das smarte AllesKönnerDing. Aber der Empfang für die kleine Schwester fällt ziemlich frostig aus.  

"Geht gar nicht", "Wo bleibt da die Gemütlichkeit, wenn alles digitalisiert und optimiert ist?", "Als Ostfriese so eine Teemaschine zu besitzen, ist ein No-go!" - sind nur einige der Reaktionen. Die geliebte "Teekanne der Oma" könne so ein Vorwerk-Trum nie ersetzen. Auch das Zeitspar-Argument zieht gar nicht. "Die liebevolle Zubereitung von Ostfriesentee gehört zur Zeremonie".

Teetrinken sei mehr als sich "im Vorübergehen ein Heißgetränk reinzukippen". Es bedeute, sich Zeit zu nehmen, den Tag in Ruhe zu beginnen oder zu beenden, eine Pause einzulegen. "Es ist gleichzusetzen mit Ruhe, Konzentration, ein Stopp-Schild im Alltag, eine Erinnerung innezuhalten", schreibt eine weitere Teeliebhaberin. Wer Tee per Hand zubereitet, will Zeit für sich gewinnen und nicht sparen. Und dann noch der Preis: "1,5 Liter Wasser aufkochen, Tee aufgießen und ziehen lassen - 600 Euro gespart." Und dann noch die Frage: "Wohin mit dem Kluntje?", eine für Ostfriesen essentielle Tee-Zutat (siehe unten). 

Auch im Netz überwiegen Skepsis und ein kollektives "Hä??". Auf Facebook spotten W&V-Leser: "Ich hatte mit etwas Coolerem gerechnet", "Bald kommt der Wamial, der Wasserkocher", "Der Hype ist echt peinlich für so einen 600 Euro Teekocher" oder auch "Nie wieder verbranntes Teewasser". 

Weitere Reaktionen

Und wer jetzt Lust hat auf eine schöne Tasse Tee - eine traditionelle ostfriesische Teezeremonie geht so (geprüft vom Norder Teemuseum): 

  • Teekanne heiß ausspülen.
  • Pro Person kommt ein Teelöffel Tee hinein, für die Kanne noch einer zusätzlich.
  • Teeblätter mit sprudelnd kochendem Wasser aufkochen, bis sie gerade bedeckt sind, 5 Minuten ziehen lassen.
  • Anschließend je nach gewünschter Tassenzahl mit kochendem Wasser auffüllen und Kanne auf ein Stövchen stellen.
  • Ein großes Stück Kluntje (große Kandis-Brocken) in die Tasse legen. Die Tasse nur halb voll gießen, damit die Spitze des Kluntjes noch herausragt. Das knackende Geräusch genießen.
  • Nun die Sahne langsam am Innenrand der Tasse in den Tee laufen lassen, damit eine schöne Sahnewolke entsteht.
  • Der Teelöffel ist übrigens nicht zum Umrühren da, der Tee wird in drei Schichten genossen: erst die kühle Sahne, dann der herbe Tee und zum Schluss die Süße des Kandis. Den Löffel braucht man nur, um nach drei Tassen die Zeremonie zu beenden - indem dieser schlicht in die Tasse gelegt wird.

Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.