"In dieses Werkzeug fließen Daten von mehr als 100 000 unserer Daten-Partnerinnen und -Partner weltweit ein." Diese Daten verknüpfe das Unternehmen unter anderem mit Konsumentenbefragungen zum Kaufverhalten. "Das ist die Zukunft der Marktforschung, wenn Sie so wollen", sagt Hummel.

Die Anfragen ändern sich 

Um Empfehlungen zu präzisieren, kommen weitere Faktoren hinzu - etwa Jobabbau oder Reisebeschränkungen, aber auch die Auswertung von Internet-Suchbegriffen wie "Brot" oder "Heimarbeit". "Letztlich ergänzen wir makroökonomische Faktoren wie etwa das Bruttoinlandsprodukt", sagt Hummel. "In Echtzeit und auf Knopfdruck." Die Anfragen hätten sich maßgeblich geändert. "Kunden wollen konkrete Marktvorhersagen. Dabei geht es darum, in dem unüberschaubaren Meer an Daten die richtigen Signale zu filtern." Man könnte auch sagen: Die "Methode Haßloch" passt nach 35 Jahren nicht mehr in die Zeit.

Der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein sieht es ähnlich. Er betont, Menschen würden zwar auch künftig Dinge des täglichen Bedarfs in Läden kaufen. "Aber hier geht es sozusagen um eine Neuerfindung der Marktforschung. Als Feldtest bildet Haßloch nur noch einen Ausschnitt von dem ab, wie Menschen heute einkaufen." Viel mehr Menschen als früher recherchierten heute im Internet auch zu Dingen des täglichen Bedarfs. "Insofern bildet der Konsum im Laden nicht mehr das komplette Kaufverhalten ab."

Zuletzt taten für GfK fünf Arbeitskräfte Dienst in Haßloch. Dort sorgt die Entscheidung für gemischte Gefühle. "Man kann schon sagen, dass eine Ära zu Ende geht", sagt Gemeindesprecher Marcel Roßmann. Die Verwaltung habe jedoch Verständnis, dass die Konsumforschung die Messmethode ändere, um den Ansprüchen ihrer Kunden gerecht zu werden. Auf die 35 Jahre als "Durchschnittsdorf" und der damit verbundenen bundesweiten Bekanntheit sei man stolz. "Nüchtern betrachtet muss man sagen, dass sich im täglichen Leben durch den Wegfall nicht wirklich viel ändert", meint Roßmann. Die Testprodukte seien nie sehr sichtbar gewesen und nie als solche beworben worden. "Es waren nur einige Artikel von vielen im Laden."

Hassloch reagiert verständnisvoll

GfK-Sprecher Hummel zufolge haben die Teilnehmer in Haßloch das Ende des Projekts mit Verständnis aufgenommen. "Viele ahnten, dass die Plastikkarte nicht auf Dauer Bestand haben kann." Für das Unternehmen sei eine solche Entscheidung immer mit Wehmut verbunden. "Es bleibt oberstes Ziel, unsere Dienstleistungen nachhaltig wettbewerbsfähig aufzustellen. Aber Haßloch bleibt natürlich Teil unserer Geschichte." (dpa/st)



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Autor: W&V Redaktion

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