Kesselring gründete seine Firma 1987. Zu Beginn der Aids-Epidemie seien Kondome das "Produkt der Stunde" gewesen wie heute der Mundschutz oder Desinfektionsmittel. Inzwischen sei das Geschäft schwieriger, große Wachstumsraten kann man nach Ansicht Kesselrings nicht erzielen. Seit knapp einem Jahr befindet sich CPR in der Insolvenz. Dies sei ein Bankenproblem, das sich zeitnah lösen werde, sagt der 57-Jährige. CPR hat auch ein Werk in Erfurt und eines in Honduras in Zentralamerika. In Honduras sei kein Ende des Shutdown in Sicht.

Paare kaufen auf Vorrat

Nach Einschätzung von Ritex-Geschäftsführer Robert Richter werden bundesweit ein Viertel der Kondome in der Prostitution verbraucht. Die Marke Ritex sei jedoch überwiegend im Einzelhandel aktiv und habe Käufer ab Mitte 20, die tendenziell in festen Partnerschaften seien. Diese hätten höchstwahrscheinlich zu Beginn der Krise Vorratskäufe getätigt. "Ich vermute, dass Paare in festen Partnerschaften auch mehr Sex hatten, sonst müssten die Umsatzzahlen jetzt doch einbrechen", sagt der 39-Jährige. Sie liegen Richter zufolge aber immer noch im einstelligen Bereich über dem Vorjahresmonat.

Das Unternehmen Mapa produziert in Zeven zwischen Bremen und Hamburg unter anderem die Marke Billy Boy. Es geht von Hamsterkäufen zu Beginn der Pandemie aus, auf die ein niedrigerer Umsatz durch den Lockdown gefolgt sei. Mittlerweile pendele es sich alles wieder in den gewohnten Regionen ein, heißt es.

Nach einer repräsentativen Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Verhütungsverhalten aus dem Jahr 2018 nutzen 47 Prozent der sexuell aktiven Frauen und Männer die Pille, 46 Prozent das Kondom. Sieben Jahre zuvor nannten nur 37 Prozent das Kondom. Vor allem unter 30-Jährige haben der Untersuchung zufolge zunehmend eine kritische Einstellung zu hormonellen Verhütungsmethoden. Den Befragten sei beim Kondom auch der Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen wichtig.

"Die Kondomnutzung ist normal geworden und wird als Zeichen von Verantwortung gesehen", sagt Richter. Zwar seien die Arbeits- und Produktionskosten in Deutschland hoch, allerdings helfe der hohe Automatisierungsgrad. "Wir können sehr effizient arbeiten." Für Deutschland spricht laut Richter zudem das "Made in Germany". Kondome sind Medizinprodukte. "Über den Online-Handel hat man das Problem, dass sehr viel, qualitativ teils minderwertige Ware aus Fernost nach Deutschland eindringt", sagt der Ritex-Chef. Von verdächtig günstigen Produkten sollte man die Finger lassen.

CPR ist nach eigenen Angaben vor Ritex und Mapa der größte Kondomhersteller in Europa. Der Standort Deutschland hat historische Gründe. Zwar entwickelte ein Amerikaner, Charles Goodyear, das Verfahren der Vulkanisation, erfand den Autoreifen und stellte das erste Kondom aus Gummi her. Jedoch perfektionierte der Berliner Julius Fromm das Verfahren zu Beginn des 20. Jahrhunderts und schuf das Latex-Kondom. Der von den Nationalsozialisten drangsalierte jüdische Fabrikant musste seine Firma weit unter Wert an die Patentante Hermann Görings verkaufen und emigrierte 1938 nach London.

Im Trend liegen heute ökologisch-nachhaltige und vegane Kondome - dies hat möglicherweise das Berliner Start-up Einhorn befördert. Auch andere Hersteller bieten inzwischen Kondome an, bei denen die Naturkautschuk-Plantagen von der Organisation FSC zertifiziert sind, also hohen sozialen und ökologischen Standards entsprechen.

Christina Sticht, dpa

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