Umbruch im Handel :
L’Oréal-Chef Agon warnt vor dem digitalen Tsunami

Warum die Digitalisierung vor allem kleinere Marken gefährdet - das schildert L’Oréal-Chef Jean-Paul Agon im Interview mit dem Handelsblatt.

Text: Petra Schwegler

L’Oréal-Lenker Jean-Paul Agon ruft Konzerne zum Wandel auf.
L’Oréal-Lenker Jean-Paul Agon ruft Konzerne zum Wandel auf.

Vor gut drei Jahren hat Nicolas Clasen in seinem Buch "Der digitale Tsunami" Marken und Werbungtreibende gewarnt: "Die große Disruption kommt erst noch.“ Glaubt man L’Oréal-Chef Jean-Paul Agon, Jahrgang 1956, dann steht die Marken-Revolution als Folge der Digitalisierung nun unmittelbar bevor.

Der erfahrene Konzernlenker, der um die Jahrtausendwende mehrere Jahre lang Deutschlandchef des größten Kosmetikkonzerns der Welt gewesen ist, spricht im Interview  mit dem Handelsblatt – und warnt vor allem mittelständische Unternehmen vor dem Kampf um die Verbraucher, der noch schärfer werde. Die digitale Revolution werde die Markenwelt "wie ein Tsunami" erschüttern, sagt der L’Oréal-Boss dem Blatt. Viele Firmen sind aus seiner Sicht immer noch auf den digitalen Wandel vorbereitet.

Den Spagat der Marken beschreibt Agon im Handelsblatt-Gespräch so: Auf der einen Seite stünden innovative Newcomer, die besonders bei jungen Zielgruppen gut ankommen, auf der anderen Seite starke Konzernriesen. Der Manager wörtlich: "Das Internet hilft den großen Marken, noch größer zu werden. Der Mittelbau dazwischen hingegen wird immer schmaler. Viele mittlere Unternehmen werden davon betroffen sein."

Wo Agon L'Oréal stehen sieht

Seinen eigenen Konzern sieht Agon indes gut aufgestellt. Schwieriger sei die Situation für Konsumgüterriesen, die Hunderte von Labels unter ihrem Dach vereinen, heißt es. "Ob Procter & Gamble, Unilever, Nestlé oder Coty – alle großen Spieler befinden sich mitten im Umbruch", beschreibt das Handelsblatt die Einschätzungen Agons. Wobei Nestlé Großaktionär von L'Oréal ist. 

Zur Entwicklung der Werbung in Zeiten sozialer Netzwerke befragt, betont Agon im Gespräch mit der Wirtschaftszeitung: "Bei uns ist alles, was wir in den sozialen Medien tun, sehr transparent. In Deutschland zum Beispiel gibt es zwei Arten von Influencern: die einen, denen wir Produkte schicken, um sie zu beurteilen. Mit den anderen haben wir Partnerschaften. Auf deren Homepage steht aber ganz klar, dass sie von uns gesponsert werden."

Die DSGVO mit ihren neuen Datenschutzregeln begrüßt Agon. Und richtet das Wort ans große soziale Netzwerk: "Facebook sollte einfach die Privatsphäre seiner Nutzer schützen. Und sie sollten alle geltenden Regeln achten."

Hier geht’s zum Handelsblatt-Stück mit L’Oréal-Chef Jean-Paul Agon.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.