Lobbying :
Lebensmittel oder Droge? Netto legt sich mit Zuckerlobby an

In einer provozierenden Werbekampagne vergleicht der Discounter Netto Zucker mit Kokain. Die Zuckerwirtschaft keilt entrüstet zurück. Ist Netto ein Dealer?

Text: Markus Weber

Diese Netto-Kampagne bringt die Zuckerlobby auf die Palme.
Diese Netto-Kampagne bringt die Zuckerlobby auf die Palme.

Der Lebensmitteldiscounter Netto hat bei rund 100 Eigenmarken-Produkten den Zucker- und Salzanteil reduziert. Ziel ist es, deren Anteil in den nächsten Jahren weiter herunterzufahren - um bis zu 25 Prozent.

In einer etwas überspitzten Werbekampagne hat die Edeka-Tochter zuletzt für ihre Initiative getrommelt. "Das weiße Zeug tut dir nicht gut!" war dort zu lesen. Im Bildmotiv wurden Zucker und Salz in weißen Linien fein aneinander gereiht präpariert - wie Kokainpulver.

Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker ist darüber empört. In der aktuellen Ausgabe der "Lebensmittel Zeitung" hat der Lobbyverband jetzt als Reaktion eine ganzseitige Anzeige geschaltet. Mit der Headline

"Dealer gesucht? Dann geh doch zu Netto!"

Im weiteren Anzeigentext wird Zucker dann als "gutes, traditionelles Produkt aus der Natur und Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung" beschrieben.

Ob Zucker tatsächlich im Sinne einer Droge süchtig machen kann, ist in der Wissenschaft umstritten. Es gibt aber zahlreiche Anzeichen, die in diese Richtung deuten.

Anzeige der Zuckerwirtschaft in der "Lebensmittel Zeitung"

Anzeige der Zuckerwirtschaft in der "Lebensmittel Zeitung"


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.