Kommentar :
Mercedes macht vor, wie Event geht

Keine Kontakt-Ängste, zwanglose Atmosphäre, authentische Optik: Mercedes macht mit der A-Klasse-Präsentation in Amsterdam vor, wie man Events inszeniert.

Text: Rolf Schröter

Scharfes Design in rauer Industrie-Atmo: Die A-Klasse in Amsterdam
Scharfes Design in rauer Industrie-Atmo: Die A-Klasse in Amsterdam

Er ist immerhin Chef eines Weltkonzerns: Dieter Zetsche. Und plötzlich sitzt er da, nur zwei Meter entfernt, mitten in der Menge, bereit für Gespräche auf Augenhöhe.

Barrierefreiheit

Wie Mercedes seine neue A-Klasse präsentiert hat, das wäre noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen. In der Kromhouthal in Amsterdam gibt es keine sichtbaren Barrieren zwischen den rund 400 Journalisten aus aller Welt und den Vorständen und Top-Managern von Daimler. Einige der Gastgeber trugen einfach Pulli und Sneaker, zum Beispiel auch F&E-Vorstand Ola Källenius. Sehr nahbar. Das schafft Vertrauen.

Natürlich ging es in Amsterdam um das jüngste Modell von Mercedes, die A-Klasse. Da geht es von vornherein zwangloser zu als bei S-Klasse-Präsentationen. Trotzdem ist es frappierend zu sehen, wie stark sich die Kommunikation von Mercedes geöffnet hat. Am Eingang der Veranstaltungshalle begrüßt ein orangefarbener Elch die Gäste. Ein selbstironischer Wink in die Vergangenheit. Schließlich ist es der A-Klasse zu verdanken, dass die deutsche Bevölkerung überhaupt weiß, was ein Elch-Test ist.

Convention-Atmosphäre

Ein riesiger Süßigkeitenstand, eine Kaffeebar, eine Kuchentheke und zahlreiche Mini-Workshops am Rand der Halle – das alles wirkte wie eine Convention vor der abendlichen Weltpremiere. Und auch die war angenehm kurz und präzise. Da wurden keine Funktionsträger auf der Bühne mit Sprechzeit honoriert. Nur Dieter Zetsche, bevor er die Bühne der norwegischen Musikerin Dagny überließ. Na gut, der Mann hat auch wirklich Entertainment-Qualität. Er spricht pointiert, hat Witz und wirkt sympathisch. Aber vor allem und eigentlich ging es darum, aus einer Pressekonferenz ein Happening zu machen, aus einer Informationsveranstaltung eine Quelle von Earned Media. Denn natürlich posteten die anwesenden Multiplikatoren fleißig.

Kontraststarke Optik

Es gab ja auch genug zu posten. Dafür hat Mercedes nicht nur mit der Barrierefreiheit und dem Convention-Charakter gesorgt. Sondern auch mit dem Design des Events. Auf den Industriehallenfensterbänken standen alte Ölflaschen, von der Decke hingen Stromverteilerdosen aus gelbem Plastik, die Betonsäulen standen nackt, armiert mit Kabeln, Hebeln und Schaltern. Nichts war verkleidet oder verbrämt. Kein Teppichboden wurde über den grauschlierigen Estrich gedeckt. Gerade dadurch wirkte das Ambiente für die neue A-Klasse ungeheuer authentisch und ehrlich. Ein passender Kontrast zur eleganten Erscheinung des Autos.

Du sollst nicht langweilen! Das Zitat stammt von Hollywood-Regisseur Billy Wilder. Es könnte auch von Mercedes 2018 kommen.


Autor:

Rolf Schröter
Rolf Schröter

Als Leiter des Marketing-Ressorts der W&V und neugieriger Kurpfälzer interessiert sich Rolf Schröter prinzipiell für alles Mögliche. Ganz besonders mag er, was mit Design und Auto zu tun hat.


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