"Mich fragt ja keiner": Altersschwache Barbie

In der Satire-Serie "Mich fragt ja keiner" bekommen endlich einmal diejenigen eine Stimme, die sonst immer ihre Klappe halten müssen - die Marken selbst. Fünf, nicht ganz ernst gemeinte Fragen richten wir heute an die schwächelnde Marken-Ikone von Mattel - die Barbie.

Text: Anja Janotta

18. Apr. 2012

In der Satire-Serie "Mich fragt ja keiner" bekommen endlich einmal diejenigen eine Stimme, die sonst immer ihre Klappe halten müssen - die Marken selbst. W&V Online fragt, wie sie mit Ihrem Marken-image zurecht kommen, was sie anders machen würden - und wo sie ihre Zukunft sehen. Fünf, nicht ganz ernst gemeinte Fragen richten wir heute an die schwächelnde Marken-Ikone von Mattel - die Barbie.

W&V: Liebe Barbie, was ist denn mit Ihnen los? Die neuen Zahlen von Mattel sind ja furchterregend: Sechs Prozent weniger Barbies verkauft innerhalb nur eines Jahres? Die jungen Mädchen mögen heute lieber elektronisches Spielzeug statt süße Puppen. Woran liegt's?

Barbie: Darf ich mich setzen? Wissen Sie in meinem Alter ist das ein bisschen anstrengend, die ganze Zeit auf Zehen spitzen zu stehen. Wo waren wir, ach ja, bei den Verkaufszahlen. Na ja, das stimmt mich schon traurig, dass mich keiner mehr haben mag. Dabei habe ich mich doch ganz gut gehalten, trotz meiner 53 Jahre, oder nicht?

W&V: Doch, doch zeitlos schön wie Madonna. Aber weswegen leidet ihre Marke derzeit so unter Altersschwäche?

Barbie: Wo sie doch gerade bei Madonna sind. Die ist ja auch nur ein Jahr älter als ich und immer noch gut im Geschäft. Gerade weil sie sich immer neu erfindet. Ein bisschen Plastik-Chirurgie täte mir doch auch mal ganz gut, so am Po, an der Nase und der Mund vielleicht? Und meine Farah-Fawcett-Mähne ist doch schon seit 30 Jahren out! Außerdem hat Madonna auch immer wieder diese neuen, heißen, werbefähigen Liebhaber. Ich hingegen muss immer noch mit dem ollen Ken rumlaufen. Können Sie sich diesen Spießer in Armani-Jeans vorstellen, in Dolce & Gabbana - also ich nicht! Ich hätte auch gern mal ein paar coole Tattoos und ein paar Piercings. Und ohne dieses rosa Gedöns und ein bisschen strategisch aufgemotzt an manchen Stellen - bei der Oberweite zum Beispiel - könnten mich doch glatt auch ein paar Jungs kaufen oder gar junge Männer.

W&V: Wenn Sie aber doch vielleicht in Würde altern könnten - wie Katherine Deneuve, Jane Fonda oder so? Wie wär's denn mit sozialem Engagement, dem Tierschutz wie die Bardot, oder dem Naturschutz? Könnte das Ihrer Marke nicht nutzen?

Barbie: Nee, also ehrlich nicht, ich steh' zu meinem billigen Plastik. Grün ist echt nicht so meine Farbe. Und dann überall diese widerlichen Tierhaare - pfui!

W&V: Eine eigene Talkshow vielleicht? Ein eigenes Casting-Format? "Germany's Next Top-Barbie"?

Barbie: Das hat man mir doch schon dutzendfach angeboten und ich habe immer wieder abgelehnt. Ich habe einfach das gleiche Problem wie die Klum: Neben mir Klasse-Frau kann einfach keiner in der Jury bestehen! Wen wollen Sie denn auch dazu setzen? Papa Schlumpf und den Goldbären vielleicht? Außerdem wollen doch die Mädels von heute lieber gleich selbst auf den Laufsteg und sich mit komischen Klamotten lächerlich machen.

W&V: Jetzt fällt uns aber auch gar nichts mehr ein, wie man Ihre Marke attraktiver machen könnte. Haben Sie noch eine Idee?

Barbie: Also wenn mich die Jungs nicht kaufen wollen, dann bleibe ich eben meinen Freundinnen aus den 60er, 70er und 80er Jahren treu. Die haben immer gern mit mir gespielt. Für Best-Ager-Produkte wäre ich beispielsweise total offen.. On Pack-Promotions könnte ich mir vorstellen für Cremes und Zahnpasta, Wellness-Tees. Und eine eigene Kollektion bei Adler oder so wäre toll...


Autor:

Anja Janotta, Redakteurin
Anja Janotta

seit 1998 bei der W&V - ist die wohl dienstälteste Onlinerin des Hauses. Am liebsten führt sie Interviews – quer durch die ganze Branche. Neben der W&V-Morgenpost, Kreativ- und Karrierethemen schreibt sie ab und zu was völlig anderes - Kinderbücher. Das jüngste dreht sich um  ein paar nerdige Möchtegern-Influencer.



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