"Neon"-Studie :
Millennials wollen wieder Karriere machen

Das Magazin "Neon" hat seine Zielgruppe befragt. Die 18- bis 35-Jährigen legen heute mehr Wert auf beruflichen Erfolg als vor drei Jahren.

Text: Susanne Herrmann

Mediennutzung ist - auch dank digitaler Technik - nach wie vor beliebt bei den Jungen.
Mediennutzung ist - auch dank digitaler Technik - nach wie vor beliebt bei den Jungen.

Die jungen Erwachsenen wünschen sich gute Bezahlung und eine sichere Festanstellung: Das sind der "Neon"-Studie "Generation 2017" zufolge die entscheidenden Kriterien bei der Berufswahl. Berufliche Laufbahn und Sicherheit im Job haben oberste Priorität für die 18- bis 35-Jährigen. So sagen in der Umfrage fast drei Viertel von ihnen (72 Prozent), die eigene Karriere sei "wichtig" oder "sehr wichtig", beim sicheren Arbeitsplatz sind es 86 Prozent. Das Hamburger Marktforschungsinstitut Mindline befragte für das Gruner+Jahr-Magazin 1000 repräsentativ ausgewählte junge Erwachsene. Die Ergebnisse im Detail stellt "Neon " in seiner aktuellen Ausgabe vor (7/2017).

Noch 2014 lag in der "Neon"-Studie der Spaß am Job an erster Stelle. Das angenehme Arbeitsklima mit netten Kollegen ist den Millennials zwar auch heute noch wichtig. Eine untergeordnete Rolle bei der Arbeit spielen aber Motive wie Spaß oder Selbstverwirklichung.

Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) empfindet ihre Tätigkeit als flexibel und vier von zehn ihre Arbeit als wertgeschätzt (39 Prozent). Zugleich aber fühlen sich die 18- bis 35-Jährigen gestresst (37 Prozent) und belastet (35 Prozent).

Im Job zählen für die 18- bis 35-Jährigen Karriere und Sicherheit. (Neon)

Im Job zählen für die 18- bis 35-Jährigen Karriere und Sicherheit. (Neon)

Sicherheitsbedürfnis löst Sinnsuche ab

56 Prozent wären nicht dazu bereit, ihren festen Job für eine spannendere, dafür aber befristete Stelle aufzugeben. Das würde lediglich jeder Vierte in Betracht ziehen. "Millennials werden oft als Menschen dargestellt, die im Job zuallererst Sinn suchen, weil ihnen gefühlt die ganze Welt offen steht. Unsere Ergebnisse zeichnen da ein anderes Bild", sagt "Neon"-Chefredakteurin Ruth Fend.

Das ist vermutlich auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Angst zunimmt. Deutlich mehr als früher äußerten die jungen Erwachsenen beispielsweise, Angst vor Krieg (55 Prozent) und Kriminalität (48 Prozent) zu haben. Zwei Drittel der Befragten gaben an, vor der Politik Donald Trumps "etwas" (48 Prozent) oder sogar "sehr" (21 Prozent) Angst zu haben, 45 Prozent äußerten die Befürchtung, Opfer eines Terroranschlags zu werden. 55 Prozent glauben sogar, dass es in Deutschland noch einmal Krieg geben wird. 2014 waren es nur 34 Prozent. 44 Prozent fürchten Krankheit, 43 Prozent Armut, 34 Prozent Arbeitslosigkeit, 32 Prozent haben Angst vor Überfremdung.

Junge Erwachsene fürchten Trumps Politik, Krieg und Terror. (Quelle: Neon-Studie)

Junge Erwachsene fürchten Trumps Politik, Krieg und Terror. (Quelle: Neon-Studie)

Aber: Mehr als die Hälfte (54 Prozent) sieht der Zukunft optimistisch oder hoffnungsvoll entgegen. Bei gut einem Viertel (27 Prozent) dominieren Angst und Pessimismus. Aber: 27 Prozent (verglichen mit 6 Prozent 2014) würden die Stimmung in Deutschland aktuell mit "ängstlich" beschreiben, 21 Prozent mit "pessimistisch", nur 14 Prozent mit "optimistisch". Angesichts der politischen Spannungen und Krisenherde machen die Studienautoren hier einen Stimmungsumschwung in der "Generation 'Neon'" aus. 

Die Themen Zuwanderung und Rechtspopulismus spalten die Jungen: 54 Prozent macht vor allem der Fremdenhass Sorge, 50 Prozent die Zuwanderung. Von der Politik wünsche sich viele die Sicherung des Friedens (43 Prozent) und die Herstellung sozialer Gerechtigkeit (30 Prozent). Eine klare Mehrheit (60 Prozent) meint allerdings, dass die Politik in Deutschland die derzeitigen Probleme weniger oder gar nicht gut bewältigen kann. Daher sind sie uneins in der Kanzler-Frage: 35 Prozent hätten nach der Bundestagswahl in diesem Jahr am liebsten Pressemitteilung Martin Schulz als Bundeskanzler, 33 Prozent Angela Merkel und 32 Prozent keinen von beiden. Ob sie dennoch zur Wahl gehen werden? Deutlich weniger als die Hälfte (43 Prozent) glaubt, dass ihre Stimme bei politischen Wahlen etwas bewirken kann. 

Freizeit: gern mit Medien

Ihr Geld geben die Millennials am liebsten für Urlaube aus (42 Prozent). Knapp dahinter liegt "Essen gehen" (41 Prozent). Gern Klamotten kaufen sich 37 Prozent, bei Wohnen und Einrichtung sind es 30 Prozent. Aber immerhin 60 Prozent der jungen Erwachsenen besitzen ein eigenes Auto.

Knapp die Hälfte der 18- bis 35-Jährigen (46 Prozent) verbringt einen perfekten Samstagabend am liebsten zu zweit mit ihren Partnern. 40 Prozent lesen, schauen fern, sitzen vor dem Computer oder nutzen das Smartphone. (Aber: 64 Prozent der Befragten legt regelmäßig bewusste Offline-Phasen ein.)

Mit deutlichem Abstand folgen für knapp jeden Vierten (24 Prozent) als liebste Wochenend-Beschäftigung Kino-, Theater- oder Konzertbesuche. Für gut jeden Fünften sind es der Besuch von Clubs und Bars mit Freunden und das Treffen mit Freunden zum gemeinsamen Kochen (jeweils 21 Prozent). Fast jeder Fünfte (19 Prozent) möchte am Samstagabend aber seine Ruhe haben und früh ins Bett gehen.

Das Ruhebedürfnis, das sich hier ausdrückt, projizieren viele auch in ihre Zukunftswünsche. 46 Prozent der Befragten würden im Alter von 40 Jahren am liebsten in einem Haus am Stadtrand wohnen. 9 Prozent träumen von einer Hütte am Strand, 4 Prozent reizt das Leben in einer Kommune auf dem Land. Lediglich 18 Prozent wollen dagegen in der Stadt wohnen.

Für die große Mehrheit der 18- bis 35-Jährigen sind Kinder ein unverzichtbarer Teil ihrer eigenen Familie. Jeder Vierte (25 Prozent) hat bereits Kinder. Von den Befragten ohne Kinder geben fast drei Viertel an (73 Prozent), Kinder haben zu wollen. Kann also gut sein, dass die Generation Alpha eine große Bevölkerungsgruppe wird.

Widersprüchliches Informationsverhalten

Falschmeldungen vermuten die Hälfte der Millennials im Internet (51 Prozent), aber immerhin 25 Prozent in klassischen Massenmedien. 34 Prozent stimmen der Aussage zu, dass Massenmedien regelmäßig Falschnachrichten verbreiten, 33 Prozent halten das für Absicht.

Um sich zu informieren, nutzen die jungen Erwachsenen aber Fernsehen und Internet gleichermaßen intensiv (68 Prozent), das Radio landet mit 46 Prozent noch knapp vor den Sozialen Medien (45 Prozent). 53 Prozent vertrauen öffentlich-rechtlichen Fernsehnachrichten, 45 Prozent Informationen aus der Tageszeitung. Trotz der hohen Nutzung von Online-Quellen trauen nur 18 Prozent Informationen aus Sozialen Netzwerken, 14 Prozent Bloggern.

Der meistgenutzte Social-Media-Dienst ist mit 78 Prozent Whatsapp gefolgt von Facebook mit 57 Prozent und Youtube mit 44 Prozent. Ein Viertel nutzt Instagram, Snapchat (13 Prozent) liegt gleichauf mit Twitter (12 Prozent). Geringe Relevanz bei den Jungen haben Xing (6 Prozent) und Linkedin (6 Prozent).


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.