Umstrittene Kampagne :
Ministerin Hendricks entschuldigt sich für "Bauernregeln"

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks entschuldigt sich für die Motive der "Bauernregeln"-Kampagne, die von Landwirten und Verbänden massiv kritisiert wird. In der zweiten Kampagnenstufe lädt sie nun zum Dialog ein.

Text: Frauke Schobelt

- 3 Kommentare

Ein Ziel - nämlich Aufmerksamkeit für das Thema - haben die "neuen Bauernregeln" erreicht.
Ein Ziel - nämlich Aufmerksamkeit für das Thema - haben die "neuen Bauernregeln" erreicht.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks lenkt ein. Nach massiven Protesten gegen die "Bauernregeln"-Kampagne und Rücktrittsforderungen entschuldigt sich die SPD-Politikerin bei den Landwirten, die sich durch die provokanten Motive angegriffen fühlen.   

In einem Video-Statement sagte Hendricks nun: 

"Viele von Ihnen geben mir Recht darin, dass sich etwas ändern muss in der Art und Weise, wie wir in Deutschland Landwirtschaft betreiben. Gleichwohl sehen Sie sich durch die Aufmachung der Kampagne persönlich angegriffen oder sich in ihrer Berufsehre verletzt. Das tut mir leid - mir auch ganz persönlich! - denn das war selbstverständlich niemals meine Absicht."

Mit Sprüchen wie "Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm" sollten elf "neue Bauernregeln" zu einer Debatte über die Zukunft der Landwirtschaft anregen (Agentur: Tinkerbelle). Verbände und Landwirtschaftsminister sahen dagegen einen ganzen Berufsstand diffamiert und prangerten die 1,6 Millionen Euro teure Kampagne als "Steuergeld-Verschwendung" an. 

Die polarisierenden Motive auf Plakaten und in Social Media haben für viel Aufmerksamkeit gesorgt, nun startet das Bundesumweltministerium die zweite Stufe der Kampagne. Die Ministerin fordert eine sachliche Debatte und lädt zum Dialog ein. Das "Kernanliegen" der Werbeaktion, wie ein Sprecher des Umweltministeriums gegenüber dem "Handelsblatt" erklärt. Weitere "Bauernregel"-Plakate soll es nicht geben. 

Für diesen "Dialog" gibt es eine eigene Website unter bmub.bund.de/dialog-landwirtschaft, auf der demnächst unter der Überschrift "Landwirtschaft geht uns alle an: Wir müssen reden" ein Forum für Diskussionen eingerichtet wird. Auch Debatten in sozialen Medien und bei einer Reihe von Veranstaltungen mit Hendricks soll es geben.  

Weitere Plakate mit "Bauernregeln" soll es nicht geben. 

Und so bewertet Stefan Kolle, Geschäftsführer Kreation bei Kolle Rebbe Hamburg, die Kampagne:

"Die Bauernregel Nr. 1 für Kampagnen im Bereich Politik und Institutionen: Prüfe vorher, wer dir nachher Kummer machen kann. Die Lobby der Landwirte, Bauern und Unternehmen in der traditionellen Nahrungsmittel-Industrie ist stark. Klar, dass diese Kampagne da schlecht ankommt.

Durch den Stop und die Berichterstattung in der Presse darüber, bekommt die Kampagne genau die Wirkung, die sie nie gehabt hätte, wäre sie einfach nur so still dahin gelaufen.

Ich finde die Kampagne gut. Noch besser ist die losgetretene Diskussion. Also in Summe alles gut gelaufen. Auch wenn es gar nicht so geplant war. Nur die Ministerin schneidet schlecht ab, weil man denkt, sie hat kein Rückgrat."


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



3 Kommentare

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Anonymous User 13. Februar 2017

alle in unserem bekanntenkreis sagen,bauernregeln sind voll!!!!richtig.

Anonymous User 12. Februar 2017

Ich kann es gar nicht fassen! Eine Umweltministerin, die sich bei Landwirtschafts-Lobbyisten entschuldigt, obwohl die Kampagne punktgenau, aber charmant die Probleme in der Landwirtschaft aufgegriffen hat! Das ist sehr schwach!!! Sehr schwach, Frau Hendricks!

Anonymous User 10. Februar 2017

Unglaublich wie man einknickt! Kein Rückrat.
Super Motive. Aber hier sieht man mal wieder die politische Vernetzung
der Bauernlobby. So ändert sich nie was.

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